1. NRW
  2. Städte
  3. Goch

Blick in Gocher Vergangenheit: Gegen diese Großprojekte gab es Proteste

Ein Rückblick : Gocher Großprojekte und die Bürger

Die noch gar nicht in der Politik gelandete Diskussion über das mögliche Hotelprojekt im Rosengarten des Stadtparks lenkt den Blick zurück auf Rathausneubau, GochNess und auch Nierswelle. Ludwig Kade (ZIG) warf den ersten Stein.

Das geplante Rilano-Hotel im Rosengarten des Gocher Stadtparks war kaum vorgestellt, da ging ein Aufschrei durchs digitale Goch, gefolgt von zig Stellungnahmen aus Leserschaft und Politik in der RP: Der Klever Investor Bernd „Mom“ Zevens möge ein weiteres Rilano-Hotel bauen, aber nicht an dieser historischen Stelle am Eingang zur grünen Lunge der Stadt. Die Gegenwehr war so lautstark, dass Bernd Zevens schnell bekundete, er werde auf keinen Fall gegen den Willen der Gocher Bürger bauen, sondern sei offen für einen anderen geeigneten Standort. Es ist das Verdienst des Politikers Ludwig Kade, Fraktionschef von „Zukunft in Goch“ (ZIG), in bemerkenswerter Ehrlichkeit daran zu erinnern, dass sich Bürgerproteste gegen Großprojekte auch manchmal im Rückblick als falsch erweisen. Damit meint er seine eigene ZIG, die im Mai 2004 als Protestpartei gegen den geplanten Rathausneubau gegründet wurde und im selben Jahr mit 11,02 Prozent der Stimmen in den Gocher Stadtrat einzog. Anderthalb Jahrzehnte später sagt Kade: „Heute bin ich froh, dass wir unser Rathaus haben, denn ohne den Neubau wäre die Verwaltung nicht in der Lage, ihre Arbeit zum Wohle der Stadt  so gut zu bewältigen.“. Ähnliches schreibt er auch über die negative Einstellung vieler Bürger zur Nierswelle. Was Kade meint: Der Zeitgeist beurteilt so manche aktuelle Entscheidung eben anders, als es nachfolgende Generationen vielleicht tun.

Ein Blick zurück. Ein Großprojekt hatte Kade dabei gar nicht auf dem Zettel, nämlich den Bau des Freizeitbads GochNess in Kessel. Man schrieb das Frühjahr 1997, als die Politik bekannt gab, den Abriss des 1973 gebauten Hallenbads, das wegen PCB-Belastung seit August 1996 geschlossen war, anzustreben. Stattdessen solle auf Kesseler Boden ein neues Bad entstehen. Auch ganz ohne soziale Medien wie Facebook ging ein Aufschrei durch Goch, das „Aktionsbündnis Hallenbad“ wurde ins Leben gerufen, um den alten Standort beizubehalten. Die Gruppierung sammelt 4761 Unterschriften und erreicht die Zulassung eines Bürgerbegehrens.

Doch ein Riss geht durch Goch, denn daraufhin werden die Wassersport treibenden Vereine DLRG, Turnerverein und DUC aktiv und beantragen in einem zweiten Bürgerbegehren ein Bad in Kessel. Am 1. Juni 1997 kommt es zur Bürgerentscheidung mit dem (knappen) Resultat, dass das alte Hallenbad abgerissen und das neue GochNess in Kessel gebaut wird. Der Rest ist Geschichte: Die Eröffnung des Bads der Stadtwerke Goch ist am 12. Juni 1999, am 23. Januar 2004 wird der millionste Badegast begrüßt.

Weniger spektakulär, aber in der Aussage ebenso eindeutig war die ein Jahrzehnt zurückliegende Debatte um den Gocher Schwanenteich. Denn als der Rat im März 2010 den Ausbau zur Nierswelle inklusive zwei neuer Niersbrücken beschloss, mit 1,5 Millionen Euro bezahlt aus dem Konjunkturpaket II des Landes NRW, wünschte sich Volkes Stimme den Erhalt des Schwanenteichs. Seit der Eröffnung im Juli 2011 gibt es zwar noch vereinzelte Stimmen, die eher aus Nostalgiegründen weiter für den Schwanenteich plädieren, aber die große Mehrheit hat sich wie Ludwig Kade mit der Nierswelle angefreundet.

Das gilt erst recht für den größten Streitfall, den Rathausneubau in Goch, der mehr als zwei Jahre lang die Emotionen hochkochen ließ und die Stadt an vielen Stellen und auf vielen Positionen veränderte. Kaum waren nämlich die Pläne für die Erweiterung des aus allen Nähten platzenden Rathauses vorgestellt, da gründete sich im September 2002 schon eine „Bürgerinitiative gegen die Rathauserweiterung“. Die Gruppierung sammelte innerhalb von 20 Tagen 6500 Unterschriften und wünschte einen Bürgerentscheid, woraufhin sich eine Gegeninitiative pro Rathaus gründete. Als der Stadtrat im November den Antrag der Rathausgegner für eine Bürgerabstimmung ablehnte, klagte die Initiative beim Verwaltungsgericht Düsseldorf, dessen Richter indes den Ratsbeschluss bestätigten. Das Rathaus durfte vergrößert werden.

In der Zwischenzeit gab es in der Führung von Stadtverwaltung und CDU spektakuläre Rücktritte. Schon im November 2002 zog sich CDU-Fraktionschef Peter Poell nach zehn Jahren im Amt zurück, weil er und seine Familie sich schlimmen Angriffen ausgesetzt sahen. Zugleich legte er seinen Posten als RZK-Präsident und Sitzungspräsident der Prinzenkür nieder. Bis heute ist Poell nur noch als Mitglied der CDU-Kreistagsfraktion aktiv. Auch Bürgermeister Rudolf Lange entschied sich, 2004 nicht mehr zur Kommunalwahl anzutreten, sondern zog den mit dem Rat im Vorfeld einmütig vereinbarten „Joker“ und wurde Geschäftsführer der Stadtwerke Goch. Sein Nachfolger wurde im Herbst 2004 Karl-Heinz Otto, der zwei Jahre später auch den Neubau einweihte.