Geldern: Wenn aus Mozart Mamma Mia wird

Geldern: Wenn aus Mozart Mamma Mia wird

Türchen Nummer 16 und 17*: Jahrelang sang der Weberstadt-Frauchenchor Klassiker und Kirchenlieder. Dann wechselte der Mann an der Spitze und brachte modernen Stoff mit. Nicht nur deshalb ist der Proberaum jeden Montag voll.

Heute tragen die Frauen Schwarz-Rot. Schwarze Tracht, roter Schal. "Unser Outfit passen wir immer dem Anlass an", sagt Ursula Janssen. Der ist an diesem Montag, zwei Wochen vor Heiligabend, eindeutig: auf jeden Fall weihnachtlich. Nach und nach trudeln die Sängerinnen ins Pfarrheim Maria Magdalena in Goch ein. In der Adventszeit soll alles schick sein - auch bei der Probe. Rund um die Notenständer haben die Frauen Kerzen entfacht, Adventskränze aufgestellt, es riecht nach Tanne und Wachs. Also alles ganz traditionell hier? Von wegen.

Der Weberstadt-Frauchenchor Goch 1994 hat - so verrät es der Name - vor 23 Jahren angefangen, die ersten Lieder zu singen. Es war eine Premiere für Goch. Bis dahin gab es dort keinen reinen Frauenchor. Hannelore Rietz, Riet Peters und Ursula Janssen sangen damals im Chor in Weeze unter der Leitung von Alois Werner. Als der sich bei den Damen erkundigte, ob Goch denn keinen eigenen Frauenchor habe und die verneinten, war plötzlich einer geboren. "Dann machen Sie mal, einen Chorleiter haben Sie", sagte Werner dann.

Zur ersten Probe in die Pestalozzischule kamen am 12. August 91 Sängerinnen. "Mit so einem Erfolg hatten wir nicht gerechnet", sagt Janssen. Drei Jahre und viele viele Proben später gaben die Gocher Frauen ihr erstes großes Konzert. Selbst ein Zusatztermin war ausverkauft, auch wenn am Ende nur knapp 60 Frauen im Chor übrig geblieben sind.

Seit sieben Jahren sitzt nun Hans-Herrmann Koppers am Klavier, wenn die heute noch 43 Frau starke Gruppe singt. Seit der 67-Jährige als Chorleiter angetreten ist, hat sich einiges verändert. Der Kirchenmusiker Koppers verbannte die alten Klassiker von den Notenständern und ließ ab 2010 nur noch Schlager und Musicals singen. Ein Plan, den auch die Frauen unterstützten - auch wenn er ungewöhnlich ist für einen Mann, der aus der Klassik kommt. "Ich habe meine Chöre jahrzehntelang nur Mozart und Bach singen lassen. Irgendwann ist mal Schluss, und man muss etwas Moderneres ausprobieren." Respekt für den alten Leiter Werner bleibt dennoch. "Das war eine gute Zeit für uns", sagt Janssen.

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Mittlerweile stehen Songs von Phil Collins, Abba und Elton John auf dem Programm. "Bei Helene Fischer geht die Post ab, aber Mozart reißt die Leute nicht mehr mit", sagt Koppers. Er weiß, dass ihm andere Chorleiter solch einen Schritt übel nehmen könnten. "Der Funke muss beim Publikum überspringen, und das geht nur, wenn unsere Musik zur Zeit passt", sagt Koppers. An Qualität hat der Chor dadurch nicht eingebüßt. "Wir singen nach wie vor dreistimmig", sagt Koppers - auch wenn das bedeutet: Typische Männerstimmen müssen von Frauen gesungen werden. "Zum Teil berichten uns Zuhörer, dass sie sich sicher sind, dass irgendwo auch Männer mitsingen", sagt Janssen und lacht.

Um Nachwuchs müssen sich die Frauen nicht sorgen. In den vergangenen Jahren konnte der Chor die Mitgliederzahl stabil halten, und das, ohne Werbung zu machen. "Wir sind froh, dass die Leute zu uns kommen und Lust am Singen mitbringen", sagt Martha Dycker, Vorsitzende des Chors. Das sei aber auch vor allem das Verdienst von Koppers, auch wenn der sich bescheiden gibt. "Ich bin nur der Chorleiter. Singen tun die Frauen", sagt er. Dycker protestiert: "Ohne dich wären wir nicht mehr da."

Video: Für unseren Adventskalender hat der Chor ein Weihnachtslied gesungen. Sie finden es heute auf den Facebookseiten unserer Redaktionen vom Niederrhein, zum Beispiel auf der Seite "RP Geldern" oder über www.facebook.com/rp.geldern * Türchen Nummer 17 finden Sie unter www.rp-online.de/wesel. Das Video dazu gibt's Sonntag auf Facebook.

(atrie)