1. NRW
  2. Städte
  3. Goch

Aufbruchstimmung bei der Firma Mühlhoff in Uedem

Nach dem Großbrand in Uedem : Aufbruchstimmung bei Mühlhoff

Zwei Monate nach dem Großbrand beim Automobilzulieferer gehen die letzten Aufräumarbeiten voran. In der Belegschaft herrscht Zuversicht: Am Uedemer Standort werden Millionen in leistungsfähigere Maschinen investiert.

Markus Wermers hat Humor. Der Geschäftsführer von Mühlhoff-Umformtechnik erlebte in den vergangenen Wochen den wohl turbulentesten Abschnitt seines Lebens. Est seit Oktober 2019 führt er den Standort in Uedem. Auf die Frage, ob er nicht lieber ein halbes Jahr später mit seiner Mission beim Automobilzulieferer hätte beginnen wollen, antwortet er dennoch mit einem Lachen: „Nein, dann hätte ich das alles hier nicht erleben dürfen.“

Markus Wermers erlebte, wie die Produktionshallen am 29. Dezember in Flammen aufgingen. Der Bonner schluckte, als die Polizei einen Mitarbeiter als mutmaßlichen Brandstifter überführte. Und er staunte, in welchem Tempo tausende Helfer dem Betrieb wieder auf die Beine halfen. „Wir haben als Mühlhoff-Familie eine unglaubliche Zeit hinter uns. Doch es ist Licht am Ende des Tunnels zu sehen“, sagt Wermers. Man muss genau hinschauen, um auf dem Mühlhoff-Areal die Hinterlassenschaften des Feuers zu erkennen. Das Feuer, das der Polizei und Staatsanwaltschaft zu Folge einen Schaden von 120 Millionen Euro angerichtet hat. „Die Zahl scheint uns noch immer etwas zu hoch zu sein, aber wir sprechen sicher von einem deutlichen zweistelligen Bereich“, sagt Wermers.

Doch wer das Herz der Produktionsstätte betritt, erkennt, dass Mühlhoff von Normalität noch weit entfernt ist. In jener Halle, in der bis zum Brand vier Großpressen Karosseriebauteile für die namhaftesten Autokonzerne des Landes produzierten, werden noch immer Wunden geleckt. An der Decke sind Rußspuren zu erkennen, die Säuberung derer könne im laufenden Betrieb nur schleppend vorangehen. Mittlerweile aber gebe es einen konkreten Plan für die Großpressen, erklärt Produktionsleiter Christian Pennekamp. So habe man sich entschieden, zwei der vier Maschinen aufwendig zu sanieren. Eine weitere werde zu einem späteren Zeitpunkt teilsaniert. „Wir gehen davon aus, dass das noch sechs bis sieben Monate dauern wird“, sagt Pennekamp. So werden die Pressen nun in ihre Einzelteile zerlegt. Dieser Tage werden etwa die Zahnräder der Pressen per Hand von Ruß-Rückständen befreit.

Pennekamp ist auch federführend für ein Projekt, das die Mühlhoff-Geschäftsführung als „klares Signal“ und als „strategische Neuerung“ versteht. So wird die vierte Großpresse nämlich gänzlich ersetzt. „Wir nutzen den Brand, um uns noch besser für die Zukunft aufzustellen. Der Brand war nicht nur schlecht“, sagt Wermers. So werde die bisherige 1250 Tonnen leistungsstarke Maschine durch eine Servomaschine mit einer Presskraft von 2000 Tonnen ersetzt. Der Kostenpunkt für das Projekt, das Pennekamp „als Aufbruch in die digitalisierte Welt der Industrie 4.0“ ansieht: mehrere Millionen Euro. „Für die Belegschaft ist das ein Ausrufezeichen. Die Mitarbeiter wissen jetzt: Es wird in den Standort kräftig investiert“, sagt Wermers. Ihm zu Folge gebe es, genauso wie vor dem Brand, keinen Plan für Kurzarbeit. Zwar befinde sich die Branche der Automobilzulieferer durchaus in schwerem Fahrwasser – auch wegen des Coronavirus. Mühlhoff sei allerdings nicht allzu exportabhängig, daher seien die Absatzzahlen im laufenden Geschäftsjahr 2020 bisher gut.

Die Produktion war bereits wenige Tage nach dem Großbrand wieder angelaufen. Seit einigen Wochen ist die Belegschaft wieder vollzählig im Dienst – wenn auch nicht alle am Standort in Uedem. So hat die Geschäftsführung einige Maschinen und Werkzeuge inklusive der Fachkräfte zu Konkurrenzfirmen in der ganzen Republik verbringen lassen. Markus Wermers selbst führt die Geschäfte der Traditionsfirma seit der vergangenen Woche vom Container-Dorf auf dem Parkplatz der Firma aus. Die gesamte Verwaltung ist dort eingezogen, schließlich war das Gebäude der knapp 35 Mitarbeiter gänzlich abgebrannt. „Den Neuaufbau der Verwaltung haben wir erst einmal hintenangestellt. Der Fokus liegt weiter darauf, dass der Betrieb wieder wie vor dem Brand anläuft. So lange halten wir es hier gut aus“, sagt Markus Wermers.