Goch: Bescheiden leben wie Papst Fanziskus

Goch : Bescheiden leben wie Papst Fanziskus

Es ist eine Diskussion um Limburgs Bischof Franz-Tebartz-van-Elst und seinem Lebensstil entbrannt. Die RP nimmt das zum Anlass, sich mal bei Kevelaers leitendem Kirchenmann und St. Mariens Pastor Rolf Lohmann umzusehen.

Von morgens früh bis zum Abend öffnet sich die Tür zum Priesterhaus am Kapellenplatz im Minutentakt. Pilger kommen hinein, Geistliche, Hausbewohner, Gesprächspartner aus der Gemeinde, auch mal Hilfesuchende. Haben sie die Pforte erst einmal passiert, stehen sie mitten drin in einem eindrucksvollen Gebäude.

Viel altes Holz, schöne Bilder und Teppiche prägen das Ensemble aus dem 17. Jahrhundert. "Das alles gehört zum Bestand, war immer schon da – daran kann man sich erfreuen, muss es aber auch mit hohem Kostenaufwand erhalten. Dieses Haus, das so alt ist wie die Wallfahrt, ist repräsentativ, aber dennoch ein Zweckbau", sagt Pfarrer Rolf Lohmann.

Abgesehen von den Fluren und Gemeinschaftsräumen enthält es bescheidene Gästezimmer und Wohnungen für Pfarrer, Kaplan, Ordensschwestern und -brüder. "Alle sind zwischen 40 und 80 Quadratmeter groß. Ich kann Ihnen sagen, eine so kleine Wohnung wie in Kevelaer hatte ich noch nie", sagt Lohmann schmunzelnd. Übliche Pfarrhäuser, wie auch er in seiner vorigen Gemeinde eines bewohnte, sind deutlich geräumiger.

Kein Geistlicher wird sich derzeit konkret zum Gebaren des Limburger Bischofs äußern wollen. Zumal dessen Verwandtschaft noch heute in Twisteden lebt. Dort wurde Franz-Peter Tebartz-van Elst 1959 als zweites von fünf Kindern geboren. Ende 2007 wurde er zum Bischof von Limburg ernannt. Doch seine Amtsführung wurde schon bald kritisiert. Insbesondere am sehr üppigen Bischofssitz, obwohl schon vor seiner Wahl geplant, entzündete sich der Streit. Zehn statt der vorgesehenen 5,5 Millionen Euro soll er gekostet haben. Inzwischen ermittelt sogar die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts einer falschen eidesstattlichen Erklärung, nachdem der Bischof Erster Klasse nach Indien geflogen war, um Hilfsprojekte zu besuchen. Kirchenleute müssen viel unterwegs sein in der Welt, in ihrem Bistum oder innerhalb der Gemeinde. Pastor Lohmann nutzt dafür einen VW-Golf, seine Kollegen fahren Ford, Fiat, Skoda – gediegen und sparsam.

Angesichts eines Papstes, der einen alten R 4 besitzt, scheint das passend. "Unser Papst Franziskus setzt klare Zeichen der Bescheidenheit", bekräftigt Lohmann. Der Heilige Vater sei ein Vorbild, wie es auch andere Geistliche sein sollten: "Von uns wird ein Vorangehen erwartet." So, wie der Papst unter den Menschen sein wolle, sieht auch Lohmann den Austausch und die Begegnung als wesentlich an. Übrigens auch das Essen im Priesterhaus. Der "Chef" schöpft jedem die Suppe in den Teller.

Und selbst der prächtige Garten, am Priesterhaus ist ein öffentlicher Ort. Der Rektor der Kevelaer-Wallfahrt hat wenig Zeit für sich selbst. In seiner Wohnung ist er selten. "Persönliche Dinge habe ich wenige – ein paar Bilder der Familie, Bücher, Erinnerungen an frühere Gemeinden." Sein persönlicher Luxus sei, im Priesterhaus gut versorgt zu werden. Die Küche, die auch für die Hausgäste da ist, bewirtet die Bewohner gut. Selbst kochen muss er nicht; "aber ich kann mir durchaus mein Abendbrot selbst machen."

Auch Lohmanns Arbeitsbereich ist zweigeteilt: unten das Büro mit wunderschönem Kamin, oben in der Wohnung der Raum für die stille Lesestunde und die Korrespondenz.

(RP)