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Ab Sommer können am Berufskolleg in Goch Versicherungskaufleute ausgebildet werden

Ausbildung : Fachleute für Versicherungen gesucht

Landrätin Silke Gorißen hat den Standort Goch des Berufskollegs dabei unterstützt, die Genehmigung zur Einrichtung einer neuen Fachklasse zu bekommen. Die Lokale Wirtschaft ist darüber sehr froh.

Der Weg bis dahin war so lang und steinig, dass sich alle Beteiligten an dem schwer erkämpften Erfolg umso mehr erfreuen: Nach jahrelangem Bemühen ist es gelungen, am Standort Goch des Berufskolleg Kleve einen Ausbildungsgang einzurichten, auf den sowohl Arbeitgeber, als auch junge Leute lange gewartet haben.

Wer bisher nach der Schule die Ausbildung zum Versicherungskaufmann machen wollte, musste zur Berufsschule bis nach Krefeld, Moers oder Wesel fahren. Und entschied sich schon deshalb häufig für eine andere Lehre. Mit der Folge, dass die Agenturen aus der Region nur sehr schwer Azubis finden. Das sollte künftig anders werden, denn zum Sommer wird eine Fachklasse „Kaufleute für Versicherungen und Finanzen“ eingerichtet.

Weil der „Zuschlag“ so lange auf sich warten ließ, folgten jetzt der Einladung von Schulleiter Peter Wolters nicht nur viele Betriebsinhaber, sondern auch Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers und – erstmals in der Gocher Dependance zu Gast – Landrätin Silke Gorißen. Nicht zuletzt ihr Schreiben an die Bezirksregierung habe wohl dafür gesorgt, dass der lang gehegte Wunsch des Klever Berufskollegs endlich in Erfüllung gehe, meint Wolters.

„Sie müssen nämlich sehen, dass unsere Angebote immer in Konkurrenz zu benachbarten Berufskollegs stehen. Deshalb wird ein neuer Ausbildungsgang nicht so einfach genehmigt, denn die Nachbarschulen melden immer Bedenken an. Diesmal hat sich die Bezirksregierung jedoch einfach darüber hinweg gesetzt“, berichtete Schulleiter Peter Wolters.

Silke Gorißen stellte in ihrer Ansprache fest, dass die Versicherungsbranche eine stark wachsende sei und eine große Entfernung zur Berufsschule sicherlich die Entscheidung für diese Berufsfelder erschwere. Sie hoffe natürlich auch, dass dadurch, dass junge Leute ihre Kompetenzen im Kreis Kleve erwerben können und hier den Einstieg in ihren Beruf finden, sie auch langfristig Bürger des Kreises bleiben und nicht in große Städte auswandern.

Erfreut zeugte sie sich auch über den Zustand des Gocher Schulgebäudes, das ja gerade erst kernsaniert wurde, nachdem vor Jahren schon überlegt worden war, den Standort aufzugeben. Davon ist längst keine Rede mehr, die kaufmännischen Ausbildungsberufe (aber auch zum Beispiel die Fachinformatiker) sind und bleiben in Goch beheimatet.

Projektleiter Michael Kerst verwies darauf, dass im Sommer 25 junge Leute ihre duale Ausbildung im Versicherungswesen starten, tatsächlich sollten es aber auch etwa so viele in jedem Jahr sein, denn sonst bekommt das Berufskolleg die Fachklasse wieder abgenommen. Versicherungsprofis wie René Wilmsen von der LVM oder Kollege Richard Dolan von der Provinzial haben da keine Sorgen. „Uns fehlen seit Jahren motivierte junge Leute“, sagt Dolan. Was sicher auch daran liege, dass stundenlange Fahrten mit Auto oder Bahn im Berufsverkehr wenig attraktiv seien. „Dabei haben wir einen tollen Beruf mit hoher Verantwortung und besten Zukunftsperspektiven.“

Kreiswirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers freut sich darüber, dass die Partner aus Wirtschaft, Schule und Gesellschaft nun zueinander finden können. Schulleiter Wolters versicherte, die Bildungsgänge ließen immer so viel Spielraum, dass die Bedürfnisse der Arbeitgeber berücksichtigt werden könnten. Die kurzen Wege zwischen Schule und Unternehmen seien auch in dieser Hinsicht vorteilhaft. Übrigens heißt die Fachklasse nicht ohne Grund „für Versicherungen und Finanzen“.

Auch in Banken können die Absolventen sicherlich eine gute Zukunft starten, nämlich dann, wenn sie in der Oberstufe ihrer dreijährigen Ausbildung den Schwerpunkt Finanzen wählen. Junge Leute mit Fachoberschulreife können sich ab sofort informieren und vielleicht im kommenden Jahr schon durchstarten.