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Brunnen am Steintor in Goch prägt einen Platz

Denkmal in Goch : Brunnen am Steintor soll saniert werden

Weil die Wasserzufuhr nicht mehr in Ordnung ist, läuft nur noch ein Rinnsal am Stein herab und schwärzt ihn. Der Brunnen muss überarbeitet werden. Aber hätte nicht der Platz drum herum ein Gesamtkonzept nötig?

Das Steintor ist eines der ganz wenigen erhaltenen historischen Gebäude in der Gocher Innenstadt. Bei jeder Stadtführung steht es im Mittelpunkt der Ausführungen. Das Gebäude, im frühen 14. Jahrhundert errichtet, grenzt an die Bahnhofstraße, dem Einbahn bedingten „Rückweg“ bei der Autorunde durch die Gocher Innenstadt. Plötzlich taucht es da rechter Hand auf, davor ein Platz, mit wenig ansprechenden Bodenplatten belegt, mitten drauf ein künstlerischer Brunnen, der aus einer runden, erhöhten Kiesel-Fläche erwächst. Er heißt „Geschichtsbrunnen“ und sieht derzeit nicht sehr eindrucksvoll aus, deshalb soll er saniert werden.

Adolf Schreiber ist einer der Nachlassverwalter von „Papa Klein“ und nutzt die daraus hervorgegangene Bürgerstiftung für soziale Projekte, aber auch schon mal für kulturelle. Die Stiftung gab zuletzt Geld für die Restaurierung des Denkmals „Drei Jünglinge im Feuerofen“, jetzt geht es um den Geschichtsbrunnen. Nach Auskunft von Adolf Schreiber werden sich auch die Stadtwerke engagieren. Ab September, teilt er auf Anfrage mit, werde der Brunnen, der auch über eine aufwändige Wasserzuleitung verfügt, überarbeitet.

Weil nur noch ein müdes Rinnsal an der einen Seite der Sandsteinfigur herunter rinnt, ist die Oberfläche dort ganz dunkel geworden. Bei einer spontanen Befragung einiger Passanten stellte die RP fest, das kaum jemand weiß, was der Geschichtsbrunnen darstellt beziehungsweise worauf er anspielt. Einer, der das ganz genau weiß, ist der Künstler Udo Sander, der ihn in den 80-er Jahren im Auftrag des Heimatvereins geschaffen hat. „Die Info-Tafel, die in der Tat dringend nötig ist, liegt hier fertig vor mir“, erklärt er. Zwar spricht Sander von „abstrakter Formgebung“, bei genauem Hinsehen lässt sich aber doch einiges erahnen: Ratten, die auf die Pest im Mittelalter anspielen, Wasser, das mit der Niers zu tun hat, ein Faltenwurf, der die Tuchmacherei zitiert, ein Frauenkopf, dessen Vorlage er im ehemaligen Kloster Graefenthal entdeckt habe. Selbst der Bau der Autobahn, damals eine eminent wichtige Sache für die Stadt, sei eingearbeitet worden. Das alles den Gochern und ihren Besuchern zu erläutern fände auch Schreiber wichtig.

In der Vergangenheit war von Anliegern schon mal zu hören, dass der Platz unter Wert genutzt wird. Es gibt in der Stadt ohnehin wenig nette Plätze, wo Menschen sitzen und  vielleicht etwas essen und trinken könnten – warum wird diese Örtlichkeit nicht zur Nutzung durch die Allgemeinheit aufgewertet?  Ob der Brunnen, einst Namen- und Anlassgeber für das Mai- und Brunnenfest, dafür weichen oder versetzt werden müsste, ist eine Frage, die niemand auf die Schnelle beantworten möchte. Die die RP aber schon häufiger zu hören bekam. Zumal auch die verwilderte Grünfläche vor dem Haus am Steintor nichts  an der bescheidenen Optik ändert. Wie berichtet, hatte ein Café in dem Gebäude dauerhaft nicht bestehen können. Gaststätten in der Nachbarschaft hätten vielleicht auch Interesse an einem großzügigeren Außengelände.

Der Künstler Udo Sander hatte den Brunnen in den 80-er Jahren geschaffen, im Stadtrat gab es damals große Debatten, erinnern sich ältere Gocher. Viele haben mit der Skulptur und dem für sie gefundenen Ort nie ihren Frieden gemacht; bemüht, das Ensemble mal zu überplanen, hat sich allerdings auch niemand. Adolf Schreiber meint: „Erstmal müssen wir den Brunnen erhalten. Ich wage keine Prognose, ob eine Chance besteht, die Gesamtsituation zu verbessern.“ Zumal der Künstler der Ansicht ist, es gebe auch ohne die Skulptur zu versetzen die Möglichkeit, den Platz zu sanieren und zu bestuhlen. Die Verkehrssituation dort sei wohl auch recht kompliziert. „Die Fläche ist damals von Fachleuten sehr sorgfältig ausgewählt worden. Eigentümerin ist die Stadt, da mische ich mich nicht ein.“