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Dem ehemaligen Gocher Bürgermeister wurde die Ehrenbürgerschaft verliehen.

Willi Vaegs ist Gocher Ehrenbürger : Ein Macher mit Herz

Der Schmiedemeister Willi Vaegs ist neuer Ehrenbürger der Stadt Goch. Der 84-Jährige ist noch heute in vielen Vereinen aktiv. Als Bürgermeister war ihm die Bürgersprechstunde das Wichtigste.

Hufschmied, Feuerwehrmann, Handwerksmeister, Politiker, Menschenkenner, Heimatfreund – dies sind nur wenige Bezeichnungen für einen Gocher, den eigentlich alle kennen und schätzen: Willi Vaegs, 84-jähriger Altbürgermeister der Weberstadt, wird ihr neuer Ehrenbürger. „Ein bisschen angespannt“ habe er sich gefühlt an dem Abend, als der Haupt- und Finanzausschuss in Vertretung des Rates über den Antrag befand, den Franz van Beek als Vorsitzender des Heimatvereins und stellvertretend für diesen formuliert hatte. Der Beschluss aber war einstimmig.

„Eine solche Entscheidung ist immer einstimmig“, so van Beek am Tag danach. Auch habe er mit sehr vielen Menschen aus den Ausschüssen der Verwaltung und von mehreren Vereinen im Vorfeld gesprochen, und alle hätten bestätigt, dass Willi Vaegs die Ehrenbürgerschaft mehr als verdient hätte. „Er denkt und handelt mit dem Herzen“, sagt van Beek. In seinem Antrag schrieb er: „Willi Vaegs´ Verdienste um die Stadt Goch begründen sich in seinen grundsätzlichen Eigenschaften als Mann des Volkes, in seiner Heimatverbundenheit, Ursprünglichkeit, Menschlichkeit, Herzlichkeit, Aufrichtigkeit und der Unermüdlichkeit, diesen Eigenschaften ungekünstelt und unverbogen, bisweilen auch „gegen den Trend“ treu zu sein.“ Am ersten Weihnachtstag des Jahres 1935 wurde Willi Vaegs in Goch geboren. Vater Mathieu Vaegs führte an der Bahnhofstraße die Schmiede, die Johann Vaegs 1759 gegründet hatte.

Auch Willi lernte das Handwerk des Hufschmieds und schob noch eine Lehre als Metallbauer hinterher. In beiden Berufen machte er den Meister. Kurz arbeitete er bei den Fahrzeugwerken Hendricks in Kleve, stieg dann aber in die Firma des Vaters ein. „Er brauchte mich“, erinnert er sich. „Ich war immer so ähnlich wie mein Vater“, sagt er und berichtet, wie er schon früh der Kolpingsfamilie beitrat und bereits in jungen Jahren zum „Senior“ ernannt wurde. Vater Mathieu Vaegs war Feuerwehrmann, und so trat auch Willi dort bei. „Die Feuerwehr war mein Hobby“, erzählt er und seine lebendigen Augen leuchten. Mit 35 wurde er Hauptbrandmeister, wozu anspruchsvolle Prüfung erforderlich waren. Bis 1984 war er stellvertretender Wehrführer des Standortes Goch und erhielt 1991 für seinen Einsatz das Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold.

Willi Vaegs war bereits als junger Mann politisch aktiv, als Mitglied der CDU wurde er 1984 in den Rat der Stadt gewählt. Es folgten viele Ämter: ehrenamtlicher Bürgermeister von 1989 bis 1999, Vorsitzender des Rates und unter anderem Mitglied im Aufsichtsrat der Stadtwerke. „Das habe ich alles gern gemacht, es hatte was mit Metall und Arbeit und Menschen zu tun“, so Vaegs. Viel hat er erlebt und erzählt sehr gerne davon auf Platt, Hochdeutsch und „gemischt“. Einmal seien die Grünen mit Eis in der Hand in die Ratssitzung gekommen. „Da habe ich sie freundlich aber auch ein bisschen streng aufgefordert, dass sie das Eis draußen essen sollen.“ Es gab keine Probleme, denn „auf den Ton kommt es an, dann klappt´s“.

In seiner Zeit als Bürgermeister sei ihm die Bürgersprechstunde das Wichtigste gewesen. Viele kamen und berichteten von ihren Problemen. „Willi kümmert sich“ – das sei der Spruch gewesen. Nicht nur für die Belange der Gocher setzte er sich ein, auch für das Metallhandwerk. Er war Obermeister der Innung, führte überbetriebliche Unterweisungen in der Berufsschule durch, saß in der Tarifkommission. Die Liste der vielen Ämter ist lang, ebenso vielfältig die Ehrungen. Genannt sei der Verdienstorden am Bande, der ihm 2008 verliehen wurde. Wer mit der Stadt Goch verbunden ist, ist auch Karnevalist. Vaegs ist nicht nur Mitglied im Festkomitee Gocher Karneval (RZK) sondern war 1975 auch Prinz Willi I. und regierte das Gocher Narrenvolk zusammen mit Prinzessin Gabi I. (Zürichs).

Zu seinem vielfältigen sozialen und kulturellen Engagement gehören auch Mitgliedschaften im Heimatverein, dem er 18 Jahre lang vorstand, und im Förderkreis für Geschichte und Mundart im Kreis Kleve „För Land un Lüj“. Auch hier übernahm er den Vorsitz, ein Beispiel dafür, dass er ein „Macher“ ist, der Verantwortung übernimmt. „Wenn man ihn braucht, ist er da“, berichtet auch Franz van Beek, der ihn nicht nur als Vereinskollegen gut kennt, sondern auch als Politiker. Und in all den Jahren arbeitete er als Schmiedemeister. „Er musste, wenn abends Ratssitzung war, morgens nicht nur seine Arbeitskleidung, sondern auch Anzug und Hemd mitnehmen“, erzählt Gisela, die Frau an seiner Seite.

Sie ist heute froh, dass sie im Betrieb mitgearbeitet hat. „Dann haben wir uns wenigstens tagsüber gesehen,“ sagt sie lächelnd. 57 Jahre sind sie miteinander verheiratet, haben zwei Töchter und zwei Enkelkinder.