Alleenradweg für Goch geplant

Radtourismus : Plan: Alleenradweg an der Boxteler Bahn

Im Kreis Wesel wird die Trasse längst genutzt, und auch die Niederländer ermöglichen das Radeln entlang der Strecke. Nun wollen auch die Heimatvereine der Stadt Goch den Lückenschluss des Alleenradwegs ermöglichen.

Aufgegebene Bahntrassen sind entweder nutzlos oder können umgewidmet werden. Sehr gerne für freizeitliche Belange wie etwa Radwege. Die Gocher Heimatvereine – der für die Stadtmitte, der für Asperden und der für Hommersum – beantragen jetzt, entlang der Linie der früheren Boxteler Bahn einen Alleenradweg und Wanderweg anzulegen. Die Sache wurde in die Tagesordnung des nächsten Bau- und Planungsausschusses am Dienstag, 18. Juni, aufgenommen.

Gochs Verwaltung schlägt vor, den Antrag zu befürworten. Wenn die Politik diesem Vorschlag folgt, soll er in das ohnehin beauftragte Radverkehrskonzept eingearbeitet werden. Ein Kölner Planungsbüro soll testen, ob die Umsetzung möglich, der Trassenverlauf geeignet und von einer finanziellen Förderung auszugehen ist.

Es geht um einen Weg, der über die stillgelegte Boxteler Bahn von der Kettelerstraße in Goch bis zur Kendelbrücke am Möhlenbruch in Hommersum führen könnte. Das bedeutet, dass die Strecke mitten durchs ehemalige Industriegebiet führen würde. Etwa hinter dem Klärwerk liegt die Brücke, die heute Fußgängern und Radlern vorbehalten ist und an deren breitem Unterbau noch ablesbar ist, dass hier früher eine Eisenbahn fuhr.

Die Boxteler Bahn war ab 1873 bis zum Ersten Weltkrieg ein wichtiges Teilstück der meistbefahrenen Ost-West Verbindung zwischen den Metropolen London, Berlin und St. Petersburg. Es wurden sowohl Personen als auch Güter transportiert; der schnelle „Blaue Brabant“ erreichte einige Berühmtheit. Im Jubiläumsjahr der Bahn hatte der Heimatverein Goch gerade eine Postkartenausstellung organisiert, erst vor wenigen Tagen gab es an der Fußgängerbrücke über die Kendel in Hommersum eine kleine Feierstunde. Schon länger existiert eine 155 Kilometer lange Radroute auf der historischen Strecke.

Aus Sicht der Heimatvereine würde die Anlegung eines Alleenrad- und –wanderweges die Attraktivität dieser Radroute deutlich steigern und als Fernradweg Wesel mit dem niederländischen Boxtel verbinden. Während nämlich Xanten, Uedem und Gennep bereits Radwege besitzen, die zu großen Teilen auf der historischen Trasse verlaufen, und die Niederlande das Teilstück Hommersum-Boxtel realisiert haben, werde Goch nur geringfügig tangiert.

Das sei schade, zumal der Weg auch die Chance biete, über Informationstafeln auf historische Ereignisse und Besonderheiten in der Geschichte der Boxteler Bahn zu verweisen. Und Gocher, die sich die potenzielle Route von der Brücke an der Kettelerstraße in Richtung Landesgrenze einfach mal vorstellen, werden bemerken, dass damit ein Stück Goch erschlossen würde, das in freizeitlicher Hinsicht kaum jemand kennt. Wo auf einem Wall bis heute Reihen alter Bäume und Büsche in die Höhe ragen, verlief einst die Trasse der Boxteler Bahn.

Nachdem das Thema im Gocher Hauptausschuss kurz angesprochen worden war, hatte dieser den Antrag an den zuständigen Bau- und Planungsausschuss verwiesen, der bereits Ende 2018 für das Radverkehrskonzept votiert hatte. Die Unterzeichner des Antrags sind zuversichtlich, dass Goch öffentliche Förderung erhalten kann – vom Land und von der Euregio. Ein Eigenbeitrag ist aber kaum zu vermeiden.

Wo man heute „nur“ auf Spaziergänger oder Ausflügler hoch zu Pferde trifft, verlief vor langer Zeit die Trasse der Boxteler Bahn. Foto: Anja Settnik

In Kalkar zum Beispiel hatte es wegen eines ähnlichen Projekts (das umgesetzt wurde) erhebliche Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Bürgerschaft gegeben. Die drei Gocher Heimatvereine jedenfalls hoffen auf „wohlwollende Befürwortung“ der Fraktionen.

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