Ärztin eröffnet neue Hausarztpraxis in Kalkar

Altkalkar : Neue Hausarzt-Praxis in Altkalkar

An der Gocher Straße 25 in Kalkar gab es jahrzehntelang eine ärztliche Praxis. Doch seit einiger Zeit stehen die Räume nun leer. Dr. Kaiken Homuth aus Wesel ergriff die Chance und lässt sich in einigen Wochen dort nieder.

Für den Pressetermin hat sie nicht einmal die Bauhandwerker gebeten, mal ein paar Stunden Pause zu machen. Wer weiß, welche Verzögerungen sich daraus ergeben hätten. Dr. Kaiken Homuth möchte Mitte Oktober, spätestens aber zum 1. November, eine hausärztliche Praxis an der Gocher Straße in Altkalkar eröffnen. Noch braucht es einige Phantasie, um sich vorzustellen, dass demnächst Untersuchungen und Behandlungen in den Räumen stattfinden werden. Wände müssen noch verputzt, der Fußboden gelegt, Möbel und Geräte aufgestellt werden. „Die Arbeiter sind zuversichtlich, rechtzeitig fertig zu werden“, sagt Homuth. Gemeinsam mit Bürgermeisterin Britta Schulz, Wirtschaftsförderer Bruno Ketteler und Andreas Stechling, unter anderem für den Fachbereich Bürgerdienste zuständig, stellte sie gestern ihr Vorhaben der Presse vor.

Früher wäre ein solches Ereignis eher keine Berichterstattung wert gewesen: Ein Arzt geht altersbedingt in den Ruhestand, ein Nachfolger (vielleicht Sohn oder Tochter) übernahm. Doch das ist längst nicht mehr so: Im Kreis Kleve wie in fast allen ländlichen Regionen gibt es erheblichen Nachwuchsmangel unter den Medizinern. Obwohl der Kreis mit Stipendien, Hospitationsmöglichkeiten und finanzieller Förderung wirbt, findet sich nur selten jemand, der sich neu zwischen Emmerich und Wachtendonk niederlassen will. Insbesondere die kleineren Orte sind schlecht versorgt.

Umso erfreulicher, wenn jemand von „draußen“ völlig unerwartet Interesse zeigt, eine Praxis zu eröffnen. Und nicht etwa nur zu übernehmen. „Wir sind vor zwölf Jahren aus Baden-Württemberg an den Niederrhein gekommen und wohnen seit damals in Wesel. Eigentlich fand mein Mann von Beginn an Kalkar toll, aber beruflich fassten wir Fuß in Wesel und Bottrop.“ Er als Pathologe, sie beim sozialmedizinischen Dienst als Gutachterin. „Ich habe auch Praxisvertretungen und eine zusätzliche Ausbildung zur Psychotherapeutin gemacht“, erzählt die Medizinerin , die von Hause aus Internistin ist und auch Erfahrungen in der Arbeitsmedizin gesammelt hat.

Dr. Kaiken Homuth ist 53 Jahre alt, ihre 27-jährige Tochter wird ebenfalls Ärztin (und braucht keine Betreuung mehr). Anders als viele junge Berufskolleginnen muss die Weselerin also keine Rücksicht auf die familiäre Situation mehr nehmen. Sie kann in Vollzeit arbeiten, im eigenen Takt durchstarten. Sobald die EDV installiert ist, können Patienten Termine mit ihr ausmachen. In der Anfangszeit dürfte das rasch gehen, denn Homuth übernimmt keinen Patientenstamm , sondern muss ihn selbst aufbauen.

Ganz von sich aus hatte die Ärztin bei der Kassenärztlichen Vereinigung nach freien Sitzen am Niederrhein gefragt, und da sie und ihr Mann eben Kalkar so mögen, wurde es tatsächlich Kalkar. Dort entstehen derzeit im Erdgeschoss der Gocher Straße 25 zwei Behandlungsräume, einer (mit Blick ins Grüne) für die Psychotherapie, dazu die Anmeldung und Nebenräume für EKG, Labor, Teeküche. Zwei Arzthelferinnen und ein Azubi gehen mit an den Start.

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