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Wohnserie Gelderland: Ein Haus in Nieukerk voller Historie

Serie „So wohnt das Gelderland“ : Ein Haus, das viele Geschichten erzählt

Die Nieukerker Geschichte spielt im Leben von Ingrid und Hans-Josef Büschkes eine zentrale Rolle. Das wird besonders auch in ihrem historischen Wohnhaus an der Kölner Straße mitten im Ort deutlich. Ein Rundgang.

Die große, rote Tür mit der schwarzen Hausnummer „26“ soll den Weg weisen – den Weg in das Reich von Ingrid und Hans-Josef Büschkes. „Wenn wir Besuch bekommen, muss man trotzdem vorher sagen, wo der Eingang ist“, erklärt Hans-Josef Büschkes lachend. Denn das Eingangstor zum Haus der Nieukerker befindet sich nicht etwa an der Kölner Straße, sondern an der angrenzenden Schulstraße. Das war nicht immer so: An den alten Zustand des Hauses, das anhand historischer Karten des kleinen Ortes wohl das erste Gebäude an der Kölner Straße war, erinnert unter anderem eine Zeichnung aus dem Jahr 1949, die das geschichtlich interessierte Ehepaar natürlich aufgehoben hat.

„Damals sah es hier so aus“, sagt Ingrid Büschkes und zeigt auf das Bild. „Die Haustür lag noch auf der anderen Seite. Dort befand sich zu dieser Zeit auch das alte Scheunentor.“ Denn das Haus der Büschkes war einst ein Bauernhof im niederrheinischen Fachwerkhaus-Baustil. 1943 wohnten die Großeltern von Hans-Josef Büschkes noch dort. Als er und seine Eltern im Zweiten Weltkrieg, nach einem verheerenden Bombenangriff auf die Stadt Krefeld, aus ihrem Haus fliehen müssen, ziehen sie zu den Großeltern nach Nieukerk. „Damals im Krieg waren wir Selbstversorger: Schweinestall, Pferde, Gemüsegarten“, erklärt der Rentner.

Die Lieblingsecke des Hauses von Ingrid Büschkes: Zwischen Bücherregal und Spirituosenschrank. Foto: Norbert Prümen

In den Jahren nach dem Krieg veränderte sich das historische Haus an der Kölner Straße immer wieder. Der große Umbau stand im September 1970 auf dem Plan. Hans-Josef Büschkes und seine Frau Ingrid, die er Anfang der 60er-Jahre kennenlernte, setzten damals einen Neubau in den Altbau. Dabei veränderte sich auch der Ort des Eingangs – was heute bei neuen Besuchern immer noch zu Verwirrung führt: Aus Schweinestall wurde Wohnzimmer, aus Pferdestall Esszimmer. Da wo sich einst Eingang und Flur befanden, baute das Ehepaar die neue Küche ein. Das Ehepaar hat den Blick auf das Historische behalten. „Zum Beispiel bei unseren Möbeln. Die meisten davon sind gut 55 Jahre alt, sehen aber aus wie neu. Und sind mittlerweile sogar wieder modern“, meint Ingrid Büschkes, die ihren Lieblingsort in der Lesecke des Hauses gefunden hat – zwischen Bücherrregal und Spirituosenschrank.

Die Windfahne stand einst auf der alten Korbflechter-Schule in Nieukerk. Foto: Norbert Prümen

Bei passendem Wetter sitzt das Ehepaar am liebsten im Garten, der einiges zu bieten hat. „Mit den vielen Tulpen und den Rhododendren blüht eigentlich immer etwas“, erklärt die Seniorin, die sich mit viel Engagement um das Wohl des Gartens kümmert. Besonders stolz ist das Ehepaar auf die frühe Geschichte des Hauses. „Das Haus war das erste, das an der Kölner Straße stand“, erklärt Ingrid Büschkes und zeigt dabei auf eine historische Karte des Dorfes aus dem Jahr 1815. „Die Karte von Michael Buyx ist die älteste von Nieukerk erhaltene Karte. Ganz am Rand ist unser Haus zu sehen.“ Auf das Dach des Hauses hat es aber eine andere Jahreszahl geschafft – mit einer weiteren Besonderheit. „Unsere Windfahne war einst auf der Korbflechter-Schule des Dorfes angebracht. Ich hab mir sie damals für eine Flasche Cognac ertauscht“, beschreibt Ingrid Büschkes. Die Jahreszahl auf der Fahne erinnert an den großen Umbruch des Hauses: 1971.