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Geldern: Weihnachten mit Familie statt im Knast

Geldern : Weihnachten mit Familie statt im Knast

Jedes Jahr werden hunderte Häftlinge aus den Gefängnissen in NRW vorzeitig entlassen. Auch in Geldern sind sieben Inhaftierte begnadigt worden. Sie profitieren damit von der sogenannten Weihnachtsamnestie.

Nie wird so viel von Nächstenliebe erzählt wie zu Weihnachten. Nicht einmal die deutsche Justiz ist davor sicher. Deshalb werden jedes Jahr zum Fest der Liebe knapp 2000 Häftlinge in Deutschland begnadigt. "In NRW sind es 630" , sagt Detlef Feige, Sprecher des NRW-Justizministeriums. Stichtag war der 7. November. Bestenfalls bringt es den Betroffenen bis zu acht Wochen Haftersparnis ein. Die Justizvollzugsanstalt Pont hat 2012 sieben Insassen vorzeitig nach Hause geschickt, wie die sie auf Anfrage mitteilte.

Sieben klingt wenig. Ist es auch. "Da wir Häftlinge im Langstrafenvollzug haben, kommen bei uns nie so viele Insassen für die Amnestie in Frage wie zum Beispiel in Moers oder Kleve", sagt Klaus Schweinhagen, stellvertretender Anstaltsleiter. Zwischen zwei Jahren und lebenslänglich müssen die Männer in Geldern absitzen. Chancen auf eine vorzeitige Heimkehr hatten in diesem Jahr alle, deren Entlassungstermin zwischen dem 8. November und dem 2. Januar 2013 liegt. "Wir als JVA prüfen, ob die in Frage kommenden Kandidaten gnadenwürdig sind", sagt Schweinhagen. Das sind sie, sofern sie eine Unterkunft und eventuell sogar eine Arbeitsstelle haben, wenn sie rauskommen. Außerdem dürfen sie sich in den vergangenen sechs Monaten nichts haben zu Schulden kommen lassen, zum Beispiel Drogenkonsum oder Zuspätkommen bei Ausgang. Die vorzeitige Entlassung ist auch ausgeschlossen, wenn gegen die Häftlinge noch weitere Verfahren anhängig sind. Das letzte Wort hat immer die für den Insassen zuständige Staatsanwaltschaft. Haben sich die Betroffenen gut geführt, schlägt die Anstalt der jeweiligen Behörde vor, diese Inhaftierten früher zu entlassen. Geregelt wird die Amnestie von den Ländern, weil die für den Strafvollzug zuständig sind. Deshalb unterscheiden sich die Regeln auch von Bundesland zu Bundesland.

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In NRW kann jeder entlassen werden, unabhängig davon, welche Tat er einmal begangen hat. In Berlin bleibt die Amnestie Mördern und Vergewaltigern verwehrt. Bayern und Sachsen sind die einzigen Bundesländer, in denen es keine Gnadenakte zu Weihnachten gibt. Ein reiner Akt der Nächstenliebe dürfte die Weihnachtsamnestie allerdings nicht sein. Denn ein positiver Nebeneffekt der Entlassungen ist, dass dadurch Platz in den Gefängnissen geschaffen wird. Auch finanziell bedeutet es eine Entlastung: Die Kosten im nordrhein-westfälischen Strafvollzug haben sich in den vergangenen 30 Jahren mehr als verdoppelt. Wurden 1982 rund 300 Millionen ausgegeben (40 Euro pro Häftling), waren es 2011 schon 739 Millionen (pro Häftling 90 Euro).

(RP/ac)