Goch: "DaZ"-Schüler bedanken sich bei Helfern

Goch: "DaZ"-Schüler bedanken sich bei Helfern

Die Stadt Goch, ihre Schulen und viele Ehrenamtler beschäftigen sich intensiv mit den Zukunftschancen von Kindern mit unterschiedlichsten Migrationshintergründen. Jetzt luden die Jugendlichen ihre Unterstützer zu sich ein.

Was haben ein Junge aus Litauen, ein Mädchen von der Elfenbeinküste, ein Heranwachsender aus dem Irak und eine Jugendliche aus Zypern gemeinsam? Ganz viel natürlich - ihre Jugend, große Zukunftserwartungen, Interesse an modernen Medien und allerlei Unfug im Kopf. Noch etwas kommt hinzu, falls alle (zum Beispiel) in Deutschland leben: Sie müssen Deutsch lernen. Meist haben ihre Eltern beschlossen, mit der Familie die alte Heimat zu verlassen und einen Neustart in einem anderen Land zu versuchen. Für die schulpflichtigen Kinder bedeutet das, so schnell wie möglich Deutsch lernen zu müssen. Das tun sie in einer "DaZ-Klasse", wie es sie auch in Goch gibt.

Magdalena Stenmans unterrichtet sie an der Gustav-Adolf-Hauptschule. In der Pfalzdorfer Dependance, in der es einige freie Klassenräume gibt, kommen die Jungen und Mädchen aus verschiedensten Ländern und Kulturkreisen vormittags zusammen, um sich intensiv mit der für alle noch fremden Sprache zu beschäftigen. "Deutsch als Zweitsprache" (DaZ) heißt der Kursus, auf den jeder Schüler zwei Jahre lang Anspruch hat, um von dort aus mit guten Sprachkenntnissen an eine Schule zu wechseln, die ihn zu einem passenden Schulabschluss begleitet. Im Fall der 14-jährigen Tamrizia aus Zypern gelang der Sprung aufs Gymnasium. Das selbstbewusste Mädchen, das zuhause neben Griechisch auch Russisch spricht, besucht die 7. Klasse des Städtischen Gymnasiums und sang jetzt für seine Freunde und die Besucher in einer kleinen Feierstunde "Stille Nacht" auf Russisch.

"Wir haben Ihnen allen viel zu verdanken", stellte Magdalena Stenmans anlässlich einer besondern "Unterrichtsstunde" fest: Die Schüler und sie hatten alle Menschen und Institutionen eingeladen, die sich um die DaZ-Klasse verdient machen. Bürgermeister Ulrich Knickrehm und Hermann-Josef Kleinen als Schulamtsleiter, Franz van Beek und Norbert Arntz als Schulleitung, dazu mehrere Ehrenamtler, die einen Teil ihrer Freizeit in den Dienst der guten Sache stellen.

Da ist zum Beispiel der frühere Konrektor der Gustav-Adolf-Hauptschule, Ernst Figge, zu nennen, der mit der Pensionierung nicht aufhörte, Pädagoge zu sein. Oder Ursula Wintjens, die sich vielfach für soziale Belange einsetzt und trotz ihres keinesfalls mehr jugendlichen Alters überall dabei ist, wo sie nützlich sein kann. "Ich lese mit den jungen Leuten nicht nur Texte, sondern spreche auch mit ihnen und versuche, Dinge zu erklären, die sie nicht verstehen."

Ein Glücksfall anderer Art ist Harald Turno, der erst als Ruheständler nach Goch gezogen ist. Geschäftlich hat er Jahrzehnte seines Lebens in Dubai und Saudi-Arabien verbracht und spricht fließend Arabisch, ebenso wie Englisch. Beides hat er nicht verlernt und kann deshalb den Schülern aus dem arabischen Raum helfen. Manfred Oesterreich wiederum, der frühere Leiter der damaligen Hauptschule in Bedburg-Hau, wirft all seine Unterrichtserfahrung in die Waagschale. "Ich mache, was Frau Stenmans mir vorgibt", sagt er. Und dass er dank niederländischer und spanischer Schüler seine eigenen Fremdsprachen-Kenntnisse wach hält, sei ein schöner Nebeneffekt. Die heutigen Schulleiter sind den Akteuren dankbar für ihren Einsatz. "Wenn die Jugendlichen nach zwei Jahren die Klasse von Frau Stenmans verlassen, dann können sie etwas. Sie kommen dann an ihrer neuen Schule gut mit und können sich wie alle anderen auch auf den Übergang zum Beruf vorbereiten", sagt Norbert Arntz. Der Bürgermeister wiederum ist froh über jeden, der sich für die Integration von Migranten und fürs Gemeinwohl einsetzt. Bei Kaffee und Brötchen war noch Zeit zu munterem Austausch.

(RP)