Wie die Caritas in Geldern das Miteinander fördern will.

Projekte in der Leader-Region : Dörfer durch Vielfalt stärker machen

Die Caritas in Geldern wirbt für ein neues Miteinander in Walbeck, Pont, Herongen, Twisteden und Winnekendonk.

Mit Hortensien verdient Andreas Pellens sein Geld. Und Gebray Gerensea sorgt mit dafür, dass die schönen Blumen aus der Ponter Gärtnerei auch zu den Kunden kommen. Seit 2016 arbeitet der Mann aus Eritrea Vollzeit in diesem Betrieb. Für den Caritasverband Geldern-Kevelaer ist das ein gelungenes Beispiel für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund.

Im Oktober 2012 flüchtete Gerensea aus seinem Heimatland, im Juli 2014 reiste er in Deutschland ein. Seit 2015 besitzt er als Flüchtling eine Aufenthaltserlaubnis.

„Der Familiennachzug war relativ kompliziert“, erinnert sich Saskia Elders vom Caritas-Centrum Geldern. Erst im März 2018 kam Gerenseas Frau mit zwei Söhnen nach Deutschland, im Januar wurde die Tochter geboren. Die Caritas unterstützte die Familie bei Behördengängen, vermittelte Integrations- und Sprachkurse, Plätze in der Kita für den fünfjährigen Sohn und in der Sekundarschule für den 13-Jährigen.

Gebray Gerensea ist dankbar für die Hilfe. „Ich möchte gerne den Führerschein machen“, wünscht sich der 39-Jährige. Und dass die Frau und der ältere Sohn gut Deutsch lernen.

Denn das Überwinden der sprachlichen Barriere ist das A und O, um Migranten möglichst intensiv integrieren zu können. „Das ist eine relativ hohe Hürde, hier müssen wir ansetzen“, weiß Saskia Elders. Mit dem Projekt „Unser Dorf ist stark durch Vielfalt“ will der Caritasverband Einheimischen und Neubürgern aus anderen Ländern klar machen, wie wichtig und für beide Seiten gewinnbringend die Integration ist.

Ein Vorhaben, das durch die Leader-Region „Lei.La“ in den Jahren 2018 bis 2021 mit insgesamt 229.000 Euro gefördert wird. Projektträger ist der Caritasverband Geldern-Kevelaer. Das Projektgebiet erstreckt sich auf Walbeck, Pont, Twisteden, Winnekendonk und Herongen.

Berührungspunkte abbauen und Berührungspunkte aufbauen, das ist eines der Ziele in diesem Projekt. Es geht um die „Vermittlung interkultureller Kompetenz“, das heißt, beide Seiten sollen aufeinander zugehen und voneinander lernen und profitieren. Einrichtungen, Vereine und örtliche Arbeitgeber sollen beim Schaffen geeigneter Strukturen unterstützt werden, dabei werden Netzwerke, zu denen unter anderem das Jobcenter, der Verein Agrobusiness Niederrhein und das Berufskolleg gehören, ausgebaut und intensiviert.

Die Förderung eines neuen Miteinanders von Alteingesessenen und Zugewanderten soll dabei auch dem demografischen Faktor entgegenwirken. „Die Dörfer leiden unter Überalterung und Bevölkerungsschwund“, erklärt Saskia Elders. Das biete Menschen mit Migrationshintergrund die Chance, in kleinem Rahmen schnell Fuß zu fassen. Und örtliche Organisationen, vom Sportverein über den Männerchor bis zur Bruderschaft, bekommen die Möglichkeit, die schrumpfende Mitgliederzahl aufzustocken und Lücken zu füllen.

„Das ist ein langer Prozess“, ist sich Jessica Schicks vom Caritas-Centrum Straelen-Wachtendonk bewusst. Zunächst gehe es darum, den Migranten Arbeit, Wohnung, Schule und Kindergarten zu verschaffen. Von dort aus erfolge schrittweise die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, etwa beim Sommerfest der Kita.

Vorbehalte müssen nach und nach abgebaut werden. „Die Offenheit ist in den Ortschaften unterschiedlich“, hat Saskia Elders erfahren. Es geht bei der Integration in die Dorfgemeinschaft um einen langwierigen Prozess. „Nicht umsonst ist das Projekt auf drei Jahre angelegt“, sagt Caritas-Pressesprecher Tobias Kleinebrahm.

Die Menschen sollen sich begegnen und durchs Kennenlernen Skepsis und Berührungsängste abbauen. Einige Veranstaltungen hat die Caritas mit ihrem Projekt „Unser Dorf ist stark durch Vielfalt“ geplant. In Herongen sei ein runder Tisch geplant mit Schule, Kindergarten und Kirche, berichtet Jessica Schicks. Weitere Ideen sind laut Saskia Elders Aktionstage und Schnuppertrainings in Vereinen sowie Betriebsbesuche bei potentiellen Arbeitgebern.

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