Ausstellung zu 150 Jahre Boxteler Bahn in Goch und Gennep

Ausstellung und Buchpremiere in Goch : 150 Jahre Boxteler Bahn

Der Heimatverein Goch, die Stichting Gennep–Niers–Goch und der Heimatverein Uedem haben gemeinsam ein Buch zur Geschichte der Bahn von Boxtel bis nach Wesel herausgebracht. Ein grenzüberschreitendes Projekt, das Samstag zum ersten Mal zu sehen ist.

„Duitse Lijntje“ sagen die Niederländer zu dieser Verbindung, „Boxteler Bahn“ heißt sie auf der deutschen Seite. Vor 150 Jahren wurde die Strecke eröffnet, an die heute noch ein Denkmal an der Uedemer Straße in Goch erinnert und hier und da ein Stück Wall, auf dem einst die Trasse der Boxteler Bahn verlief. Die Heimatvereine Goch und Uedem sowie eine grenzüberschreitende Stiftung haben eine Ausstellung zum Thema vorbereitet und ein Buch herausgegeben. Die Ausstellung im Gocher Haus zu den Fünf Ringen wird am 27. April eröffnet und wechselt am 2. Juni in die Genneper Bücherei.

So sah der Zug von innen aus. Foto: Anja Settnik (Repors)/Anja Settnik

Heimatfreunde bekommen glänzende Augen, wenn sie an die Bahnlinie denken, deren Betrieb kein heute lebender Gocher miterlebt hat: Im Ersten Weltkrieg war Schluss mit dem internationalen Verkehr auf der Strecke und um 1920 ging die Bahn sogar in Konkurs. Aber zwischen 1873 und etwa 1914 war die private „Noord-Brabantsch-Duitse Spoorweg-Maatschappij“ (NBDS) eine erfolgreiche Gesellschaft. Sie unterhielt eine etwa 100 Kilometer lange Bahnstrecke von Boxtel in Nordbrabant über Veghel, Gennep, Goch, Xanten bis nach Wesel. Und dort war nicht Schluss: Auch Fernzüge nutzen die Gleise und ermöglichten Reisen bis nach St. Peterburg.

Blick auf den Bahnhof in Xanten. Foto: Anja Settnik (Repors)/Anja Settnik

Jetzt stellten die Vereinsvertreter und Freunde aus Gennep die Ausstellung und das Buchprojekt vor. „Ein Postkartenbuch“ lautet der Untertitel, der alles sagt: Wiedergegeben werden zahlreiche Ansichten der damaligen Bahnhöfe und Züge auf dem Gebiet der Boxteler Bahn. Gesammelt haben die Postkarten Werner Verfürth, ein früherer Eisenbahner aus Goch, und einige Kollegen. Heinz Wessels, Franz Urselmans, Franz van Well und Verfürth haben rund 100 der Ansichtskarten reproduziert und vergrößert, dazu stehen im Buch zweisprachige Erläuterungen. Die Bilder hängen schon an Stellwänden im Fünf-Ringe-Haus, einige besondere Gegenstände sollen zudem in Vitrinen ausgestellt werden. Einmal mehr wird auch das Modell gezeigt, das vor Jahren Gocher Jugendliche zusammengebaut haben.

Gruß aus Uedem steht auf dieser Postkarte. Foto: Anja Settnik (Repors)/Anja Settnik

Dass es eine grenzüberschreitende Ausstellung geworden ist, ist ja eigentlich selbstverständlich, finden auch die Niederländer – schließlich war die Verbindung damals eine internationale, und heute lebt man sehr freundschaftlich nahe beieinander. Die Nord-Brabant-Deutsche-Eisenbahn-Gesellschaft war 1869 gegründet worden und hatte 1873 den Betrieb aufgenommen. Eingleisig ging’s damals von Boxtel nach Goch, später wurde die Linie bis Xanten und Büderich fortgesetzt. In Goch gab’s in dieser Zeit einen Gemeinschaftsbahnhof für zwei Bahnstrecken.

Der Bahnhof in Goch. Foto: Anja Settnik (Repors)/Anja Settnik

Wer durch das Buch blättert, staunt über die Eleganz der Züge, die sogar mit Speise- oder Schlafwagen unterwegs waren. Gepolsterte Sitze bescherten den Reisenden in langen Kleidern, feschen Anzügen und Hüten einigen Komfort. Eine „Holzklasse“ für Tiertransporte gab’s aber auch. Und – ganz wichtig – Pilgerzüge waren auf der Strecke unterwegs. Sehr gerne reisten die Niederländer zur Muttergottes nach Kevelaer. Durch Zusammenschluss mit größeren Gesellschaften wurde damals aus einer kleinen Lokalbahn eine wichtige europäische Verbindung. Von England ging’s per Schiff nach Vlissingen und dann weiter nach Hamburg und Berlin. Und sogar noch weiter Richtung Osten. Quer über den Kontinent wurde auf diesem Weg auch die Post transportiert.

Wer heute mal mit dem Niersexpress fährt oder auch mit der „großen“ Deutschen Bahn, wird staunen zu hören, dass schon vor 100 Jahren am Niederrhein Züge mit bis zu 100 Sachen unterwegs waren. „Unsere Region ist ja sehr flach, da konnten die Züge sehr schnell fahren“, erzählt Werner Verfürth. „Allerdings gab es bei der Überfahrt von England oft Verspätungen, die zwischen Vlissingen und dem Niederrhein aufgeholt werden mussten. Die starken Lokomotiven des ,Blauen Brabant’ schafften im Flachland diese Höchstgeschwindigkeiten zur Begeisterung der Lokomotivführer und der Fahrgäste.“

Viele Diplomaten und Politiker waren auf der Strecke unterwegs, sehr gerne nutzten das englische Königshaus und auch der deutsche Kaiser die West-Ost-Verbindung. Kein Wunder, dass die normalen Leute, wen sie denn mal mit dem Zug fuhren, gerne eine Postkarte kauften und an ihre Lieben daheim verschickten.

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