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Archivar der Klosterbibliothek Gaesdonck entdeckt Stiche von Dürer

Heimatgeschichte : Dürer-Stiche im Gaesdoncker Archiv

Bei den Arbeiten zu einem Inkunabeln-Katalog entdeckte Laurenz van der Linde, Archivar der Gaesdoncker Klosterbibliothek, wertvolle Stiche aus dem 15. Jahrhundert.

Auch mit 90 Jahren steigt Laurenz van der Linde noch regelmäßig die steile Treppe zur Gaesdoncker Klosterbibliothek empor. Den „Job“ macht ihm niemand streitig, denn so gut wie der ehemalige Direktor des Internats kennt sich wohl niemand mit dem Schatz aus, den die bischöfliche Schule unter ihrem Dach beherbergt. Seit etwa einem Jahr ist Archivar van der Linde damit beschäftigt, die etwa 200 Inkunabeln der Bibliothek zu katalogisieren. Inkunabeln sind Bücher, die bis 1500 gedruckt wurden. Sie entstanden nach Handschriften von den Großen der Kirchengeschichte: Augustinus, Thomas von Aquin, Petrus Lombardus. In zweien von ihnen hat der Geschichtsfreund jetzt Stiche entdeckt, die Fachleute Albrecht Dürer zuordnen. „Das ist ein wunderbarer Fund, und ich bin sehr froh darüber, dass wir darüber jetzt Bescheid wissen.“

Geschrieben hat die beiden Bücher Johannes Gerson, ein französischer Theologe und Rektor der Pariser Universität Sorbonne. „Er war ein frommer Mann und trat zu Beginn des 15. Jahrhunderts gegen die Absetzung der Päpste ein“, erklärt van der Linde. Gerson schrieb nicht nur theologische, sonder auch juristische und recht mystische moralische Texte – in lateinischer Sprache, versteht sich. Laurenz van der Linde, der Latein sein liebstes Hobby nennt, kann solche Texte nahezu fließend übersetzen.

 Johannes Gerson als Pilger mit Stab und Ranzen, in Holz gestochen von Albrecht Dürer. Das Wappen enthält das hebräische Zeichen Tau, das sich auch im heutigen Wappen der Gaesdonck wiederfindet.
Johannes Gerson als Pilger mit Stab und Ranzen, in Holz gestochen von Albrecht Dürer. Das Wappen enthält das hebräische Zeichen Tau, das sich auch im heutigen Wappen der Gaesdonck wiederfindet. Foto: Klaus-Dieter Stade (kds)
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„Der Name Gerson lautet wie das hebräische Wort Ankömmling im ersten Buch Mose“, erklärt van der Linde. Und diese Gestalt gibt sich der Theologe auf einem Bild, das in ähnlicher Weise mehrfach von Albrecht Dürer als Holzschnitt geschaffen wurde. Von der rechten Schulter hängt ihm ein Ranzen, eine Mütze schützt seinen Kopf vor Sonne und Regen, ein typischer langer Pilgerstab erleichtert das Gehen. In der rechten Hand hält Gerson einen Schild mit Sonne, Planeten, Flügeln und dem hebräischen Zeichen Tau, das im übrigen auch im Gaesdoncker Wappen vorkommt, wie der Archivar bemerkt. Franziskus nutzte es als Segens- und Friedensgruß, in der Christenheit wird es bis heute als Symbol für das Kreuz, also als Zeichen der Erlösung angesehen.

In Gersons Buch „Der Trost der Theologie“ wechseln sich Prosatexte und Gedichte ab. Ein verziertes Lobgedicht stand häufig statt eines Bildes am Beginn eines Buches. In den beiden Gerson-Bänden der Gaesdonck jedoch gibt es ein ganzseitiges „Frontispiz“, eine dekorative und zugleich informative Abbildung, die dem Titelblatt gegenüberliegt. Dies veranlasste Laurenz van der Linde, seine Forschungen auszuweiten. „Einen Hinweis darauf, dass die Holzschnitte vom jungen Albrecht Dürer stammen, fand ich in der Diözesanbibliothek Münster. Unser Gerson-Bild zierte übrigens das Titelblatt eines Katalogs zu einer Ausstellung historischer Bücher in einem Berliner Auktionshaus“, hat van der Linde festgestellt. Wie viele Exemplare des Stichs existieren, weiß der Gocher nicht, aber schon das Wissen, in der ohnehin prächtigen Gaesdoncker Büchersammlung auf den berühmten Renaissance-Maler und Grafiker Dürer verweisen zu können, sei wunderbar.

Die etwa 200 Inkunabeln der Gaesdoncker Klosterbibliothek sind ein Verweis darauf, dass die Augustinermönche, die 1406 das Kloster gründeten, in ihrer Umgebung gut vernetzt waren, wie man heute sagen würde. Sie hatten zunächst ihre benötigten Bücher handschriftlich selbst hergestellt. Gerne erzählt Laurenz van der Linde die typische Art des Tauschhandels jener Zeit: Die Kirchengemeinde Gennep benötigte ein Messbuch und bezahlte die Gaesdoncker Mönche für ihre Arbeit mit Mautfreiheit auf allen Wegen und Brücken der Gemeinde. Ansonsten seien Roggen oder andere Naturalien die übliche Entlohnung gewesen. Nachdem ab 1450 der Buchdruck aufkam, kauften die Mönche, wann immer sie sich das leisten konnte, Bücher. Oder ließen sie sich von befreundeten Pfarrern in der Gegen vermachen. So wuchs die Gaesdoncker Bibliothek schnell. 6000 Exemplare von Büchern, die bis 1800 gedruckt und in Leder gebunden wurden, hütet Laurenz van der Linde.