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Goch-Kessel: Blindes Vertrauen auf dem Pferderücken

Goch-Kessel : Blindes Vertrauen auf dem Pferderücken

Der Trakehner "Morgenstern" ist ein großer Fuchs, 1,83 Meter misst er vom Boden bis zum Widerrist. Das beeindruckt Berit Niemann überhaupt nicht.

Zwar ist die schlanke Zehnjährige deutlich kleiner und schmächtiger als das Pferd, aber in solchen Relationen denkt das Mädchen nicht. Im Kreis galoppiert "Morgenstern" um Berit Niemann herum. Sie nimmt Anlauf, passt sich dem Takt des Tieres an und springt ab - schon sitzt sie auf dem Rücken des Pferdes, wenige Runden später kommt der Abgang. "Das können hier in der Gruppe alle", sagt Berits Mutter Heidi Niemann stolz lächelnd.

Neun Mädchen sind im "Team 6" beim Verein für Voltigiersport (VVS) Kleve. Bisher treten sie bei Wettkämpfen noch auf dem niedrigsten Niveau an. Die Jüngste ist acht Jahre alt, die Älteste zwölf Jahre. Bis vor kurzem hatte der Verein seinen Sitz im Reitstall Verhorst in Kleve-Kellen. Dort aber soll die Reithalle abgerissen werden, in der die Mannschaften trainierten. Deswegen zogen die knapp 100 Mitglieder mitsamt ihrer fünf vereinseigenen Pferde um. Ein Pferd steht in Reichswalde, ein anderes in einem Stall an der Klever Triftstraße, und "Morgenstern" ist mit Halbbruder "Balu" im Reitstall der Familie Kuypers in Goch-Kessel untergebracht.

Lediglich das fünfte Pferd ist bereits auf der Anlage des Reitvereins Seydlitz Kalkar-Wissel - dort, wo der Verein zukünftig seinen Stammsitz haben möchte. "Was fehlt, ist eine zusätzliche Halle, damit wir den Reitbetrieb nicht stören", sagt Heidi Niemann, Teilzeitkraft im Service-Center der Volksbank. Die Spende der Volksbank fließt in die Finanzierung. Die neue Halle soll so groß werden, dass zwei Teams nebeneinander trainieren können.

"Dieser Austausch untereinander fehlt den Mädchen derzeit", meint die Mutter. Wird die Halle wie geplant fertig, könnten die Teams Ende des Jahres umziehen. "Einige Mädchen sind derzeit schon eingeschränkt", sagt Heidi Niemann. In einem Stall ist das Hallendach so niedrig, dass die Voltigiererinnen an die Balken stoßen, wenn sie zu dritt auf dem Pferd turnen.

Heidi Niemanns älteste Tochter Maren (16) begann mit dem Voltigieren, als sie acht war. "Die Kinder lernen eine wahnsinnige Disziplin, Ausdauer und Teamgeist", meint die Mutter. Jeder fände je nach Körpergröße und Fähigkeit einen Platz in der Mannschaft. "Das Schwierigste ist, den anderen blind zu vertrauen", sagt Voltigiererin Eva (12). Josefin (10) hat zwei Schwestern in der Ersten Mannschaft und eine in der Zweiten. "Die schönste Übung ist, mit ausgestreckten Armen auf dem Pferd zu stehen", sagt sie. "Für uns Volti-Mütter kann das ganz schön aufregend sein", sagt Heidi Niemann lächelnd.

(RP)