Geldern: Zu Besuch bei "Mama Afrika" in Geldern

Geldern: Zu Besuch bei "Mama Afrika" in Geldern

Die schärfsten Chilis der Welt, Yams und passende Rezepte gibt es bei Blessing Ejea. Sie ist mit ihrem Laden Global Market von der Issumer Straße in die Hartstraße gezogen. Ganz nebenbei kümmert sie sich um ein Hilfsprojekt in Ghana.

Wer den Laden von Blessing Ejea betritt, der kann nicht nur exotisches Gemüse kaufen, sondern bekommt dazu noch eine ordentliche Portion Lebensfreude mit auf den Heimweg. Das liegt an der Ladenbesitzerin, die von ihren Kunden auch gerne "Mama Afrika" genannt wird. "Dabei bin ich die Kleinste hier", sagt die 38-Jährige lachend. In ihrer Hand hält sie eine Kiste mit Okraschoten, das sind grünen langen Dinger, die wegen ihres Aussehens auch Ladyfinger genannt werden. Wie man sie zubereitet, damit sie auch dem deutschen Gaumen schmeicheln, weiß die Ladenbesitzerin natürlich auch. Mit zwölf Jahren ist die gebürtige Nigerianerin nach Deutschland gekommen, seit fünf Jahren lebt sie in Geldern. Ein Jahr ist es her, dass sie ihren Laden Global Market an der Ecke Issumer Straße/ Kapuzinerstraße eröffnet hat. Seit Dienstag ist sie auf der Hartstraße 43 zu finden.

Global Market, der Name ist Programm. In den Regalen sind nicht nur typisch afrikanische Lebensmittel wie Fufu-Brei und Palmöl, sondern auch indische und asiatische. Der Umzug macht ihr keine Sorgen, weil die Kunden gezielt zu ihr kommen. Seitdem Yams in Kochsendungen im Fernsehen auftaucht, kaufen auch immer mehr Deutsche die gesunde Beilage, die vielfältig einsetzbar ist. "Der Plan ist ein Rezept des Monats", verrät die Ladenbesitzerin. Denn sie erklärt ihren Kunden gerne, wie Kochbananen und Habanero, die schärfsten Chilis der Welt, am schmackhaftesten zum Einsatz kommen. Für ihre Kunden aus aller Welt sind die Nahrungsmittel, die sie anbietet, auch ein Stück Heimat, erklärt Blessing Ejea. Aber ihr Laden ist eben viel mehr als ein Lebensmittelgeschäft. Es ist ein Treffpunkt. Die 38-Jährige spricht Deutsch, Englisch, sieben afrikanische Sprachen und etwas Französisch. Der Rest geht über "Hände und Füße". Sie arbeitet ehrenamtlich für die Caritas, ist Ansprechpartner für Afrikaner und übersetzt. Durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit hat sie auch gemerkt, dass ein Global Market in Geldern fehlte. "Die Leute müssen bis ins Ruhrgebiet oder nach Düsseldorf fahren", sagt Blessing Ejea. "Wenn man eine Chance sieht, muss man sie ergreifen", lautet das Motto der Geldernerin. Das Jobcenter hat die zweifache Mutter bei der Existenzgründung unterstützt. Sie musste einen Businessplan erstellen, dem Wirtschaftsprüfer vorlegen und hat in der Zeit wenig geschlafen. Das Jahr in der Issumer Straße habe ihr gezeigt, dass die Idee sich trage. Weil die Miete günstiger ist, wechselt sie zur Hartstraße. Sie hofft, dass ihre Geschichte auch andere motiviert, sich selbstständig zu machen. Die deutsche Sprache war für sie in vielen Fällen der Türöffner. Ihre Erfahrungen gibt sie auch an die Menschen weiter, die ihren Laden besuchen. Beim Weltkindertag, der in Geldern gefeiert wird, flechtet Blessing Ejea auch Rastas. Zu Weihnachten hat sie eine Feier organisiert, für alle, die keine Familie haben. Gekommen waren nicht nur Afrikaner, sondern auch Deutsche, insgesamt über 100 Leute. "Je älter ich werde, desto mehr zieht es mich zurück", sagt Blessing Ejea und sie überlegt laut, in ihrer alten Heimat in die Sozialarbeit einzusteigen. Vor zwei Jahren hat sie mit ein paar Leuten aus Geldern und Oberhausen den Verein "Deutsch-afrikanische Freundschaft International" gegründet. Der große Traum ist, ein Kinderheim in Ghana zu errichten. Aktuell werden drei Schulräume gebaut. "Wir liefern das Baumaterial, die Eltern bauen. Hilfe zur Selbsthilfe ist mein großes Ziel", sagt Blessing Ejea. Momentan sammelt sie Sommerkleidung für Erwachsene und Kinder, Jeans und Schuhe, aber auch Stifte. Im Juli möchte sie nach Ghana fliegen, um die Sachen zu verteilen. Bis Mai können Spenden im Geschäft an der Hartstraße 43 abgegeben werden.

Öffnungszeiten: dienstags bis freitags 10 bis 18 Uhr, samstags 10 bis 16 Uhr. Montags ist geschlossen.

(RP)