Welche Aufgaben der Wasser- und Bodenverband Gelderner Fleuth hat.

Wasser- und Bodenverband : So floss die Fleuth ins Gelderland

Seit 90 Jahren kümmert sich der Wasser- und Bodenverband Gelderner Fleuth um das Gewässer – früher mit Spaten, heute mit dem Bagger. Ohne die Gräben wären Ackerbau und Viehhaltung vielerorts nicht möglich gewesen.

Die Männer tragen Schiebermützen, Hemden, grobe Mäntel und stehen tief in der aufgewühlten Erde, Schaufeln in den Händen, ein schmaler Bach fließt durch den Graben, den sie ausheben. Es ist eines der ersten Fotos von der Gelderner Fleuth, aufgenommen im Oktober 1931 von Willy Heitmeier, damals Bürgermeister von Nieukerk. Ältere Bilder zeigen dichtbewachsene Sumpf-Landschaften, das Gras so hoch, es muss dem Fotografen bis zur Hüfte reichen. Im Herbst und Winter steht das Wasser hier so hoch in den Niederungen, dass man keinen Fuß darauf setzten konnte.

Die Fleuth, die sich durch das Gelderland schlängelt, hat die Landschaft verändert. Ackerbau und Viehhaltung, die den Niederrhein heute so prägen, wären auf dem sumpfigen Boden nicht möglich gewesen. Von Hand haben darum vor 90 Jahren die Männer mit den Schiebermützen und den Schaufeln die Fleuth ins Gelderland gegraben.

Sie gehörten zur Gelderner Fleuthgenossenschaft, heute Wasser- und Bodenverband Gelderner Fleuth, die 1929 gegründet wurde. Die Aufgabe des Verbands damals: die Gewässer auszubauen, um die Flächen zu trocknen und nutzbar zu machen. „Es war immer ein Kampf um Wasser hier am Niederrhein“, sagt Verbandstechniker Paul Schumacher. Auch die Betreiber von Mühlen haben die Kraft der Fleuth genutzt, um Getreide zu mahlen.

Also zogen die Männer los, zunächst mit Schaufeln, später mit Baggern. In den 60er und 70er Jahren wurde die Gelderner Fleuth noch einmal ausgebaut, auch um Schutz vor Überschwemmungen zu schaffen.

Eine richtige Quelle hat die Fleuth, deren Name übrigens „Fließen“ bedeutet, nicht. Das Wasser fließt von den Flächen in den Graben und sammelt sich dort zu einem Fluss. „Seitliches Einzugsgebiet“ nennen das die Experten vom Verband.

Mittlerweile haben sich die Aufgaben des Verbands verändert. Heute steht die Unterhaltung der Gewässer an erster Stelle, 225 Kilometer auf 18.800 Hektar Land bewirtschaften die Mitarbeiter des Verbands, von der Mündung in Geldern bis nach Krefeld-Hüls, Kempen und Tönisvorst. Sie mähen die Gräben frei, damit das Wasser ablaufen kann, schneiden Sträuche und Bäume zurück, sammeln Müll ein. „Wenn wir die Unterhaltung einstellen würden“, sagt Paul Schumacher, „dann stünde in den anliegenden Häusern das Wasser im Keller.“

Auch der Naturschutz spielt bei der Arbeit eine wichtige Rolle. Der Verband hat auch den Auftrag, die Gewässer zu renaturieren. Es sei ein Spagat, Naturnähe herzustellen und trotzdem den Abfluss des Wassers zu gewährleisten, sagt der Verbandstechniker. „Trotzdem sind es gleichberechtigte Aufgaben.“

So legen die Mitarbeiter des Verbands an den Gewässergrenzen vermehrt Bepflanzungen an, um die Fleuth für Fische, Insekten und kleine Säuger wieder attraktiver zu machen. Auch Biber haben sich in den vergangenen zehn Jahren wieder an dem Fluss angesiedelt, sie sind aus den Niederlanden an den Niederrhein gekommen. „Das ist zurzeit ein großes Problem“, sagt Schumacher. Die Tiere stehen unter hohem Schutz, das Risiko von Überschwemmungen will der Verband aber auch nicht eingehen. „Wir stimmen uns dann immer mit den Naturschutzbehörden ab“, sagt der Verbandstechniker. Derzeit habe man sich darauf geeinigt, die Dämme der Biber um 60 Zentimeter herabsetzen zu dürfen, wenn in der Nähe der Fleuth Häuser vom Wasser bedroht sind.

Arbeiten an der Fleuth nach einem Sturm. Foto: Verena Kensbock
Wasser- und Bodenverband Gelderner Fleuth. Fotos: Kensbock. Foto: Verena Kensbock
Ausbau in den 30er Jahren. Foto: Gemeindearchiv Kerken
Männer beim Ausheben des Grabens, der später zur Gelderner Fleuth wurde. Foto: Gemeindearchiv Kerken

Mitglied im Wasser- und Bodenverband Gelderner Fleuth ist übrigens jeder, der auf einem Grundstück an dem Gewässer wohnt. 9000 Mitglieder hat der Verband, auch die Kommunen gehören dazu. Sie alle sind durch die Fleuth verbunden.