Goch: Den Tiger im Regal

Goch : Den Tiger im Regal

Die Ausleihzahlen der Gocher Stadtbücherei steigen seit Jahren. Das Geheimnis des Erfolgs bilden nicht nur das breite Angebot und die Sonderveranstaltungen, sondern auch die engagierten Mitarbeiter.

Das erste eigene Bilderbuch der britischen Schriftstellerin Judith Kerr, die vor allem durch ihre Jugendbücher bekannt wurde, basiert auf einer Gute-Nacht-Geschichte, die sie ihren beiden Kindern oft erzählte.

Darin geht es um ein kleines Mädchen namens Sophie. Aus heiterem Himmel werden sie und ihre Mutter beim gemeinsamen Teetrinken von einem Tiger besucht. Der leert nicht nur sämtliche Teetassen und verzehrt den kompletten Nahrungsmittelvorrat des Hauses, sondern trinkt sogar die Wasserhähne leer, so dass Sophie kein Bad mehr nehmen kann. Anschließend verschwindet er wieder.

Ganz so dramatisch ist der Ansturm auf die Stadtbücherei Goch zwar nicht, doch seit Jahren steigen die Ausleihzahlen konstant an. 2004 waren es noch 118 000 Ausleihen und im vergangenen Jahr stattliche 134 720. "Aktive Leser haben wir etwa 3000", so die Leiterin Michaela Koprek, wobei es vermutlich sogar mehr sind, denn häufig nutzen Familien ja nur einen gemeinsamen Leserausweis.

Engagiert und kreativ

Seit 23 Jahren ist Koprek bei der Stadtbücherei und weiß über das fünfköpfige Team nur Gutes zu berichten. Neben dem Engagement der Mitarbeiter ist es vor allem die "Kreativität", mit der sich jeder seiner Aufgabe widmet, die beeindruckt und Teil des Erfolgs ist. So gibt es immer wieder Ideen für Sonderveranstaltungen wie Klassenführungen, Vorlesestunden und eine Vielzahl anderer publikumswirksamer Aktionen.

"Sachbücher, insbesondere aus den Bereichen Gesundheit, Medizin und Psychologie sind besonders gefragt", berichtet Koprek. Neben Reiseführern und Büchern über Kochrezepte und Gärten sind sie, was die Ausleihe angeht, sowohl Dauerbrenner als auch Spitzenreiter.

Ebenfalls in der Mehrheit sind übrigens auch die weiblichen Leser, was Besuche in der Bücherei angeht. "Die meisten Angemeldeten sind schon Frauen", verrät Koprek und erklärt, "wenn Männer etwas ausleihen, dann meist politische Bücher oder Krimis." Es gebe allerdings ein Genre, dass Frauen und Männer eine: Fantasy-Romane.

Die Stadtbücherei ist mit ihren mehr als 40 000 Titeln im letzten Flügel des ehemaligen Tertianerinnenklosters untergebracht und wartet im Innern des historischen Backsteingebäudes mit einer ganz besonderen Atmosphäre auf. Neben der Tatsache, dass alles kostenlos ist, wirkt sich die zentrale Lage ebenfalls positiv aus.

Bei der Auswahl des Angebotes macht sich Koprek viele Gedanken, um den Geschmack der Leser zu treffen. Die Stadtbücherei soll vorbereitet sein. Ebenso wie Sophie in Kerrs Geschichte vom teetrinkenden Tiger. Sie kauft nämlich für den nächsten Tag noch mehr Essen und sogar Tigerfutter ein — auch wenn der nicht mehr auftaucht.

(RP)
Mehr von RP ONLINE