Goch Bahnhof Weeze: barrierefrei, aber mit Umwegen

Goch · Maria Bremner ist ziemlich unternehmungslustig. Am liebsten macht sie sich spontan auf den Weg. Die Weezerin ist jedoch auch Rollstuhlfahrerin, und das macht die Sache etwas schwieriger.

Um mit der Bahn fahren zu können, bestellen Bremner und andere körperbehinderte Weezer bisher immer ein Anruftaxi, das sie nach Goch oder Kevelaer bringt. Die Bahnhöfe dort sind nämlich behindertenfreundlich.

Wie berichtet, will die Bahn in den Jahren 2013 / 2014 endlich auch den Weezer Bahnhof umbauen. Darauf freut sich Maria Bremner, wenngleich sie auch den Pferdefuß sieht: Als körperlich Beeinträchtigte muss sie planen. Und sich auf die Informationen des Niersexpress verlassen können. Denn obwohl der Bahnsteig künftig niveaugleich mit dem Zug sein wird, können ihn Menschen mit eingeschränkter Mobilität nicht unbedingt erreichen: Sie kommen nicht direkt von Gleis eins zu Gleis zwei. Der Tunnel gleich am Bahnhof hat steile Treppen, die Bremner und ihre Schicksalsgenossen nicht bewältigen. Sie müssen durch die lange Unterführung an der Karl-Arnold-Straße.

Der Umweg — zumal im Rollstuhl oder mit dem Rollator — braucht seine Zeit. Wer am falschen Gleis steht, wird's auf die andere Seite nicht mehr schaffen, wenn der Zug schon in der Nähe ist. "Auf die Durchsage muss man sich 100-prozentig verlassen können", sagt Bremner. Damit gehbehinderte Fahrgäste nicht ungewollt zu Schwarzfahrern werden, muss auf der anderen Seite der Gleise — am Holtumsweg, dort, wo auch Park- und Fahrradabstellplätze sind — ein zweiter Fahrkartenautomat aufgestellt werden.

Ebenso fehlt bislang ein Unterstand, der während der Wartezeiten vor Wind und Wetter schützt. Und auch der Weg durch den Park und durch die Unterführung muss angelegt beziehungsweise verbessert werden: Bänke und ein Handlauf zum Festhalten sind dabei fest eingeplant.

Das alles hat sich Bremner, die kürzlich mit der Verdienstmedaille des Bundes ausgezeichnet wurde, schon von der Verwaltung erläutern lassen. Und sie wird sich auch noch an die Abteilung Kundenzufriedenheit der Nordwestbahn wenden, um einmal mehr an die Bedürfnisse der Behinderten zu erinnern.

(nik)
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