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Airport Weeze stellt den Winter-Flugplan vor: Verluste drohen

Weeze : Weeze verliert Winter-Ziel Kanaren

Im Sommerflugplan fiel der Verlust der Strecken nicht so auf – da ist es anderswo ebenso warm. Aber dass Ryanair jetzt auch im Winter Teneriffa und Gran Canaria nicht anfliegt, trifft den Airport Weeze hart. Ein schlechtes Jahr 2019.

Die Koffer sind gerade erst ausgepackt und der Alltag hat uns wieder, da freut sich mancher schon auf den Winterurlaub. Wer dabei auf Sonne und milde Temperaturen spekuliert und gewohnt ist, gleich aus der Nachbarschaft zu starten, wird enttäuscht sein: Der Flughafen Weeze bietet weder Gran Canaria noch Teneriffa als Warmreiseziel an. Lediglich Fuerteventura ist vom Niederrhein aus noch einmal in der Woche zu erreichen. Nachdem schon die Monate Januar bis Juli ein 25-prozentiges Passagier-Minus im Vergleich zum Vorjahr  ausgewiesen hatten, setzt sich der Abwärtstrend nun auch im Winter fort. „Wir werden im Vergleich zu 2018 20 Prozent weniger Fluggäste haben“, hat Flughafen-Geschäftsführer Ludger van Bebber errechnet. Zumal auch noch das polnische Bydgoszcz (Bromberg) und Calgiari auf Sardinien fehlen, das schon immer im Winter mal angeboten wurde und mal nicht.

Dass der Verlust nicht noch größer ist, hängt mit zwei neuen Zielen zusammen, die für einen gewissen Ausgleich sorgen dürften: Kiew in der Ukraine ist erstmals im Flugplan, das marokkanische Tanger ist eine Wiederaufnahme. Die Touristen dürfte das nur wenig trösten, denn die Kanaren sind ein sehr beliebtes Winter-Reiseziel. Wer nicht Ski fährt, bucht für die Weihnachtsferien und die Zeit drum herum sehr gerne Teneriffa und Co. Ab Weeze ist das nicht mehr möglich, und ob sich das wieder ändert, ist fraglich, denn Ryanair verabschiedet sich von seinen Basen auf den Kanaren. Die Iren sollten dort künftig höhere Gebühren zahlen als bisher, die Ticketkosten (spürbar gerade auf der längeren Strecke) steigen wegen erhöhter Treibstoffkosten, außerdem fehlen der Gesellschaft Flugzeuge. Bekanntlich war eine große Anzahl Boeing 737 Max bestellt worden, die vorerst am Boden bleiben müssen – bekanntlich darf die Maschine nach zwei Abstürzen dieses Typs vorerst nicht abheben. Und wenn Flugzeuge fehlen, werden weniger rentable Ziele zuerst gestrichen.

Pech auch für Weeze. „Das Jahr 2019 bedeutet für uns überhaupt eine große Herausforderung“, sagt van Bebber. Die Streckenstreichung treffe den Airport hart, er rechne mit einem Verlust von etwa einer halben Million Euro am Ende des Jahres. Sparen sei kaum mehr möglich, denn die knapp 90 Angestellten des Flughafens sind für die Grundfunktionen zuständig, die ein Flughafen zur Verfügung stellen muss, ob er nun viele oder deutlich weniger Passagiere hat. Feuerwehr, Verkehrsleitung, Sicherheit, Boarding, allgemeine Verwaltung. „Aber uns treffen die zurückgehenden Passagierzahlen hart, denn wir verdienen ja nciht ur an Gebühren für Starts und Landungen, sondern auch am parken, an der Gastronomie, am Verkauf.“ Zum Glück laufen die Bereiche Vermietung, Verpachtung und Veranstaltungen sehr gut, so bleibe der Verlust überschaubar.

Nachdem sich der Airport mit dem Kreis Kleve auf eine stille Beteiligung geeinigt hatte und 300 Millionen Zinsen (vor allem über Kredite) nachgezahlt hatte, sei es ja keinesfalls so, dass es einen Automatismus gebe, dass der Kreis einspringe, wenn es finanziell wieder eng wird. Den laufenden Betrieb muss der ganz überwiegend private Airport schon selber stemmen. Wie der Sommerflugplan aussehen wird sei die große Frage. Zum eine lässt sich Ryanair nicht in die Karten schauen, van Bebber glaubt aber auch nicht, dass das Unternehmen selbst schon so weit schauen kann. Insbesondere die fehlenden Flugzeuge, aber auch die hohen Kosten durch die Übernahme von Laudamotion seien Bremser der Entwicklung. Nicht umsonst veröffentliche Ryanair mehrere Gewinnwarnungen. Und dann gibt es da noch den Brexit, gar nicht zu reden von der Frage, ob sich angesichts des neu entdeckten Umweltbewusstseins so vieler Europäer nicht auch die Buchungen von Ferienflügen reduzieren . . .

Der Flughafen Düsseldorf bietet nun über Laudamotion einen Teil der Ryanair-Flüge an, die es früher ab Weeze gab (etwa die Kanaren). Immerhin eine Erlecihterung sieht vanBebber am Horizont: Ab 2021 werde Konkurrent Eindhoven durch die dann in den Niederlanden wieder eingeführte Luftverkehrssteuer stärker belastet. „Noch lieber wäre uns gewesen, die Ticketsteuer wäre in Deutschland wieder abgeschafft worden. Aber so sind dann zumindest die Wettbewerbsbedingungen wieder fair“, sagt van Bebber.