Das Gocher Kolpinghaus wurde an ein Vereinsmitglied verkauft

Vereinsheim : Kolpinghaus bleibt ein Stück Goch

Die Reihe der wenig erfolgreichen Wirte  ist lang. Das Haus in Eigenregie zu führen und einen guten Pächter zu finden, überforderte die Kolpingfamilie. Jetzt gelang es, die Immobilie an Vereinsmitglied Heinrich Schmitz zu verkaufen.

Entwarnung für ein Gebäude, das viele Bürger als ein Stück Goch empfinden, ohne das sie sich ihre Stadt nicht vorstellen möchten: Das Kolpinghaus an der Mühlenstraße wird nicht abgerissen, sondern bleibt als das erhalten, was es immer war. Nur schöner und auf wirtschaftlich tragfähigeren Füßen stehend: Die Vollversammlung des Vereins hat den Verkauf der leerstehenden Immobilie beschlossen, der Käufer ist ein Vereinsmitglied, das etwas für die gesamte Kolpingsfamilie tun will. Heinrich Schmitz, 54-jähriger Gocher Unternehmer und unter anderem im Karneval engagiert, ist der neue Eigentümer. „Der Notar-Termin steht noch aus, aber die Versammlung war happy über die Entscheidung“, so Schmitz.

Der Vorstand der Kolpingsfamilie ist über das Erreichte sehr glücklich. Lambert Berends, der stellvertretende Vorsitzende, sagte im Gespräch mit der Rheinischen Post, damit sei genau das zustande gekommen, was die allermeisten Kolpingfreunde sich sicherlich erhofft hätten. „Wir sind der Meinung, dass eine super-gute Lösung gefunden wurde. Das Haus mit seiner langen Tradition wird sich zwar verändern, dem Verein aber weiter zur Verfügung stehen.“

Heinrich Schmitz wird die Erneuerung des Kolpinghauses sehr strukturiert und vernünftig, eben professionell angehen. Zwei Probleme sind es im Wesentlichen, die in den vergangenen Jahren schuld daran waren, dass die Entwicklung des Hauses immer weiter bergab ging:  Die Wohnungen in den oberen Stockwerken sind in so schlechtem Zustand, dass sie nicht mehr zu vermieten waren. Hinzu kam der Brandschutz, der für  öffentlich genutzte Räume nicht ausreichte. Nach ersten Gesprächen mit der Baubehörde hofft Schmitz, für beides eine Lösung zu haben: „Die Wohnung in der ersten Etage und im Obergeschoss möchte ich zu mehreren kleineren Wohnungen ausbauen, Räume für den Verein wird es oben nicht mehr geben.“ Es existiert nämlich über eine hintere Treppe durchaus ein zweiter Fluchtweg für die Wohnungen, bloß genügt diese nicht den Ansprüchen der Versammlungsstättenverordnung.

Soll heißen: Wenn 50, 60 Chormitglieder in einem Raum proben ist das eine andere Situation, als wenn einzelne Mieter das Haus rasch verlassen können müssen. „Und der Chor fühlt sich eigentlich auch im Michaelsheim wohl, habe ich erfahren. Ansonsten gibt es demnächst ja auch wieder den Saal“, erklärt Schmitz.

Aber das ist Zukunftsmusik. Erst einmal ist klar, dass das Haus umfassend instand gesetzt wird. Und dass danach auch das Restaurant schick gemacht wird. „Ich weiß noch nicht, ob ich einen Pächter suche oder die Gastronomie selbst betreiben werde. Vermutlich ist es einfacher, Personal für Küche und Service einzustellen, als einen Pächter zu finden, der das wirtschaftliche Risiko zu tragen hätte.“ Am wichtigsten ist dem Investor,   seinen 700 Vereinskameraden ihre Heimat zu erhalten. Als Mitglied des Gocher Rosenmontagszug-Komitees (RZK) weiß Schmitz, dass Kolping und andere Gocher (Karnevals-)Vereinigungen  die vielseitigen Räume samt Jugendkeller in dem traditionsreichen Haus nur zu gut gebrauchen können. „Ich denke noch oft an die Session 2011, als das Ehepaar Schmallenbach unser Kolpinghaus bewirtschaftete. Da trafen sich alle Karnevalisten und feierten - so soll es wieder werden.“