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Buchhandlung Völcker-Janssen in Goch ist jetzt "Mayersche"

Geschäftsübergabe : Barbara Völcker-Janssen übergibt Laden

Für die Mitarbeiter war’s erst ein Schock, jetzt glauben sie an eine gute Entwicklung: Die traditionsreiche Buchhandlung in der Steinstraße heißt künftig „Mayersche Völcker“. Das Personal bleibt den Kunden erhalten.

GOCH Jahrelang plagte sie ein Alptraum, der nun hoffentlich bald vergessen sein wird: Was würde sein, wenn die Buchhändlerin Barbara Völcker Janssen in drei, vier Jahren ihr Geschäft abschließen würde, ohne einen Nachfolger gefunden zu haben? Würde sich dann vielleicht nur noch ein 1-Euro-Shop als Mieter finden - in erstbester Lage und gleich neben dem Gocher Rathaus? Dieses trübe Schicksal ist abgewendet, denn die Geschäftsfrau wurde mit dem Chef der Mayerschen Buchhandlung, Hartmut Falter, einig. Der Unternehmer hat einen Zehn-Jahres-Vertrag mit Familie Völcker-Janssen geschlossen und wird in der Steinstraße eine „Mayersche“ betreiben. Der Herr über 56 Buchhandlungen in Nordrhein-Westfalen (und eine in Trier) hat mit Sven Bockstegen, der 24 Jahre bei Völcker arbeitete, ein in Goch bekanntes Gesicht für die Geschäftsführung gefunden. Und auch die übrigen Mitarbeiter werden übernommen.

Bei aller Erleichterung für die gute Lösung des Nachfolgeproblems: Der Schritt ist der Gocherin nicht leicht gefallen. 32 Jahre lang hat sie selbst  als Vertreterin der achten Generation ihrer Familie in Goch Bücher verkauft, insgesamt existierte die Firma 178 Jahre lang. „Unsere beiden Kinder, wenn sie auch gerne lesen, haben andere Buchvorstellungen, die Tochter möchte in die Medizin, der Sohn Pilot werden“, erzählt Barbara Völcker-janssen. Und das sei auch gut so, denn die jungen Leute müssten ihren eigenen Weg finden. Zudem stehe die Buchhändler-Branche vor großen Problemen durch den Internethandel. „Amazon“ (ein steuerlich begünstigter Großkonzern) bedeutet erhebliche Konkurrenz. Warum eigentlich? „Wir bestellen auch von heute auf morgen, und ganz Vieles können sich die Kunden am selben Tag aus dem Regal nehmen“, ärgert sich die Geschäftsfrau.

Um Stärken zu bündeln und Schwächen auszugleichen hat Hartmut Falter zu genau der Zeit, als er mit Völcker-Janssen einig wurde, einen für sein Unternehmen weit größeren Schritt getan: Wenn das Kartellamt zustimmt, gehören die Mayersche und Thalia demnächst zusammen. Barbara Völcker-Janssen unterschrieb den Vertrag dennoch, da ja die beiden wichtigsten Fragen in ihrem Sinne geklärt sind: Ihr Geschäft bleibt eine Buchhandlung, und für ihre sieben Mitarbeiter und zwei Azubis ist gesorgt. Auch bleibt das Geschäft Werbering-Mitglied und Partner der „Miteinander-Karte“.

In den vergangenen Tagen wurden viele neue Bücher in die Regale geräumt, einige zusätzliche Büchertische nach vorne geholt, neue (handgeschriebene) Schilder helfen den Kunden, sich zurecht zu finden. „Neu im Sortiment ist der Bereich Spielwaren, der für sich ein schwieriger ist, zusammen mit Büchern aber gut funktioniert“, weiß Mayersche-Gebietsverkaufsleiter Maik Paga. Er sagt schmunzelnd: „Wir verstehen uns als analogen Rückzugsort“ - wer liest, hat meist auch Sinn für (nicht elektronisches) Spielzeug. Plüschtiere, Puzzles, Brettspiele und Lego sind ja auch (wie Bücher) als Geschenke sehr beliebt.

Neu ist für die Mayersche der Zweig Papeterie und Schreibwaren, auch Schultaschen und Schulbücher gehörten bislang nicht zum Angebot. In diesen Bereichen bleibt „Völcker“ erhalten. Und wenn mal das Spezialwissen fehle, dürfe man sie gerne weiter ansprechen, hat Barbara Völcker-Janssen ihren Nachfolgern versprochen.