Was Macht Eigentlich...?: Willi Teloo: "Leben ist gut so"

Was Macht Eigentlich...?: Willi Teloo: "Leben ist gut so"

Er war für Jahrzehnte ein Macher und Frontmann in der Gelderner Kunst-, Musik- und Sport-Landschaft. Sehr aktiv ist er auch heute noch - aber ohne Druck, ohne Zwänge, vor allem ohne Terminkalender. Er vermisst nichts.

Eines hat Willi Teloo sich gewünscht, als er im Jahr 2010 von den vielen Bühnen abtrat, auf denen er sich bis dahin getummelt hatte. "Mein oberstes Ziel war tatsächlich, ohne Terminkalender leben zu können", sagt er. Und das hat sogar fast vollständig geklappt.

Was nicht heißt, dass er nicht viel zu tun hätte, ganz im Gegenteil: Willi Teloo hat ein ausgesprochen bewegtes Leben. Er hat einen aktiven Bekanntenkreis, mag Konzerte, Kultur- und Sportveranstaltungen und kann sich über Mangel an Abwechslung nicht beklagen. Im Alltag kümmert er sich gerne um den Haushalt, liebt lange Spaziergänge, Radtouren und Trips nach Holland - und seine Freiheit. "Am allermeisten genieße ich, mir meine Zeit einteilen zu können", sagt der 65-Jährige. Und: "Den ganzen Tag Musik hören zu können." So laut, wie er will.

Das war mal alles ganz anders. Willi Teloo war der Marketing-Leiter bei der Volksbank von 1981 bis zum Ruhestand im Jahr 2011. Es war ein Abgang mit Pauken und Trompeten für ihn, im letzten Arbeitsjahr hielt ihn das Jubiläum der Bank in Atem: Allein an 16 Wochenenden tingelte er da mit Veranstaltungen durch die Ortschaften.

Willi Teloo hat die Blues-Night aus der Taufe gehoben, den Schulhof-Rock, den Prima-Giro-Cup für die Fußballvereine im Gelderland. Er hat den Kulturherbst in die Spur gesetzt und war im Jahr 2000 Mitbegründer des Culturkreises Gelderland. Von 1981 bis 1996 war er auch der Vorsitzende des SV Issum, und nebenbei war er 16 Jahre lang Schöffe. Jetzt mischt er nur noch im Culturkreis aktiv mit und sieht ansonsten von außen dabei zu, wie all seine alten Projekte - "sozusagen meine Kinder", wie er sagt - blühen und gedeihen.

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Was seine Zeit normalerweise erfüllt: "In erster Linie bin ich Hausmann", erzählt er. "Mit Leib und Seele. Das betrifft nicht nur kochen und backen, sondern auch putzen, waschen und bügeln." Dazu hat er feste Gewohnheiten: "Ich bin einer von denen, die tatsächlich morgens um sechs Uhr aufstehen."

Als Hobbykoch und -bäcker hat er Freude daran, Gerichte zu planen, Rezepte zu entwickeln, zu probieren und zu experimentieren. Wenn frisches Brot duftend aus dem Ofen kommt - in solchen Momenten kann er wirklich aufgehen.

Und auf der Dachterrasse buhlen 60 Kübel mit Bäumchen, Kräutern und Zierpflanzen um seine Aufmerksamkeit. "Ich freue mich, wenn es wächst, wenn es blüht", erzählt er. Und gut für die Vogelwelt ist es auch: "Wenn viel Grün da ist, hat man viel Getier um sich." Es gab Zeiten, da hätte ihm die Muße gefehlt, sich dabei zu entspannen - heute geht das. Jeden Tag zieht es ihn raus ins Freie. Mindestens eine Stunde täglich geht er im Winter zügig spazieren, "in den Sommermonaten ziehe ich das Fahrrad vor". In seiner Stammkneipe "Zur Niersbrücke" kann man ihn regelmäßig treffen, auch das gehört für ihn zur Alltagsroutine. Oder sonntags auf den Fußballplätzen, wenn in der Umgebung Heimspiele sind: "Da gehen Sie auch nicht nur wegen des Sports hin", macht er klar. Da trifft man sich, es werden Nachrichten ausgetauscht. Ein zweites Zuhause haben seine Ehefrau Rosy Fredericq, die gerade ganz frisch in Rente gegangen ist, und er mit einem Mobilheim mit eigenem Grundstück in Holland. Da sind sie oft, vor allem im Sommer. Wenn er nicht gerade einen Kleinkrieg gegen die Wühlmäuse unterm Rasen führt, machte Willi Teloo dann gerne ausgiebige Radtouren, "zum Teil von Den Haag bis Rotterdam durch wunderschöne Landschaften und schöne Städte", beschreibt er. Er weiß es zu schätzen, dass er das alles nach Lust und Laune tun kann. "Ein Leben lang hab' ich mich gehetzt, um Muße zu haben", erklärt er. Erst noch schnell alles erledigen, noch eben dies und jenes geschafft kriegen, damit er sich eine Auszeit gönnen konnte - das war eine Grundstimmung bei ihm. Davon wollte er weg. Und wenn er jetzt bei seinen Rad-Ausflügen irgendwo spontan einkehrt, oder wenn er sich nachmittags mit einem Buch in die Sonne vor der Tür setzt, dann hat er das Gefühl: Er ist doch auf einem ganz guten Weg.

Ob er etwas vermisse von seiner früheren Rolle in Geldern? Da schüttelt er den Kopf. "Das ist Geschichte", sagt er. "Leben ist gut so. Darf so weitergehen."

(RP)