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Bürger warten auf den Wiederbetrieb des Bürgerbusses in Uedem

Corona-Krise im Kreis Kleve : Banges Warten auf den Bürgerbus

Seit Beginn der Corona-Krise rollt kein Bürgerbus mehr durch Uedem. Erst Mitte Juli ist die Wiederaufnahme des Betriebes denkbar. Dabei sind viele Senioren auf die Dienste der Ehrenamtler angewiesen. Wie etwa Christel Hülsmann.

Für Christel Hülsmann ist die Corona-Krise eine einschneidende Erfahrung. Die 79-Jährige könnte in ihrer Mobilität kaum eingeschränkter sein. „Das ist alles wirklich tragisch für mich“, sagt die Rentnerin aus Uedemerbruch. Auto dürfe Hülsmann ob hartnäckiger Schwindelbeschwerden schon seit einigen Jahren nicht mehr fahren. Daher sei sie auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen.

Doch dieser ist in den Randbereichen Uedems nur rudimentär ausgebaut. In diese Lücke ist der Uedemer Bürgerbusverein im Jahr 2004 vorgeprescht. Die Ehrenamtler fahren seitdem auf zwei Linien. So verbindet der Bus Uedem mit Weeze über die Dörfer Uedemerbruch und Labbeck, zudem verkehrt er zwischen Uedem und Keppeln. Und das von Montag bis Freitag zwischen 7 und 18 Uhr. Seit Beginn der Corona-Krise aber ruht der Betrieb. Immerhin gehören viele der Fahrer und der Fahrgäste zur Risikogruppe. Da der Bürgerbus ein Kleinbus mit acht Sitzen ist, können Schutzmaßnahmen wie in großen Linienbussen kaum umgesetzt werden. „Seitdem der Bürgerbus nicht mehr fährt, habe ich wirklich ein riesiges Problem. Dabei war zuletzt alles auf einem so guten Weg, es schien alles geregelt zu sein“, sagt Christel Hülsmann.

Im November 2019 hatte der Bürgerbusverein Alarm geschlagen. Es würden Fahrer fehlen, die Zukunft des Vereins sei in Gefahr. „Das Ehrenamt findet einfach nicht mehr den nötigen Zuspruch. Das ist in vielen Vereinen der Fall, bei uns aber besonders bedrohlich“, sagte Paul-Günter Bremen, stellvertretender Vorsitzender des Bürgerbusvereins, damals im Pressegespräch im Rathaus. Das Problem aber hatte sich mit dem Schritt in die Öffentlichkeit schnell gelöst. Gleich 15 Interessierte meldeten sich bei Bremen, sieben davon absolvierten die nötigen Prüfungen und wären nun als Fahrer des Kleinbusses einsetzbar. „Wir brennen darauf, dass es endlich wieder losgeht. Zumal die Zukunft des Fahrbetriebs jetzt auf Jahre gesichert ist. Die neuen Fahrer freuen sich auch schon wahnsinnig“, sagt Vereinschef Hans-Georg Fröhlich. Zum Hintergrund: Im vergangenen Jahr nutzten knapp 5000 Fahrgäste den Bürgerbus – Tendenz kontinuierlich steigend.

Nun sei der Verein bemüht, die nötigen Schutzvorrichtungen im Bus anzubringen. So brauche es etwa eine Trennscheibe zwischen dem Fahrgastraum und dem Fahrersitz. Auch ein umfassendes Hygienekonzept müsse geschrieben werden. Man befinde sich bereits in Gesprächen mit entsprechenden Firmen, so Fröhlich. „Allerdings kann man sich ja vorstellen, dass wir nicht der einzige Bürgerbus sind, der sich dort jetzt gemeldet hat“, sagt der Vorsitzende. Daher müsse man davon ausgehen, dass es noch eine Weile dauere, ehe die Vorrichtungen in den Bussen angebracht werden könnten. Fröhlich hoffe, dass die ersten Fahrgäste den Dienst wieder Mitte Juli nutzen könnten – unter Umständen aber auch erst nach den Sommerferien.

Für Christel Hülsmann wäre das eine große Erleichterung. Sie ist aktuell auf ihren Sohn angewiesen, der in direkter Nachbarschaft zu der Seniorin wohnt. Doch Hülsmann Alltag ist beschwerlich. So bringe ihr Sohn sie etwa um 7.20 Uhr nach Uedem zum Arzt. Und zwar auch dann, wenn Hülsmann eigentlich erst um 10 Uhr einen Termin habe. „Dann versuche ich die Zeit zu nutzen, in dem ich Einkäufe erledige oder einen Kaffee trinken gehe. Doch auch das ist aktuell ja eher schwer“, sagt sie. Hülsmann müsse dann meist noch bis in die späten Nachmittagsstunden in Uedems Ortszentrum verweilen, bis ihr Sohn von der Arbeit zurückkehre und sie wieder mit nach Hause nimmt. „Aktuell ist meine Unabhängigkeit völlig eingeschränkt. Aber genau die ist mir eigentlich sehr wichtig. Ich bin froh, wenn Corona endlich vorbei ist und wieder Normalität einkehrt“, sagt Hülsmann.