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Wie die Sadt Geldern Energie sparen will

Expertengruppe Energie : So will die Stadt Geldern Energie sparen

Bürgermeister Sven Kaiser spricht von relativ kurzfristigen Maßnahmen, die mindestens 20 Prozent des bisherigen Energieverbrauchs einsparen sollen. Ein wichtiger Baustein ist die Nutzung des LoRaWAN-Netzes.

Noch weiß niemand genau, wie sich die Energielage in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln wird. Doch um für das „Wort-Case-Szenario“ bestmöglich vorbereitet zu sein, hat Gelderns Bürgermeister noch in den Sommerferien eine „Expertengruppe Energie“ ins Leben gerufen, teilt die Stadt Geldern mit. Sie soll kurzfristig Maßnahmen prüfen und vorbereiten, um den Energieverbrauch städtischer Einrichtungen im Winter deutlich zu reduzieren. Zusammen setzt sich die Gruppe aus Mitarbeitenden der Stadtwerke Geldern, der Gelderner Baugesellschaft und der Stadtverwaltung.

„Unser Ziel ist es, relativ kurzfristig Maßnahmen zu treffen, um mindestens 20 Prozent des bisherigen Energieverbrauchs der Stadt Geldern einzusparen“, sagt Bürgermeister Sven Kaiser. Wichtig ist ihm zu betonen, „dass wir nur Maßnahmen treffen werden, die auch wirklich Sinn ergeben. Es geht nicht darum, in blinden Aktionismus zu verfallen“.

Ein wichtiger Baustein wird bei den geplanten Maßnahmen die Nutzung des in Geldern bereits eingerichteten LoRaWAN-Netzes sein. Beim Long Range Wide Area Network werden kleinere Datenmengen über große Distanzen übertragen. Sensoren erfassen beispielsweise den CO2-Gehalt, die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur eines Raumes. Anschließend werden diese Daten über das LoRaWAN-Netz in eine Cloud geladen, von wo aus sie jederzeit und von jedem Ort aus abrufbar sind. So lassen sich nicht nur Missstände lokalisieren, sondern auch Einstellungen wie die Raumtemperatur dezentral steuern. Genutzt wird das System unter anderem schon in den städtischen Schulen, die in den vergangenen Monaten mit sogenannten CO2-Ampeln ausgestattet wurden.

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„Dadurch, dass wir das LoRaWAN-Netz schon 2021 eingerichtet haben, bieten sich für die jetzige Situation Vorteile, die wir natürlich unbedingt nutzen wollen“, sagt Kaiser. „Und alle getroffenen Maßnahmen, die mit unserem LoRaWAN-Netz kombiniert sind, sind gleichzeitig nachhaltig, weil wir von den erzielten Einsparungen nicht nur im Winter, sondern auch in den nächsten Jahren noch profitieren werden.“

Eine erste Maßnahme, die als Pilot-Projekt an der Gelderner Adelheid-Grundschule startet, befindet sich zurzeit in Vorbereitung: Alle Räume werden mit LoRaWAN-Heizkörperthermostaten ausgestattet, um auf diese Weise den Energieverbrauch und die Heizkosten zu reduzieren. Durch deren Nutzung ist es möglich, über anpassbare Zeitprogramme (zum Beispiel Arbeitszeit oder Ferienkalender) oder die Temperaturabsenkung pro Nacht die Temperatur für definierte Räume, Etagen oder gesamte Gebäude zentral und automatisch zu regeln. Über eine Plattform können die aktuelle Raumtemperatur und der Betriebsmodus des Thermostats abgelesen und verändert werden. Die Bedienung ist einfach per Standardbrowser auf dem Smartphone, Tablet oder PC möglich. Ein weiterer Vorteil: Die Thermostate sind komplett wartungsfrei, da keine Batterien benötigt werden und für die benötigte Energie die Wärme des Heizkörpers genutzt wird.

Eine zweite, bereits getroffene Maßnahme betrifft das Gelderner Parkbad. Um Energie zu sparen, wurden die Wasser- und Raumtemperatur um zwei Grad abgesenkt. In einem weiteren Schritt wurde auch die Energieversorgung für die aktuellen Bauprojekte der Gelderner Baugesellschaft in den vergangenen Wochen nochmals überprüft. „Alle neuen Gebäude, die schon in Nutzung sind, wie zum Beispiel die Neubauten der Gesamtschule oder das neue Feuerwehrgerätehaus in Lüllingen, sind in der Energieversorgung ohnehin schon fast komplett autark, zum Beispiel durch die Nutzung von Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen“, sagt Geschäftsführer Thomas Mutz und ergänzt: „Die Projekte, die aktuell in der Bearbeitung sind, haben wir mit Blick auf die Energieversorgung zuletzt alle nochmal auf den Prüfstand gestellt und die Planungen da, wo es Sinn ergab, angepasst, damit wir künftig bei allen neuen Gebäuden zu 100 Prozent auf die Nutzung von Gas verzichten können.“

Bürgermeister Sven Kaiser berichtet, dass die neue „Expertengruppe Energie“ noch viele weitere Sparmaßnahmen diskutiert und erörtert hat, „die wir nun schnellstmöglich auf ihre Umsetzung und Effektivität hin überprüfen“.

(RP)