Goch: Das Ende eines Traditionsgeschäftes

Goch : Das Ende eines Traditionsgeschäftes

Das Einrichtungshaus Kracht-Hübbers schließt nach beinahe 70 Jahren zum 31. August seine Pforten in Goch. Manfred Hübbers, seit 1970 Inhaber, hat keinen Nachfolger gefunden. Ab heute wird der Bestand verkauft.

Die Stadt Goch wird um ein Traditionsgeschäft ärmer: Das weit über die Grenzen des Niederrheins hinaus bekannte Einrichtungshaus Kracht-Hübbers schließt nach beinahe 70 Jahren zum 31. August endgültig seine Pforten. Inhaber Manfred Hübbers, seit dem 1. Juli 1970 Chef des von seiner Mutter Johanna Hübbers und seiner Tante Johanna Kracht 1949 gegründeten Unternehmens und mittlerweile 76 Jahre alt, hat zwei Jahre lang vergeblich versucht, eine(n) Nachfolger(in) für die international vernetzte Firma zu finden. Diese Zeitspanne hatte Hübbers genannt, als die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve mit Geschäftsführer Hans-Josef Kuypers seine Nachfolge-Problematik kreisweit zum Thema gemacht hatte (wir berichteten).

Der Versuch ist gescheitert, ab heute startet Manfred Hübbers mit dem Ausverkauf seines gesamten Bestands mit einem geschätzten Gesamtwert von etwa 700.000 Euro, von Accessoires aller Art bis hin zu kompletten Wohnungseinrichtungen und hochwertigen Teppichen oder Boxspringbetten. Damit räumt er nicht nur die insgesamt 1200 Quadratmeter Ausstellungsfläche in den beiden auf der Brückenstraße in der Gocher Innenstadt gegenüber gelegenen Häusern, sondern auch die 400 Quadratmeter großen Lagerräume, restlos aus. Bis Ende des Monats Juni sollen mehrere Aktionswochen mit großen Preisnachlässen gestartet werden.

Ziel ist die Übergabe der leeren und inzwischen verkauften Häuser an den neuen Besitzer zum 31. August. Was mit den Gebäuden geschieht, weiß Hübbers nicht. Ob sie als Ladenlokale für andere Geschäfte erhalten bleiben oder in reine Wohnhäuser verwandelt werden, ist noch ungewiss.

Die gescheiterte Übergabe des international arbeitenden Einrichtungshauses, das in der Vergangenheit nicht nur in den Niederlanden und England, sondern auch in den USA und Israel regelmäßig tätig war (wir berichteten mehrfach), lässt den Kaufmann indes nicht ruhen. "Ich hatte zwei konkrete Bewerber, die beide bestens geeignet gewesen wären, darunter eine 38-jährige Innenarchitektin. Zerschlagen hat sich das letztlich beide Male, weil die Geldinstitute nicht bereit waren, die Existenzgründung finanziell zu begleiten", sagt Hübbers und nennt den "Mindestbedarf von 300.000 Euro", den kein Geldinstitut als Kredit gewähren wollte. Nach zwei Jahren habe er sich "trotz intensiver Bemühungen der Wirtschaftsförderung Kreis Kleve mit Hans-Josef Kuypers" dazu entschlossen, seine Häuser zu verkaufen und das Traditionsgeschäft zu schließen.

"Es sind aber mehrere Dinge zusammengekommen, die mich vor zwei Jahren bewogen haben, endgültig aufzuhören", sagt Hübbers. Was ihn nämlich ebenfalls umtreibt: "Auch die Stadt Goch hat offenbar wenig Interesse, den Einzelhandel zu unterstützen. Ich würde soweit gehen zu sagen, dass die Stadt teilweise fast schon Leerstände in der City provoziert, indem sie zum Beispiel riesige Einkaufsgebiete außerhalb der Stadt zulässt". Die Argumentation, die Kunden würden später auch noch die Innenstadt besuchen, lässt der 76-Jährige nicht gelten. "Ich habe mal interessehalber einen jungen Mann beauftragt, auf den Parkplätzen am Gewerbegebiet Höster Weg vor den großen Geschäften die Kunden zu befragen, ob sie noch in die Stadt fahren. Der junge Mann hat 186 Menschen interviewt, nur eine einzige Niederländerin ist zur Stadt weitergefahren, weil sie mit ihrer kaputten Brille zu einem Optiker musste", erzählt Hübbers. Und gibt zu bedenken, dass weitere sehr große Ansiedlungen geplant sind - nicht nur auf dem interkommunalen Gewerbegebiet zwischen Goch und Weeze.

So ganz loslassen will der Einrichtungs-Experte nach fünf Jahrzehnten aber denn doch nicht: "Auch im Ruhestand werde ich weiter für meine Stammkundschaft erreichbar und beratend tätig sein, allerdings nicht mehr mit einem eigenen Geschäft", verrät er.

(RP)