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Worauf bei der energetischen Sanierung zu achten ist

Serie Wohnbau- und Sanierungsförderung : Sanierung nach Plan

Bei der Sanierung eines Wohngebäudes lohnt es sich, vorher einen Energieeffizienzberater einzuschalten. Manchmal entscheiden schon ein paar Zentimeter mehr Dämmung über Förderung und Nicht-Förderung.

Ob Wärmedämmung von Wänden, der Austausch von Türen, Fenstern oder Lüftungsanlagen oder die Optimierung einer Heizungsanlage – in Teil 4 unserer Serie „Wohnbau- und Sanierungsförderung“ dreht sich alles um die energieeffiziente Sanierung von Wohngebäuden. Unsere Redaktion sprach mit Christian Venmanns, Baufinanzierungsberater der Volksbank Kevelaer.

Das Gebäude soll energetisch saniert werden. Was sind die ersten Schritte, mit denen ich mich beschäftigen muss?

 Christian Venmanns, Experte der Volksbank Kevelaer.  RP-Foto: nop
Christian Venmanns, Experte der Volksbank Kevelaer. RP-Foto: nop Foto: Norbert Prümen

Ganz wichtig: „Nicht einfach loslegen“, sagt Christian Venmanns von der Volksbank Kevelaer, „das ist der falsche Weg.“ Seit dem 1. Juli muss vor Vorhabenbeginn die Zusage seitens der KfW vorliegen, und alle Sanierungsmaßnahmen müssen von einem Fachunternehmen durchgeführt werden. „Früher konnte man zum Beispiel zum Baumarkt fahren, sich eine Dämmung fürs Dach besorgen und selber Hand anlegen.“ Neben dem Gespräch mit der Bank muss auch ein Energieberater eingebunden werden.

Was ist denn aus Ihrer Sicht die richtige Strategie?

Einige Maßnahmen sind in wenigen Wochen umsetzbar, andere benötigen bis zu ein Jahr. Venmanns rät allen Kunden, mit einem Energieeffizienzberater Kontakt aufzunehmen und die geplanten Maßnahmen durchrechnen zu lassen. „Er weiß am besten, was förderfähig ist und was nicht“, sagt Venmanns. „Manchmal lohnt es sich auch, ein oder zwei Sanierungen mehr einzuplanen, um das Haus zu einem Effizienz-Haus nach KfW-Standards zu machen.“ Der Vorteil: Bei einem KfW-Effizienzhaus beträgt die Förderung insgesamt bis zu 75.000 Euro. Bleibt es bei den Einzelmaßnahmen, sind hingegen maximal 20.000 Euro drin. Venmanns: „Ein paar Zentimeter mehr Dämmung entscheiden manchmal über Förderung oder Nicht-Förderung.“ Oft machen auch die beteiligten Gewerke darauf aufmerksam.

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Welche Sanierungsmaßnahmen werden gefördert?

Zu den Klassikern der energetischen Sanierung zählen Wände, Dachflächen, Decken, Fenster, Türen und Heizungsanlagen. Auch der sommerliche Wärmeschutz (Jalousien, Rollläden), Lüftungsanlagen oder digitale Systeme, die den Energieverbrauch des Hauses optimieren, werden gefördert. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) fördert mit der „Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG)“ den Heizungstausch, Maßnahmen zur Heizungsoptimierung, zum Einsatz erneuerbarer Energien, Anlagen zur Kraft-Wärme-Kopplung sowie die Energieberatung für Wohngebäude. Die restlichen Sanierungsmaßnahmen werden von der KfW-Bank gefördert.

Muss ich alle Sanierungsmaßnahmen auf einmal durchführen?

„Nein“, sagt Christian Venmanns. Seit dem 1. Juli können Kunden mit Hilfe des Energieeffizienzexperten einen individuellen Sanierungsplan für die nächsten 15 Jahre vorlegen. Die neue Regelung sei sogar mit einem zusätzlichen Förderpaket verknüpft, so der Baufinanzierungsberater. Sprich: Der Kunde erhält noch einmal fünf Prozent zusätzliche Förderung auf die Gesamtfördersumme, wenn ein individueller Sanierungsplan vorliegt.

Warum sollte ich überhaupt sanieren?

Eine Sanierung der Wohnimmobilie wirkt sich immer wertsteigernd aus. Ob die Wertsteigerung bei einer KfW-Sanierung höher ausfällt als bei einer „normalen“ Sanierung, sei schwierig festzustellen, sagt Venmanns. Der Unterschied sei: Die „normale“ Sanierung wird nicht gefördert.

Hat man Nachteile, wenn man sich die Sanierungsmaßnahme fördern lässt?

Zumindest ist man in der Umsetzung sehr streng an den Antrag gebunden, sagt Venmanns. Die Maßnahmen dürfen nicht von der Planung abweichen. „Wenn man zum Beispiel während der Sanierung feststellt, dass man gerne noch eine Dachgaube einbauen lassen würde, ist das nicht so einfach.“ Ein weiterer Nachteil für den Kunden sei sicherlich der Wegfall der Eigenleistung, meint Venmanns. Weiterhin ist zu beachten, dass ein strenger Kostennachweis erforderlich ist.

Gibt es weitere Neuerung seit dem 1. Juli?

Neu sind die Fördermöglichkeiten in der Erneuerbaren-Energien-Klasse. „In dieser Beziehung hat sich die KfW-Bank modernisiert“, meint Venmanns. Bei einem Energieeffizienzhaus 100 zum Beispiel erhält der Kunde bei Sanierungskosten von 120.000 Euro eine Förderung von maximal 27,5 Prozent. Das entspricht einer Fördersumme von 33.000 Euro. Bei der Nutzung von Erneuerbaren Energien (Biomasse, Solarthermie, Fernwärme aus förderbaren Wärmezeugungsarten, Umweltwärme) erhalten Bauherren und Immobilienbesitzer eine zusätzliche Förderung von fünf Prozent. Bedeutet: Die Sanierungskosten dürfen nun maximal 150.000 Euro betragen. Somit wächst auch die Fördersumme auf 48.750 Euro.