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Goch: 40 Jahre im Dienst der Leser

Goch : 40 Jahre im Dienst der Leser

Vier Jahrzehnte wird die Gocher Stadtbücherei im Tertiarinnenkloster nun alt. Fast genau so lang ist Angela Rose dabei. Und alles andere als ein verschrobener Bücherwurm. Auch beim Umzug ins Röchling-Haus macht sie nun mit.

Damals waren es Kinder, die vielleicht Pippi Langstrumpf wollten oder Enid Blyton. Heute sind es Eltern, die mit ihren eigenen Kindern in den Büchern stöbern. Oder sogar schon die Enkel.

Zwei, bald drei Generationen Goch hat Angela Rose (58) groß werden sehen. Seit 40 Jahren gibt es nun die Stadtbücherei im Tertiarinnenkloster, zwischen Maria-Magdalena und Kolpinghaus, mitten in der Stadt. Fast vom Start weg arbeitet Angela Rose dort. Sie war "vom Fach", damals, als alles begann, kannte sich aus. "Ich hatte meine Lehre bei Völcker in der Buchhandlung gemacht", erzählt sie.

Bücher blieben ihr Arbeitsfeld. Vier Jahrzehnte Berufserfahrung — da bringt sie kaum eine noch so spezielle Frage aus der Ruhe. "Damals, am Anfang, da war das alles leichter", sagt sie. Damals, bei 2500 Lesern, 55000 Ausleihen im Jahr. 40 000 Bücher sind's heute. Die Leser waren zwar immer schon wählerisch — aber zufrieden mit dem, was da war. "Es musste nicht immer sofort die Neuerscheinung sein. Die Leute waren froh, dass sie bei uns Bücher leihen können und nicht immer gleich kaufen müssen. Das Geld war knapp, auch damals."

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"Die Kinderbücher waren von Anfang an ein ganz wichtiger Bestandteil unseres Angebots", so Rose im Gespräch mit der Redaktion. Bald zog die Abteilung für die kleinsten Leser ins zweite Obergeschoss. Das Kaminzimmer, nach wie vor dafür genutzt, hatte damals auch noch eine ganz andere Bestimmung: Es diente der Stadt Goch als Raum für besondere Empfänge am prasselnden Feuer.

Gar nicht festlich: die ungezwungene Atmosphäre in der Stadtbücherei. Dass Kinder sie rechtzeitig kennenlernen — dafür sorgen Angela Rose, Judith Schouten, Betty Janßen und Büchereileiterin Michaela Koprek. Kindergarten- oder Schulklassenbesuche? Alltag. Lesungen? Regelmäßig. Und dann gibt es auch noch ganz besondere Aktionen. Die Gespensternacht zum Beispiel, an die sich Angela Rose so gern erinnert. Den "bissigen" Halloween-Abend. Das alles mit und neben Büchern.

Sterben die aus? Kein Fach- und Sachbuch mehr in Zeiten des allgegenwärtigen Internets? "Nein, ganz und gar nicht", sagt Michaela Koprek. "Die Lehrer sorgen sogar verstärkt dafür, dass Kinder mit Büchern in Berührung kommen, schicken sie zu uns, denn sie sollen sehen, was es Gedrucktes zum jeweiligen Thema gibt, den Umgang mit Büchern lernen."

Und wenn sie mal da sind, die Kinder, dann fällt's dem Team der Stadtbücherei leicht, sie auch wirklich für Gedrucktes zwischen Buchdeckeln zu begeistern. Denn die Freude, die springt über. Man spürt es deutlich: Keinen Tag möchte Angela Rose missen. Schon jetzt denkt sie darüber nach, was sie als Rentnerin tun wird. Weitermachen nämlich. "Dann aber ehrenamtlich."

Tausende von registrierten Lesern nicht nur aus Goch, reichlich Fernleihe-Aufträge, immer wieder neue Bücher, Spiele, Medien: Die Stadtbücherei ist seit vier Jahrzehnten der vielleicht am intensivsten genutzte Service der Stadt Goch. Das ist Dienstleistung pur. Und sie kostet, wie Angela Rose immer sagt, die Leser null Euro.

(RP)