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Wie die Gemeinden im Gelderland den Kontakt zu den Gläubigen halten.

Corona und Seelsorge : „Kirchliches Leben durcheinander“

Wie Geistliche versuchen, den Kontakt zu den Gläubigen nicht abreißen zu lassen. In Zeiten der Pandemie werden Internet und Telefon immer wichtiger. Doch manchmal ist auch die persönliche Begegnung unabdingbar.

Kreuzigung, Tod, Auferstehung: Ostern ist das wichtigste Fest der Christenheit. Doch in diesem Jahr kommen die Gläubigen nicht zusammen, um des Leidens und Sterbens Christi zu gedenken. Sämtliche Gottesdienste in den nächsten Wochen fallen dem Coronavirus zum Opfer. Das kirchliche Leben sei nicht weniger als „durcheinander gewirbelt“, sagt Arndt Thielen. „Was wir Ostern machen, müssen wir noch überlegen“, sagt der Seelsorger von St. Maria Magdalena Geldern. Auch was mit der Erstkommunion von rund 150 Kindern nach Ostern passiert, steht noch auf der Kippe. Fakt ist aber: Auch wenn alle Gottesdienste ausfallen, haben viele Gläubige das Bedürfnis nach Fürsprache und Betreuung.

Dem versuchen die Kirchen wenigstens ansatzweise gerecht zu werden. Hier verweist Thielen wie auch Christian Werner, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Straelen-Wachtendonk, unter anderem auf die Fernsehübertragungen von Gottesdiensten. Die Erreichbarkeit per Telefon sei da, die Seelsorger möchten gerade jetzt für die Menschen da sein. Die Rufnummern und E-Mail-Adressen des Seelsorgeteams und viele weitere Informationen zur Situation sind auf der Homepage der Kirchengemeinde www.st-mariamagdalena-geldern.de nachzulesen. „Und im Ernstfall, etwa zur Krankensalbung, kommen wir nach Absprache auch nach Hause“, versichert Thielen. Taufen, Beerdigungen und Trauungen können allerdings nur noch im engsten Familienkreis stattfinden.

„Das Gemeindebüro ist telefonisch, per Mail oder per Post zu erreichen.“ Diese Aussage der evangelischen Kirchengemeinde Kerken lässt sich wohl auch auf alle anderen Kirchengemeinden der Region übertragen.

Für das persönliche Gebet am Marienaltar oder vor dem Allerheiligsten bleiben alle Kirchen, in allen Ortschaften, zu den bekannten Zeiten weiter geöffnet, wie Gelderns Pastoralreferent Friedhelm Appel betont. So ist die „Offene Kirche“ in der Pfarrkirche St. Maria Magdalena Geldern weiterhin zu den bekannten Zeiten durch einzelne Ehrenamtliche besetzt. Eine Gelegenheit für ein freies Gebet und um eine Kerze anzuzünden.

Und wenn große Zusammenkünfte nicht mehr möglich sind, wollen die Christen im Gebet verbunden bleiben. Immer um 18 Uhr kann in St. Maria Magdalena jede und jeder für sich zu Hause oder als Partner, als Familie gemeinsam in Verbundenheit mit vielen anderen die es auch tun, beten. Der Gebetsvorschlag ist auch auf der Internetseite der Kirchengemeinde zu finden. Ein Weg, der auch in vielen anderen Gemeinden beschritten wird.

„Jeder soll vor Ort für sich beten, wenn die Gotteshäuser geschlossen sind“, meint Pfarrer Werner. Er sieht als ein Zeichen der Verbundenheit das Mittagsgeläut um 12 Uhr, das Abendgeläut um 18 Uhr und das Geläut sonntags zur gewohnten Gottesdienstzeit. St. Dionysius Kerken hat jetzt jeden Tag um 19.30 Uhr volles Geläut. Eine Möglichkeit, in Kontakt zu bleiben, sind für Werner die Publikationen der jeweiligen Gemeinde. Für die evangelischen Christen in Straelen und Wachtendonk ist das die „Triangel“, die Anfang April das nächste Mal erscheint. Am Gründonnerstag wollten die evangelischen Christen in Straelen eigentlich den 75. Todestag Dietrich Bonhoeffers begehen. Eine Veranstaltung, die jetzt natürlich nicht mehr möglich ist. Und ob im Mai die Konfirmation durchgeführt werden kann, steht laut Werner noch auf der Kippe.

Das sei alles neu, noch nie dagewesen, meinen Thielen und Werner unisono. „Wir müssen das Beste daraus machen“, sagt der Pfarrer von St. Maria Magdalena Geldern. Und: „Als Christen tragen wir Verantwortung für alle Menschen, denen wir begegnen.“