Goch: Corpora - Kunst im Kirchenraum

Goch : Corpora - Kunst im Kirchenraum

In der evangelischen Kirche Goch ist ab Sonntag die Ausstellung "Corpora" zu sehen. Gezeigt werden Arbeiten des Gocher Künstlers Gunther Hülswitt.

Ihr Körper ist ein großer Balken, ein wenig zur Seite geneigt, das "Gesicht" schaut schräg nach oben, die Arme ausgebreitet. Sie ist so schwer, dass sie in Gänze nur mit Flaschenzügen bewegt werden kann, aber völlig ausbalanciert ruht sie nur auf drei Punkten. "Große Liegende" - das ist eine Holzplastik des Gocher Künstlers Gunther Hülswitt. Zurzeit befindet sie sich in der evangelischen Kirche in Goch gleich rechts neben dem Altar. Sie ist Teil der Ausstellung "Corpora"( lat.: die Körper), die ab Sonntag dort im Kirchenraum zu sehen ist. Gezeigt werden weitere Arbeiten Hülswitts, manche von ihnen eigens gefertigt für diese Ausstellung.

Der Arbeitskreis "Kunst und Kirche" der evangelischen Gemeinde Goch hatte bereits vor zwei Jahren mit Hülswitt Kontakt aufgenommen. "Ich musste erst einmal überlegen und mich mit dem Raum auseinandersetzen. Dann habe ich gemerkt: der Raum ist genial. Er ist hell, und die Objekte können ihre Wirkung entfalten. Es ist immer bedeutsam, wo ein Werk steht", berichtet der Künstler. Auch Pfarrerin Rahel Schaller betont den Bezug zum Kirchenraum: "Das Thema Körper und Kirche hat viele Aspekte. Es gibt den geschundenen Körper, Christus am Kreuz. Aber auch die christliche Gemeinde ist ein Körper", sagt sie. Kunst in der Kirche eröffne neue Einblicke, verändere auch den Raum, das habe sie gleich gespürt, als die Arbeiten von Hülswitt an Ort und Stelle waren. "Anders als Museumsbesucher haben Gottesdienstbesucher die Werke eine Stunde vor Augen. So kommen Gedankenprozesse in Gang", sagt Jutta Buschmann vom Arbeitskreis Kunst und Kirche. Gabriele Gondek ergänzt: "Die Exponate gestalten den Raum auch graphisch."

Die weiteren Objekte der Ausstellung hängen an den Wänden, im Vorraum und in der Nähe der Orgel. Alle thematisieren den menschlichen Körper: wie zum Segnen ausgebreitete Arme, zwei Büsten nebeneinander, ein Kopf leicht schräg wie im Gespräch, ein umgekehrtes Kreuz mit einer charakteristischen Beugung, wie ein Schwimmer beim Startsprung. Uschi Blömer vom Arbeitskreis verweist auf die Objekte nahe der Orgel: "Klangkörper korrespondieren mit dem Instrument."

Als Material verwendet Hülswitt Holz, das in der Regel nur noch als Brennholz dienen könnte. Eine 300 Jahre alte Rosskastanie an der Motzfeldstraße in Pfalzdorf musste gefällt werden, weil sie einen kranken Stamm hatte. Aus ihrem Holz besteht ein Objekt, das Hülswitt für die aktuelle Ausstellung fertigte: die Abstraktion einer Bewegung, ein angewinkeltes Bein, ein gebeugter Arm. Es ist ohne Titel. "Der Betrachter soll es auf sich wirken lassen, ohne Störung durch eine vorweggenommene Bezeichnung", sagt der Künstler.

Der ehemalige Kunstpädagoge entdeckte seine Liebe zum Holz als Material erst spät. "Mein Vater war Tischler. Ich arbeite mit Techniken der Zimmerleute und Tischler, wie zum Beispiel Federzapfen. Manchmal stoße ich mit der Säge auf Granatsplitter aus dem Krieg. Das gehört zum Holz, es ist seine Geschichte. Auch die Spuren des Alterns, Risse, aufgebrochene Rinde, das alles macht das Material so lebendig und faszinierend." Sein Atelier sei nur 40 Quadratmeter groß, jede Plastik habe einen additiven Aufbau, sie werde zusammengesteckt und könne auch wieder auseinandergebaut werden.

Ausstellungseröffnung ist am kommenden Sonntag, 29. April, unmittelbar nach dem Gottesdienst um 11.30 Uhr. Besuchszeiten sind samstags von 14 bis 17 Uhr und nach den Sonntagsgottesdiensten um 11.30 Uhr und 12.30 Uhr. Die Ausstellung dauert bis zum 24. Juni.

(ath)