Höhere Nachfrage Wohnungspreise in Geldern steigen durch Stadtflucht weiter an

Geldern · Stadtflucht angesichts steigender Miet- und Kaufpreise in den Ballungsräumen und eine höhere Nachfrage im Gelderland: Die Corona-Pandemie hat diesen Trend verstärkt, meint Immobilienexperte Andreas Eck.

 Der Bauboom im Gelderland geht weiter: Besonders Mehrfamilienhäuser sind in Zeiten drohender Negativzinsen als Kapitalanlage immer mehr gefragt.

Der Bauboom im Gelderland geht weiter: Besonders Mehrfamilienhäuser sind in Zeiten drohender Negativzinsen als Kapitalanlage immer mehr gefragt.

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

Weiter nach oben, mit etwas geringerer Dynamik. So könnte man die Immobilienpreise im Jahr 2020 skizzieren. Selbst im Corona-Jahr sind Immobilien teurer geworden, schreibt das Handelsblatt. Ein genauer Blick könnte Investoren aber auch Sorgen bereiten. In Großstädten steigen Mieten nicht mehr so stark. Kapitalanleger müssen Rendite-Erwartungen nach unten korrigieren. „Manche Großstadtmieter fangen an, sich den Immobilienkauf zweimal zu überlegen, wenn sie sich nicht mehr über weitere Mieterhöhungen ärgern müssen“, sagt Andreas Eck von der Gelderner Eck & Company Immobilien GmbH. „Im Gelderner Umland sieht die Situation – noch - etwas anders aus. Stadtflucht ist das Stichwort. Schon vor der Pandemie sorgten stetig steigende Miet- und Immobilienpreise in den angrenzenden Ballungsräumen für Nachfrage bei uns. Corona hat diesen Trend verstärkt. Neudeutsch Social Distancing, übertragen: Freiräume und mehr Platz zum Wohnen zu günstigeren Preisen als in der Stadt, werden sehr häufig als Motive für die Wahl hiesiger Standorte genannt.“

 Der Makler verweist aber auch auf Unterschiede im Detail. „Auf den zweiten Blick zeigen sich aber auch im Gelderland Unterschiede in den Teilmärkten. Während Preise für Wohnimmobilien weiter deutlich angestiegen sind, von 10 Prozent nur in 2020 kann man ausgehen, sind Gewerbeimmobilien vor allem mit Einzelhandelsnutzungen weniger gefragt“, so Eck. Diese Schere gehe immer weiter auseinander. Anders bei reinen Mehrfamilienhäusern, die sich stetig steigender Nachfrage erfreuen. In Zeiten drohender Negativzinsen seien diese Kapitalanlagen immer mehr gefragt.

 Ein- und Zweifamilienhäuser seien im Preis sogar noch ein wenig deutlicher als Eigentumswohnungen gestiegen. „Durch die anhaltend günstigen Kreditzinsen und mangels Anlagealternativen, bleibt die Nachfrage ungebrochen hoch. Doch auf der Angebotsseite ist Flaute. Im Internet findet man oft nur Angebote, die überteuert sind und so monatelang verweilen. Oder es handelt sich um weniger nachgefragte Objekte, mit vielfältigen Problemen“, ergänzt Oliver Peeters, Inhaber der Eck GmbH. Gut aufbereitete Immobilienangebote würden es bei Eck oft gar nicht bis in die Online-Portale schaffen. Sie werden an vorgemerkte Kunden vermittelt. „Den Immobilienmarkt spiegeln die einschlägigen Portale deswegen schon lange nicht mehr wider“, so Peeters.

 Die wachsende Bedeutung des Homeoffice in der Corona-Pandemie könnte zur Entspannung an den Wohnungsmärkten führen. Zu diesem Ergebnis kommen die Wissenschaftler des Pestel Instituts in Hannover. (Stand der Grafik: Dezember 2020).  Grafik: dpa/Paul Massow/Sophie Lauterbach

Die wachsende Bedeutung des Homeoffice in der Corona-Pandemie könnte zur Entspannung an den Wohnungsmärkten führen. Zu diesem Ergebnis kommen die Wissenschaftler des Pestel Instituts in Hannover. (Stand der Grafik: Dezember 2020). Grafik: dpa/Paul Massow/Sophie Lauterbach

Foto: dpa-infografik GmbH

 Von der allgemeinen Preisentwicklung scheine der Markt für Neubauimmobilien abgekoppelt zu sein. Zwar seien im Gelderland in den vergangenen Jahren viele Mehrfamilienhäuser neu entstanden, zum Beispiel im Nierspark. Eine merkliche Entspannung der Mietnachfrage sei damit aber nicht verbunden gewesen. Andreas Eck: „Und das bei Mieten, die mittlerweile jenseits der 10-Euro-Grenze liegen. Ein Ende der Mietsteigerungen ist derzeit nicht erkennbar. Das gilt auch für die Baupreise. Unter 3000 Euro je Quadratmeter ist Bauen mittlerweile kaum möglich. Das führt zu einer Nettoverzinsung von nur ein bis zwei Prozent nach Abzug der Bewirtschaftungskosten und Mietausfallwagnis. Da rechnet sich ein Neubau für einen Kapitalanleger trotz der niedrigen Zinsen nur mit einem hohen Anteil von Eigenkapital.“ Die Politik habe zudem das Bauen teuer gemacht und weise gleichzeitig nicht genügend Bauflächen neu aus.

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