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Goch: Das Buch über die wahre Schönheit

Goch : Das Buch über die wahre Schönheit

Im Gocher Pagina-Verlag erschien jetzt in hoher Auflage das Kunstbuch zur Gocher Ausstellung mit der südafrikanischen Fotografin Jodi Bieber. Es zeigt alle 30 Bilder der Serie. Herausgeber ist die Kulturstiftung Goch.

Gibt es eine wahre Schönheit? Ist Rembrandts Danae als Sagengestalt aus der griechischen Mythologie, zugleich die reale Frau aus dem Barock, schön? Oder sind es doch die so gar nicht realen, Fotoshop geschönten Magermodells der Modebranche? Die südafrikanische Fotografin Jodi Bieber saß im Flieger neben einem Model. Ränder unter den Augen kündeten vom langen Flug und vom voran gegangenen Job. Es sei egal, wie sie aussehe, erfuhr Bieber von dem Model. Was nicht perfekt sei, mache der Fotograf am Computer. Das Gespräch war die Initialzündung für Bieber die wahre, die realistische Schönheit zu suchen. Es entstanden 30 Frauenporträts, die das Museum Goch 2013 als Zyklus "Real Beauty" zeigte.

Jetzt ist das Buch zum Zyklus erschienen, beim Gocher Pagina-Verlag, finanziert von der Kulturstiftung Goch. Weil Jodi Bieber eine weltweit anerkannte und agierende Foto-Journalistin ist, haben sich die Gocher für eine hohe Auflage von 5000 Exemplaren und einen durchgängig deutsch-englischen Text entschieden, erklärt Franz Engelen für die Kunststiftung.

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Die Kunststiftung wird das Geld mittel- oder langfristig über den Verkauf des Buches wieder zurückbekommen. Der Band ist aufwenig gearbeitet, farblich sind Schrift und Einband in mittelgrün aufeinader abgestimmt (was leider nicht immer lesefreundlich ist). Die Fotos der schönen Damen sind hervorragend im Format 30 mal 30 cm gedruckt. Der weiße Einband ist mit einer griffigen, weichen Oberfläche versehen. Um den Einband liegt eine Banderole mit einer Auswahl von Fotos. Mehr als ergänzt werden die Fotos von den Texten.

Fünf Wissenschaftlerinnen, Feministinnen, Journalistinnen reflektieren in ihren Texten über die Schönheit - oder das, was unter Schönheit verstanden werden will. So, wie Rembrandts Frauen oft als "ein bisschen zu dick" betrachtet würden, wie Mieke Bal von der Universität Amsterdam am Beispiel der barocken Danae schreibt. Wobei dies, so Bal treffend, nicht eine Sache Rembrandts war, sondern lediglich die Interpretation des jeweiligen Betrachters späterer Zeit. Die Publizistin Ferial Haffajee schreibt vom Druck, den Frauen beim heutigen Schlankheitsbild ausgesetzt seien oder sich selbst aussetzen.

Ihr Credo: "Nichts ist so schön, wie eine Frau, die sich in ihrer Haut wohlfühlt". Genau das scheinen die 30 von Bieber ausgewählten Porträtierten zu tun: sich in ihrer Haut wohlzufühlen und sich zu akzeptieren. Ohne nach Botox oder Skalpell zu schielen. Biebers Fotos, so kess, krass und knallhart sie auch sind, bieten die "wunderbare, befreiende Gelegenheit, uns unseren Körper zurückzugeben", resümiert Haffajee im Sinne ihrer Mitautorinnen.

Doch auch die fotografierten Frauen kommen zu Wort, erzählen von ihrem Schönheitsbild und wie zufrieden sie mit ihrem Körper sind - auch wenn der nicht gängigen Idealen entspricht. Wie soll er auch - ohne Fotoshop . . .

Franz Engelen war als Pagina-Verleger mit einem Dummy des Bandes schon auf der Buchmesse in Leipzig - und fand reichlich Zustimmung. Gochs Museumsdirektor Stephan Mann strebt den internationalen Vertrieb des Bandes an, aber auch dessen ganz lokalen Einsatz: 100 Bücher gehen an Schulen aus der Region. Denn das Museum bietet an, mit den Schülern über das Verhältnis zum eigenen Körper zu debattieren, über Schönheitsbilder nachzudenken.

"Franz Engelen und sein Team haben ein herrliches Buch gemacht", freut sich Mann. Recht hat er: Der Band ist gelungen, die Bilder überzeugen wie die Texte. Das Buch hat 110 Seiten, kostet 34, 90 Euro, ISBN 978-3-944146-11-9

Hier geht es zur Bilderstrecke: Fotografin Jodi Bieber zeigt die wahre Schönheit

(RP)