Goch Die Boxteler Bahn in Aquarellen

Goch · Im Jahr des Jubiläums „150 Jahre Boxteler Bahn“ hat der Heimatverein Goch viele Veranstaltungen organisiert. Samstag und Sonntag ist im Fünf-Ringe-Haus am Marktplatz noch die Ausstellung mit Fotos und Gemälden zu sehen.

 So sah der Uedemer Bahnhof der Boxteler Bahn aus, im Vordergrund der beeindruckende „Blaue Brabant“. Rudolf Kremer hat zahlreiche Bahn-Szenen in seinen Bildern festgehalten.

So sah der Uedemer Bahnhof der Boxteler Bahn aus, im Vordergrund der beeindruckende „Blaue Brabant“. Rudolf Kremer hat zahlreiche Bahn-Szenen in seinen Bildern festgehalten.

Foto: Anja Settnik

Es ist schon 40 Jahre her, dass es an der Haustür von Werner Verfürth klingelte und ein Unbekannter ihn nach Fotos von der Boxteler Bahn fragte. Es war Rudolf Kremer, der da stand und sich von dem Gocher Hilfe erhoffte. Der Mann hatte Glück, denn Verfürth, selbst Eisenbahner und langjähriger Fahrdienstleiter in Kleve, besaß durchaus einige Postkarten und andere Abbildungen, die er dem Gast zur Verfügung stellen konnte. Sammler pflegen sich zu finden und sich zu verstehen. So war es auch bei den beiden Männern, die jetzt zumindest indirekt noch einmal zueinander fanden. Verfürth als Vorstandsmitglied des Heimatvereins Goch führte die Rheinische Post jetzt durch die Ausstellung mit Bildern des Niederrheinmalers, der schon 1984 starb.

In diesem Jahr wäre die Boxteler Bahn, eine niederländisch-deutsche private Eisenbahngesellschaft, 150 Jahre alt geworden. Die historische Strecke zwischen Wesel und Boxtel, die sogar Reisen von London nach St. Petersburg ermöglichte, war der Stolz vieler Gocher und Uedemer, denn dank ihres Schienennetzes konnten nicht nur Niederrheiner (mit Geld), sondern sogar gekrönte Häupter aus dem „Blauen Brabant“ heraus schon mal in die Landschaft winken. Dennoch war schon im Ersten Weltkrieg Schluss mit der teuren Privatbahn. Geblieben ist hier und da ein Stück Bahndamm, das eine oder andere Gebäude aus der Zeit und ein Denkmal im Kalbecker Busch. Und eben Fotos und Gemälde, wie sie derzeit in Goch zu bewundern sind.

Hans Rudolf Kremer wuchs in Alpen-Bönninghardt auf und ging in Rheinberg und Wesel zur Schule. „Dort sah er wohl die schönen Lokomotiven, die er später in seinen Bildern wieder aufleben ließ“, sagt Verfürth. Denn in den Jahren, in denen Kremer malte, hatten längst die wenig eindrucksvollen Diesel-Loks ihre Vorgänger verdrängt. Der autodidaktische Künstler aber, der sich nach dem Krieg auch als Kopist alter Meister versuchte,  komponierte ordentlich qualmende Loks in seine Aquarelle. Sein Geld verdiente er als Techniker bei Krupp und später bei Siemens, in der Freizeit aber war Kremer Maler mit Leidenschaft.

Es war die Liebe zur niederrheinischen Landschaft, gepaart mit der Faszination für die Eisenbahn, die ihn zu seinem Schaffen motivierte. Ausstellungen gab es einige, nach seinem Tod allerdings nicht mehr. Umso mehr freut sich der Heimatverein darüber, dass die Söhne des 1984 gestorbenen Kremer die Bilder jetzt den Gochern für einige Wochen zur Verfügung stellten. Verfürth und seine Mitstreiter haben die Aquarelle in einer geographisch nachvollziehbaren Reihenfolge im Fünf-Ringe-Haus aufgehängt und geben auch gerne Erläuterungen dazu.

Wo vorhanden, hängen unter den Gemälden die Postkarten, an denen sich der Maler orientiert oder die er manchmal auch fast originalgetreu abgemalt hat. Kenner vermerken schmunzelnd, dass manches Bahn-Detail nicht ganz richtig ist, auf diesen Schienen die Staatsbahn fuhr und jener Bahnhof seitenverkehrt dargestellt ist – aber was macht das. Hans Rudolf Kremer ist jahrelang durch den Niederrhein gereist und hat alle noch vorhandenen Gebäude und Szenerien in Skizzen festgehalten und mit alten Postkarten abgeglichen. Auch ein Porträt eines Streckenläufers ist dabei.  Die genaue Bauweise der Loks und Waggons, die fast immer den Mittelpunkt des Bildes darstellen,  hat er sich von den Herstellerfirmen besorgt.

 Werner Verfürth vom Heimatverein Goch ist „alter Eisenbahner“.

Werner Verfürth vom Heimatverein Goch ist „alter Eisenbahner“.

Foto: Anja Settnik

Die Ausstellung ist noch an diesem Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Einige Exemplare des Buchs zur Fotoausstellung zur Boxteler Bahn aus dem Frühjahr werden noch verkauft, ebenso Repros eines Bildes von Martin Lersch, das den Gocher (Doppel-)Bahnhof einst und heute zeigt.

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