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Goch-Asperden: Backhandwerk als Familientradition

Goch-Asperden : Backhandwerk als Familientradition

RP-Serie Der Diamantene Meisterbrief: Einst lieferte August Freitag Brötchen mit dem Fahrrad aus und backte jedes Jahr 500 Weckmänner. Das Handwerk liegt in der Familie des 94-Jährigen aus Asperden.

"Ich hatte stets Liebe zu meinem Beruf als Bäcker", sagte der heute 94-jährige August Freitag, der bei der Meisterfeier 2011 den Diamantenen Meisterbrief überreicht bekam. Der Geehrte wurde am 6. Februar 1920 in Oberhausen-Osterfeld geboren und wuchs mit vier Brüdern und einer Schwester auf einem Bauernhof auf. "In der Verwandtschaft von Mutters Seite waren fünf Bäcker", blickt August Freitag zurück.

Die Lehrstellen waren am 1. Oktober 1934, als er in Essen bei Bäckermeister Johann Wesseling in die Lehre kam, knapp. Dort gab es neben seinem Lehrherrn drei Lehrlinge, einen Gesellen und einen zusätzlichen Meister. Es wurden täglich 3600 Brötchen gebacken und über die Ladentheke verkauft. Mit einem Teil der Brötchen musste August mit dem Fahrrad in die "Beamtensiedlung" fahren, ausgestattet mit einem Brötchenkorb und Tüten, um dort die Kundschaft zu bedienen. Bis zum Ende seiner Lehrzeit, am 1. April 1938, erlernte er alle Brotsorten, Brötchen, Kuchen und Teilchen backen und war dabei mehr als vier Stunden an einer Stelle auf den Beinen, denn alles geschah in Handarbeit. Bei Lehrer Pieper besuchte er die Berufsschule in Essen. Er wohnte 14 Tage bei seinem Meister, bekam fünf Reichsmark wöchentlich, einschließlich Kost und Logis, und arbeitete von halb drei morgens bis um halb drei nachmittags. An den freien Wochenenden fuhr er mit der Straßenbahn 16 Kilometer von Essen nach Oberhausen-Osterfeld. Der Ofen wurde mit Braunkohle beheizt, Backbleche und Schießer gehörten zum Werkzeug, und Mehl, Wasser, Salz und Zucker durften nicht fehlen. "Im Ofen wurde unten Brot gebacken, in der Mitte Brötchen und Kuchen und oben Konditoreierzeugnisse", erzählt er.

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Vor Ostern, Weihnachten und Pfingsten brauchte man einen ganzen Tag zum Abbacken der gebrachten Teige. Am 17. März 1938 legte August Freitag die Gesellenprüfung ab und war anschließend bis 1940 bei der Bäckerei Wilhelm Osthoff in Essen-Zentrum tätig, wo er alle anfallenden Bäcker- und Konditorarbeiten ausführte. Dann war er von 1940 bis 1945 Soldat in Russland und anschließend von 1945 bis 1949 in russischer Gefangenschaft. Diese Zeiten haben sich in seinem Gedächtnis tief eingebrannt.

Nach seiner Heimkehr arbeitete er zwei Jahre auf dem elterlichen Bauernhof und besuchte dann drei Monate die Meisterschule in Olpe, die er am 30. März 1951 mit der Meisterprüfung in Arnsberg abschloss. Dann folgte die Zeit, dass der junge Meister selbstständig wurde, zunächst von Dezember 1951 bis 1965 in Oberhausen-Osterfeld und von 1965 bis 1984 in Goch-Asperden.

Er beschäftigte in diesen Jahren stets einen Gesellen, und es gab in beiden Orten eine Bäckerei mit angeschlossenem Laden. "Wir waren in Asperden die einzige Bäckerei am Platze", sagt der Inhaber des Diamantenen Meisterbriefes, der seit 1985 zu den treuen Besuchern der Altmeisterfeier zählt. Und noch etwas: "Wir backten für St. Martin und Nikolaus jedes Jahr um die 500 Weckmänner."

(stal)