Kerken: Wo die Musik ein Zuhause hat

Kerken : Wo die Musik ein Zuhause hat

Die Singschule Aldekerk ist Ideenschmiede, Treffpunkt für Sangesfreudige und Lagerort für zahlreiche Noten. Karl Hammans und Jutta Kleinmanns sind seit 2003 in der Gartenstraße 1. Seitdem ist viel passiert.

Die Klangstäbe wurden zu Paddeln umfunktioniert, die Kinder sind startbereit. "Mit unserem Singschul-Paddelboot fahren wir zur See. Wir paddeln links, wir paddeln rechts, alohalohahe", stimmt Jutta Kleinmanns an. Karl Hammans nennt sie "die gute Seele".

2003 fing sie als Bürokraft in der Singschule Aldekerk an, sie besuchte Fortbildungen und bringt nun unter anderem Jakob, Alexander, Oscar und Leon die Begeisterung für Musik nahe. "Wenn die hier trällernd rausgehen, dann haben wir gewonnen", sagt Kleinmanns lächelnd.

Mit dem Haus in der Gartenstraße 1, in der die Singschule untergebracht ist, verbindet sie mehr als nur ihren Arbeitsplatz. Anfang der 1950er Jahre waren in dem Haus Flüchtlinge untergebracht, auch ihre Eltern aus dem Brandenburger Land. "Ich bin hier aus dem Haus", sagt sie und blickt noch ein wenig weiter auf die Geschichte des Gebäudes zurück.

Gebaut wurde das Haus 1914. Erst vier Jahre später wurde es in Betrieb genommen, als Jungenschule. Später war es ein Zuhause für Flüchtlinge, nach der kommunalen Neuordnung wurde es als Verwaltungsgebäude genutzt, als Zweigstelle der Gemeinde Kerken, dann war das Büro des TV Aldekerk in den Räumen.

Die Idee, daraus ein Haus der Musik zu machen, hatte Pastor Wolfgang Spindelmann. Mit Mitteln aus der Pfarrgemeinde und Spenden wurde 2003 alles renoviert. "Entstanden ist die Singschule aus dem damaligen Kirchenchor", sagt Hammans. Und seitdem ist sie gewachsen.

Unter dem Dach des Hauses lagert das Archiv des Kirchenchors, die Mitglieder treffen sich dort genauso regelmäßig wie die Männergruppe Schola Cantorum, der Kinder- und Jugendchor Total Vokal und, darauf sind Hammans und Kleinmanns besonders stolz, die jungen Erwachsenen des Total Vokal.

Die nennen sich ToVo Revival und haben immer noch Lust auf Chorgesang. "Es ist die Gemeinschaft", nennt Kleinmanns, was die jungen Leute neben der Musik zusammenschweißt. "Bei denen hört man schon, dass sie als Kinder gesungen haben. Sie haben schon andere Stimmen als Ungeübte."

Dennoch sei es nie zu spät, um mit dem Singen anzufangen, betont Kleinmanns. Zu hören ist das an Stimmen der Teilnehmer des Chorprojekts Kaju. "Der Chor hat sich stimmlich verdammt gut gemacht", lobt Kleinmanns. Der Name Kaju setze sich zusammen aus den Vornamen Karl und Jutta, sagt Kleinmanns lachend, also von ihrem und Hammans' Vornamen.

In Kaju haben sich Eltern zusammengeschlossen, deren Kinder Kleinmanns unterrichtet hat. "Wir haben viele Zugezogene, die freuen sich, dass sie bei uns in der Singschule Kontakte knüpfen. Das ist den Frauen schon ziemlich wichtig", sagt die Kerkenerin. Tatsächlich sei in der singenden Elterngruppe bisher nur ein Mann vertreten, stellt Kleinmanns fest.

Sie und Karl Hammans werden nicht müde, andere für Musik zu begeistern. Hammans ist seit über 20 Jahren Kirchenmusiker in Aldekerk. 1996 war er unter der Bedingung gekommen, dass ein Teil seiner Zeit als "freischaffender Musiker" erhalten bleibt. "Es ist nicht nur Kirchenmusik, was wir machen. Wir machen alles, was Spaß macht. Hauptsache, es ist gut", sagt Hammans.

Im Haus Gartenstraße 1 wird nicht nur gesungen, sondern auch musiziert. "Alle sind mit der gleichen Begeisterung dabei, ob Gitarren- oder Keyboardlehrer", sagt Kleinmanns. "Was an dem Haus toll ist, dass man sich zu Hause fühlt." Am großen Glastisch werden dann Ideen geschmiedet. "Wir lassen uns gerne inspirieren und packen es dann auch an", sagt Hammans.

Rund ums Jahr werden Konzerte organisiert und arrangiert. Hammans' Augen leuchten, wenn er über das Mitmach-Konzert spricht, das für Dezember geplant ist. Er erzählt von den zurückliegenden Kulturtagen, als "Bach vom Dach" erklang, als Bachmusik durch am Kirchendach angebrachte Lautsprecher schallte und Leute es sich mit Klappstühlen in der Nähe der Kirche gemütlich machten und die Musik einfach genossen. "Es ist egal, wo man Musik macht.

Aber der Mensch muss begreifen, welchen Schatz man ihm dadurch eröffnen kann", lautet Hammans' Passion . "Das ist eine ganz wichtige Aufgabe, egal ob in Hamburg, Berlin oder Aldekerk." Deswegen geht er auch in die Schulen vor Ort.

Die Nachwuchssänger mit ihren Klangstäbe-Paddeln sind fast am Ende des Liedes angekommen. "Wir steuern unsern Hafen an und freu'n uns auf Zuhaus'. Wir haben viel gesehen und die Geschichte ist aus, alohahoahe." Klingt gut.

(RP)
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