Bezirksregierung legt in Goch Schulen für Inklusion fest

Bildung : Gesamtschule will kein „gemeinsames Lernen“

Die Inklusion soll nur noch an einigen Schulen umgesetzt werden. Die Gocher Hauptschule ist einverstanden, die Gesamtschule nicht.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung nimmt erhebliche Änderungen beim Thema Inklusion vor: Künftig sollen nicht mehr prinzipiell alle Schulen auch behinderte Kinder aufnehmen, vielmehr wird festgelegt, welche Schulen dafür besonders geeignet scheinen und deshalb als Lernorte für den gemeinsamen Unterricht festgelegt werden. Die Bezirksregierung hat inzwischen die betroffenen Schulen in den einzelnen Städten und Gemeinden benannt: In Goch nimmt sich ab Schuljahr 2019/20 die Gustav-Adolf-(Haupt)Schule der Aufgabe an, außerdem soll die Gesamtschule Mittelkreis „Schule gemeinsamen Lernens“ werden. Der Gocher Schulausschuss bespricht das Thema in seiner nächsten Sitzung am 23. Januar, der Zweckverband der Gesamtschule wird bereits am heutigen 17. Januar beraten. Die Debatte dürfte munter werden, denn die Schulkonferenz der Gesamtschule sträubt sich gegen den Plan.

Dass die Hauptschule nun ganz offiziell zur „Schule gemeinsamen Lernens“ werden soll, ist naheliegend, schließlich nimmt sie schon seit Jahren besonders viele Kinder mit unterschiedlichem Förderbedarf auf. Schulleiter Norbert Arntz hat deshalb seine grundlegende Bereitschaft ausgedrückt, Schwerpunktschule für Inklusion zu werden. Die Gesamtschule, die auch für Kinder aus mehreren Nachbarkommunen zuständig ist, hat behinderte Kinder in den vergangenen Jahren in Einzelfällen ebenfalls aufgenommen, möchte dies jedoch nicht in stärkerem Maße tun. Ebenfalls hat die Leni-Valk-Realschule Erfahrung mit Inklusion, während das Gymnasium vor allem  solche behinderten Schüler aufnimmt, die „zielgleich“ unterrichtet werden, also vorrangig Kinder mit körperlichen Einschränkungen, die ja durchaus das Abitur machen können.

Die Schulleiter werden nur „angehört“, entschieden, ob eine Schule gemeinsamen Unterricht anbietet, wird beim Schulträger, der dies gegenüber der Schulaufsicht begründen muss. Personelle und sächliche Voraussetzungen sind dabei wesentlich. Im Regelfall werden pro Klasse drei Förderkinder aufgenommen. Da die Klassen kleiner sein müssen, als das ohne behinderte Kinder möglich wäre, ist anzunehmen, dass weniger nicht-förderbedürftige Kinder eine Jahrgangsstufe besuchen werden. Und das bereitet dem Vernehmen nach Gesamtschulen wie der in Goch Sorgen.

Wenn nämlich nach der zehnten Klasse weniger Kinder mit Qualifizierung für die Sekundarstufe II übrig bleiben, wird es schwieriger, eine funktionierende Oberstufe zu organisieren. Und die muss sein, wenn ein guter Teil der Schülerschaft zum Abitur geführt werden soll. Aus den Unterlagen zur Sitzung geht hervor, dass die Direktorin der Gesamtschule Mittelkreis, Karin Teetzmann, erhebliche Bedenken hat. Und die Realschule als geeignetere Schule für die Inklusion empfiehlt. Die Schulleiterin wird ihre Sicht der Dinge auch heute Abend darlegen, um der Politik eine gute Grundlage für ihre Entscheidung zu geben.

 Den Unterlagen zu beiden Sitzungen liegt der Erlass des NRW-Schulministeriums bei, außerdem das Anschreiben der Bezirksregierung an den Bürgermeister der Stadt Goch, Ulrich Knickrehm. Darin heißt es, dass die Umstellung den Übergang von Schülern mit festgestelltem Förderbedarf von der Primarstufe in die Sekundarstufe I betreffe. Den Eltern von Kindern, die schon in der Grundschulzeit gefördert wurden, wird künftig mindestens eine weiterführende allgemeine Schule vorgeschlagen und alternativ dazu eine geeignete Förderschule. Ältere behinderte Kinder können an den Regelschulen verbleiben, die sie bereits besuchen. Es geht um Kinder mit Lern- und Entwicklungsstörungen ebenso wie um Schüler mit den Förderschwerpunkten Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung. Förderorte dürfen nur solche Schulen sein, die ein Inklusionskonzept vorlegen können, räumlich darauf eingerichtet sind und die ausreichend Sonderpädagogen zur Verfügung haben.

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