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Wolfgang Posten aus Sevelen hat Wachtendonk ein Geschenk gemacht.

Historisches aus Wachtendonk : Ein Silberpokal für den Bürgermeister

Aus Verbundenheit zu seiner alten Heimat Wachtendonk hat Wolfgang Posten aus Sevelen ein geschichtsträchtiges Geschenk gemacht. Das soll in der Niersgemeinde künftig auch für die Öffentlichkeit sichtbar sein.

Der Mann war ein schwieriger Charakter. Ihm eilte der Ruf voraus, zanksüchtig und unzufrieden zu sein und noch mit allen seinen Vorgesetzten in Streit zu geraten. Von denen hatte er nicht gar so viele, denn schließlich war er Bürgermeister von Wachtendonk. Wilhelm Brüggemann hieß er und amtierte vor rund 180 Jahren. Doch ein Glanzstück dürfte die Erinnerung der heutigen Wachtendonker an den Rathaus-Chef jener Zeit noch lange wach halten.

Das ist Wolfgang Posten zu verdanken. Das Glanzstück, das der gebürtige Wankumer jetzt an den heutigen Bürgermeister Hans-Josef Aengenendt überreichte, ist ein Silberpokal aus dem Jahr 1844. Er ist von der Darstellung der Justitia gekrönt und „dem Bürgermeister Brüggemann“ gewidmet. Für besondere Verdienste. Doch dazu später.

Gemeinsam mit seiner Frau sammelt Posten, der seit 50 Jahren in Sevelen wohnt, Dinge mit regionalem Bezug und von kunsthistorischem Wert. Zum Beispiel Keramiken vom Haus Irdenbrand in Sevelen. Als er in seinen Computer den Suchbegriff „Wachtendonk“ eingab, führte ihn das zu einem Auktionshaus im thüringischen Rudolstadt. Dort wurde just jenes Gefäß angeboten: „Großer Biedermeier Pokal Silber“, hieß es in der Beschreibung. Minimale Altersspuren, 40 Zentimeter hoch, 690 Gramm schwer. „Manchmal wird man eben fündig“, meint Posten rückblickend. Im März 2018 ersteigerte er den Pokal.

Im Geldrischen Heimatkalender 2020 schrieb der Sevelener ausführlicher über die historischen Begleitumstände rund um den Pokal. Brüggemann wurde im Juli 1839 von Krefeld-Bockum nach Wachtendonk versetzt. Bereits im Juli 1841 wurde er wegen finanzieller Unklarheiten im Umgang mit Gemeindegeldern wieder seines Amtes enthoben. Und doch wurde ihm drei Jahre später der Silberpokal zuerkannt. Die Justitia auf dem Deckel deutet an, um was es ging. „Ich habe hierbei auch auf die Forschungen von Josef Jennen zurückgegriffen“, beruft sich Posten auf noch unveröffentlichte Unterlagen des verstorbenen Wachtendonker Heimathistorikers, die in Geldern hinterlegt sind. Es ging damals um den Sitz des Friedensgerichts. Das saß in Wachtendonk, doch die Straelener bemühten sich seit Jahren darum, es in ihre Stadt zu holen. Ein Ansinnen, das Brüggemann durch das Einschalten des zuständigen Appellationsrichters in Köln erfolgreich zu vereiteln wusste. Und das ihm die Dankbarkeit der Wachtendonker einbrachte – in Form des Silberpokals. „Dass die Verleihung erst 1844 erfolgte, resultiert aus einem Prozess, der sich wohl über Jahre hinzog“, schreibt Posten im Geldrischen Heimatkalender.

„Die Dinge sollen an ihren Ursprungsort zurückkehren und nicht in einer Sammlervitrine verstauben“, begründet Posten das Geschenk an seine Heimatgemeinde. Darüber freut sich Bürgermeister Aengenendt. „Ich habe ein Faible für alte Sachen, betreibe auch selber Ahnenforschung.“ Er finde das schön, dass ein ehemaliger Bürger das wertvolle Stück Wachtendonk schenkt. Der Pokal soll künftig kein abgeschiedenes Dasein führen. Aengenendt: „Wir werden sicher eine schöne Vitrine finden, in dem ihn die Bevölkerung sehen kann.“