Goch: Das verbotene Buch

Goch : Das verbotene Buch

Bei B.O.S.S an der von-Monschaw-Straße in Goch werden zur Zeit mit größtem Aufwand Bücher gedruckt, die nie in den Handel kommen dürfen. Daher ist schon klar: Die Beuys-Ausstellungskataloge werden gesuchte Kostbarkeiten.

goch Getöse in der Druckerei, geschäftige Betriebsamkeit bei B.O.S.S, es duftet nach hochwertigem Papier und ebenso hochwertigen Druckfarben. Dr. Bettina Paust schaut, kontrolliert, vergleicht, zeichnet einen großen, gerade gedruckten Bogen ab. Nein, natürlich gebe sie keine Autogramme, sagt die Direktorin des Museums Schloss Moyland und lacht. "Ich habe das abgezeichnet, dokumentiert, dass ich mit dem Ergebnis zufrieden bin."

"Das Ergebnis" — das sind die ersten Seiten für einen Ausstellungskatalog, der Zeichen setzen wird, in vielerlei Hinsicht. Zum einen, weil er in Sachen Beuys Kennern und Laien eine Menge Neues geben wird — und zum anderen, weil dieser Katalog gar nicht erst in den Buchhandel kommt. Trotzdem drucken Franz Engelen und sein Team 1200 Exemplare davon, mit gewaltigem Aufwand.

Im Clinch mit den Erben

Wie geht das zusammen? Moyland macht eine große, eine ganz andere Beuys-Ausstellung. Dazu gibt es einen dicken Katalog mit Beiträgen namhafter Wissenschaftler, ein Buch, das zum Standardwerk wird, so viel ist jetzt schon klar. Und dann kommt so eine Art "Zensur": Bekanntlich liegt Moyland seit geraumer Zeit im Clinch mit den Beuys-Erben, allen voran Witwe Eva. Und die hat zahlreiche Juristen eingeschaltet. In Bonn wiederum, da sitzt die Verwertungsgesellschaft Bild-Kunst, VG genannt. Die muss zustimmen, wenn Kunstwerke in Druck- oder digitaler Form abgebildet werden. Und nun hat die VG Bild-Kunst verboten, dass der Ausstellungskatalog bei einem Verlag erscheint und vertrieben wird. Nie wird ein Exemplar in einer Buchhandlung liegen dürfen.

Aber es ist trotzdem nicht alles für die sprichwörtliche Katz'. Das Museum darf nämlich die Kataloge im eigenen Hause verkaufen, es darf sie auf Bestellung auch verschicken, dann aber nur in Verbindung mit einer Eintrittskarte. Und — die Kataloge dürfen während der Dauer der Ausstellung, immerhin sechs Monate, über die Museums-Ladentheke gehen. Also — Auftrag für B.O.S.S, die vielfach preisgekrönte High-Tech-Druckerei. Jetzt, mit diesem Buch, betrieben die B.O.S.S-Leute wieder Riesen-Aufwand. Beispielsweise ganz feine Bleistiftzeichnungen auf allerlei "unmöglichem" Papier bis zu Filtertüten so abbilden und drucken, dass sie dem Original ganz, ganz nahe kommen, ist ein schwieriges Unterfangen. Da wurde für wirklich jede der rund 100 Abbildungen gefeilt und getüftelt, bis Farbe, Kontrast, Helligkeit originalgetreu waren, bis man bei jedem Bild das Originalpapier sehen konnte. So was klappt nur mit Begeisterung. Franz Engelen: "Die habe ich bei jedem neuen Buch, das wir machen."

Internet Mehr auf www.rp-online.de/goch. Ein weiterer Bericht folgt am Samstag auf der Seite Lokale Kultur.

(RP)
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