Goch: Alfred-J.-Kwak-Haus Kessel: Bald oder nie

Goch : Alfred-J.-Kwak-Haus Kessel: Bald oder nie

Seit 2005 ist die Idee, im Gocher Ortsteil Kessel ein Erholungsheim für behinderte Kinder zu schaffen, in der Welt. Aber die Umsetzung lässt noch auf sich warten. Neuer Geschäftsführer will neuen Anlauf nehmen - er gibt sich drei Jahre.

Zwölf Jahre ist es her, dass die Idee geboren wurde. Dass sich das Projekt nicht kurzfristig würde umsetzen lassen, war allen Beteiligten klar. Aber dass so viele Jahre ins Land gehen, bevor mehr als ein Modell von dem Erholungsheim für schwerstkranke Kinder und ihre Eltern existiert - damit war eher nicht zu rechnen. Richard Dittrich aus Nierswalde fand die Planung immer spannend und möchte nun wissen, woran es hakt. Seine Frage: Wie steht es um das Projekt "Alfred J. Kwak-Haus" in Kessel? Und was ist aus den Spendengeldern geworden, die im Laufe der Jahre zusammenkamen?

Denn in den ersten Jahren wurde durchaus emsig gesammelt. Bei vielen Veranstaltungen, privaten Feiern und Jubiläen waren Spenden für das ehrgeizige Projekt gern gesehen. Die eigens gegründete Stiftung, eine Schwesterorganisation der Herman-van-Veen-Stiftung, betreibt das Projekt seit 2009. Vorstand und Geschäftsführung haben mehrfach gewechselt, aktuell ist Heilpädagoge Prof. Heinrich Greving der Vorsitzende (Vize-Bürgermeisterin Gabriele Theissen seine Stellvertreterin), die Geschäftsführung hat Albert Dratsdrummer aus Kalkar. Er weiß, dass sich die Zweifler am Niederrhein mehren und möchte sich am liebsten erst dann ausführlich äußern, wenn die Stiftung das Kwak-Haus "betriebsbereit übergeben" kann. So weit ist es noch nicht, aber Dratsdrummer wagt eine Aussage: "Innerhalb von drei Jahren müssen wir das Projekt realisieren oder konstatieren, dass es tot ist."

Im Jahr 2010 gab es im Ratssaal der Stadt Goch eine Präsentation des Modells mit prominentem Besuch: Hermann van Veen. Foto: Gottfried EVERS

Hermann van Veen, der geistige Vater des Alfred-J.-Kwak-Hauses, stehe noch immer absolut hinter der Idee, die Rechte der Kinder durch konkrete, lokale Projekte umzusetzen. Im Fall Goch geht es darum, den Familien schwerkranker Kinder einen Ort zu geben, wo sie sich gemeinsam erholen können.

Nach ersten Berechnungen, die der Gocher Architekt Klaus Völling im Auftrag der Stiftung anstellte, werden 13 Millionen Euro nötig sein. Und damit ist noch nichts über die Betriebskosten ausgesagt. "Gerade über die müssen wir aber mehr wissen, bevor wir an den Start gehen können", meint Dratsdrummer. Er sei in Gesprächen mit verschiedenen Kostenträgern, mit Kliniken sowie mit potenziellen Betreibern. Verschiedene regionale soziale Einrichtungen kämen da in Frage.

Was bereits "erledigt" sei: Spenden "im unteren sechsstelligen Bereich" seien eingenommen worden, von 2009 bis 2014 habe es gedauert, bis der Flächennutzungsplan geändert und der Bebauungsplan aufgestellt worden sei. Ein Modell des Entwurfs wurde schon in Goch gezeigt und dann wieder verstaut - in der Radboudklinik, die sich für eine Zusammenarbeit interessierte. Vieles ist offenkundig in der Schwebe, das Hauptproblem bleibt das fehlende Geld. Der Geschäftsführer denkt an überregionales Fundraising und an andere neue Wege, die die Stiftung gehen müsste.

Zwei Projekte sollen die Planung wieder ins Bewusstsein der Niederrheiner holen: "Am 24. Mai veranstalten wir gemeinsam mit dem Werbering Goch ein Konzert im Kastell. Dabei wird ein Frauenchor aus Manila, der von der van-Veen-Stiftung gefördert wird, singen. Und am 16. Juli ist wieder ein Jugend-Golf-Turnier in Moyland, dessen Erlös ebenfalls für den guten Zweck gedacht ist", erklärt der Geschäftsführer. Und das Geld, das die Niederrheiner im Laufe der Jahre spendeten, sei natürlich nicht verbrannt, sondern in der Hermann-van-Veen-Stiftung und einer Baurücklage angelegt. Gut wäre sicher, wenn sich der geistige Kopf des Projekts mal in Goch sehen ließe, stimmt Dratsdrummer zu. Ein Konzert im Herbst sei mal angesprochen worden.

(RP)
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