55 Jahre Campingplatz Erlengrund in Goch

Freizeit : 55 Jahre Campingplatz Erlengrund in Goch

Am morgigen Samstag, 7. Juli, feiert der Verein Geburtstag. Im kleinen Kreis treffen sich Ehemalige und Neulinge, um in Erinnerungen zu schwelgen.

Wer diesen Ort betritt, dem fallen unweigerlich die Worte „Idyll“ und „Naturparadies“ ein. Waldrand auf der einen und die Niers auf der anderen Seite begrenzen den Platz. Entlang des breiten Mittelweges stehen etwa 35 Wohnwagen. Keiner davon ist umzäunt, kein Gartenzwerg in Sicht. Die herabhängenden Äste junger Weiden bewegen sich im Sommerwind, Hortensien blühen, kein Autolärm – der perfekte Ort zum Entspannen und Erholen. Der „Campingclub Kreis Kleve e. V. im Erlengrund“ feiert am Samstag, 7. Juni, sein 55-jähriges Bestehen.

Neben der Tatsache, dass hier absolute Stressfreiheit herrscht, gibt es noch andere Eigenschaften, die diesen Campingplatz kennzeichnen. „Hier hilft jeder jedem“, sagt Dieter Klockhaus und bringt damit auf den Punkt, was die etwa 50 Vereinsmitglieder an diesem Ort hält. Mit seiner Frau Angelika ist er seit 25 Jahren Dauercamper „im Erlengrund“. Das Ehepaar stammt aus dem Ruhrgebiet, wohnt aber seit 42 Jahren in Nütterden. Seit sie beide Rentner sind, verbringen sie viel Zeit am Wohnwagen und genießen die Ruhe und die Gemeinschaft mit den anderen Campern, die den Platz in Eigenregie pflegen.

Jörg van den Heuvel aus Kleve, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, ist seit fünf Jahren dabei. Auch er betont die gegenseitige Hilfsbereitschaft untereinander. Zum Beispiel gibt es keinen Kiosk auf dem Platz. Frische Brötchen gibt es aber dennoch, weil ein Mitglied morgens auf dem Nachhauseweg von der Nachtschicht für alle welche mitbringt. „Das ist nicht selbstverständlich, was allen bewusst ist“, sagt van den Heuvel.

Obwohl die Camper meist völlig entspannt vor ihren Wohnwagen sitzen, arbeiten sie doch „im Verborgenen“. Mindestens 40 Arbeitsstunden leistet jedes Mitglied im Jahr, dazu gehören Hecken schneiden, Wiese mähen, kleine Reparaturen vornehmen. Für den 55. Geburtstag wurde zum Beispiel das Clubhaus gestrichen.

Anlässlich des Jubiläums gibt es auf der neu gestalteten Website viele Fotos aus vergangenen Tagen. Am Anfang gründeten 19 naturverbundene und campingbegeisterte Menschen einen Club und suchten den geeigneten Platz. Sie fanden ihn unweit der damaligen „Niersschenke“, einem Restaurant, das vielen älteren Gochern noch in Erinnerung ist. Felix Freiherr von Vittinghoff-Schell verpachtete 1965 zusätzlich ein angrenzendes Areal an den Club. In den 70er Jahren wurde es erweitert, Spielplatz und Gästeplätze entstanden. Schon gleich zu Anfang hatten die Camper im Erlengrund mit Hochwasser zu kämpfen. Die Chronik verzeichnet über 500 Lkw-Ladungen mit Erde, die nötig waren, das Sumpfgebiet zu befestigen. „Hochwasser ist immer Thema“, berichtet Jörg van den Heuvel. Man nehme das aber mit der für den Camper typischen Gelassenheit. So habe sich zum Beispiel einer von ihnen bei Hochwasser gemütlich mit einer Angel auf eine Bank gesetzt, die fast völlig unter Wasser stand. „Es passiert, was passiert“, so sagen die Camper und machen das Beste daraus.

Auch die gemeinschaftlichen Feiern, spontanen Grillabende, die keiner langen Vorbereitung bedürfen, kennzeichnen diesen Platz. Beliebte Termine sind Karneval, Oktoberfest und Silvester. Auch das bevorstehende Jubiläum wird in dieser Weise organisiert. Nur habe man dieses Mal einige Ehemalige angeschrieben, ob sie vielleicht kommen möchten, berichtet van den Heuvel. Es gibt Kuchen, ein Spanferkel vom Grill, und wer Lust habe, vorbeizuschauen, sei willkommen.

Zum 25-jährigen Jubiläum im Jahre 1988 bezeichnete Vereinsmitglied Liesel Megens in einer Festschrift den Platz als „letztes Paradies auf Erden“, wo es keine Zäune, keine Gartenzwerge gibt. Glück sei, „unterwegs“ zu sein. Sie schrieb: „Ein Club, der glaubt, das Ziel erreicht zu haben, stagniert schnell und verliert seine Lebenskraft.“