Bauausschuss Goch bespricht Maßnahmen gegen Insektensterben

Goch : Der Kampf gegen Steinwüsten

Die SPD-Fraktion beantragte, Maßnahmen gegen das Insektensterben zu ergreifen. Das Echo im Bauausschuss war positiv. Noch aber muss ein Konzept aufgestellt werden. CDU und FDP stehen einem Verbot skeptisch gegenüber.

Wo früher im Garten noch Blumen blühten, liegen auch in Goch immer häufiger nur noch Steine. Die Konsequenz: Der Biene, Hummel und dem Maikäfer fehlt es zunehmend an Lebensraum, die Populationen nehmen seit Jahrzehnten ab. Die SPD-Fraktion hat sich nun des Problems angenommen und beantragt „Maßnahmen zu ergreifen, die einen weiteren Rückgang der Artenvielfalt im Bereich der Insekten verhindern“. „Artenschutz wollen mittlerweile wirklich alle. Wir sind der Meinung, dass das Wohl der Allgemeinheit über dem Interesse des Einzelnen stehen muss, wenn es darum geht, Natur zu erhalten“, sagte Willi Ratsak (SPD) im Bau- und Planungsausschuss.

Zum Hintergrund: Schon im Juni vergangenen Jahres diskutierte der Haupt- und Finanzausschuss über eine Anregung des Imkervereins Kleve-Kellen, der zum Thema bienenfreundliche Kommune berät. Die Sozialdemokraten wollen dieses Projekt nun mit Leben füllen und legten dem Bauausschuss ein Sechs-Punkte-Papier vor. So soll  der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden auf städtischen Flächen „verantwortungsbewusst“ gestaltet werden, auf Kreisverkehren sollen Blühflächen eingerichtet werden und städtische Flächen erst nach der Blüte gemäht werden. So sollen Nistmöglichkeiten für Insekten erhalten bleiben. Weiter soll die Stadt Goch dem Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ beitreten. Diesen fünf Spiegelstrichen schlossen sich alle Fraktionen an.

Der sechste Passus aber sorgte für Diskussionen. Demnach soll bei künftigen Bebauungsplänen die Gestaltungssatzung für Vorgärten so angepasst werden, „dass eine Versteinerung und Verkieselung der Vorgärten unzulässig wird“. Der Bündnisgrüne Hermann-Josef Brendieck sagte: „Dem Rentner, der seinen Garten nicht mehr gepflegt bekommt, sollte der Schotter nicht verboten werden. Aber bei manchen Menschen hilft eben nur die Keule.“ Doch eine solche Satzungsänderung sei müßig, wenn es niemanden gebe, der „herausfährt und die Leute wegen ihres Vorgartens zur Rede stellt“.

Ferdinand Heinemann (FDP) hält zwar die „Intention des Antrags für nachvollziehbar“. „Bei dem sechsten Punkt aber muss ich noch überzeugt werden, da sehe ich schwarz“, sagte er. Strenge Vorgaben seien nicht in seinem Sinne. Ihm folgte auch Marc Groesdonk (CDU): „Mit einem strammen Verbot würden wir wahrscheinlich das Gegenteil erreichen. Vielmehr sollten wir Anregungen geben, wie man seinen Vorgarten insektenfreundlicher gestalten kann.“ Weiter frage er sich, was eine solche Satzungsänderung bringe, wenn dann im Garten der Kirschlorbeer gepflanzt oder der Rasen ständig gemäht würde. Den Kirschloorbeer hält der NABU für eine „hochgiftige, ökologische Pest“, sogar eine Betonmauer sei für die Natur wertvoller. Ratsak aber entgegnete, Vorgaben zur Gestaltung des Vorgartens würden nicht das Ende der Freiheit bedeuten. Sein Parteikollege Gerd Engler rief alle Fraktionen dazu auf, eine etwaige Entscheidung über Parteigrenzen hinweg zu tragen und sich auch gemeinsam der etwaigen Kritik von Bürgern zu stellen.

Die sogenannten Schotter- und Steingärten sind praktisch, aber ökologisch wertlos. Einige Städte haben sie bereits per Satzung verboten. Foto: dpa/Carmen Jaspersen

Wolfgang Janssen wies im Namen der Stadt darauf hin, dass es noch einige Monate benötige, ein Konzept zur Insektenfreundlichkeit aufzustellen und einen Kostenrahmen zu nennen. Erst dann könne ein endgültiges Votum gefällt werden. Dennoch würden schon jetzt kurzfristige Maßnahmen ergriffen, um Blühwiesen einzurichten. „Wir erleben hier einen Mentalitätswandel. Für die heutigen Blühwiesen hätten wir vor einigen Jahren noch wütende Anrufe von Bürgern bekommen, wie schandalig das denn aussehen würde“, sagte Janssen.

Mehr von RP ONLINE