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Weeze: Katrin van Eickels verwandelte die Haltestelle in ein Teehaus

Kunst in Weeze : Auf den Bus warten und Tee trinken

Die Künstlerin Katrin van Eickels verwandelte ein Wartehäuschen in Weeze in ein japanisches Teehaus. Damit möchte sie zeigen, dass jeder Ort sich verändern kann – und es auf die individuelle Wahrnehmung ankommt.

Auf dem Weg in das Teehaus wächst Moos. Der Gast darf nicht darauf treten, nur auf die Steine, die dort liegen. Vor dem Zen-Garten legt er all seine schlechten Gedanken ab. Dann betritt er das Teehaus. Gast und Gastgeberin knien sich gegenüber, auf dem Tisch zwischen ihnen: der Tee und eine Klangschale.

Ein ruhiger meditativer Moment entsteht in einem Raum, wo sonst Menschen auf den Bus warten oder aussteigen. Die Künstlerin Katrin van Eickels verwandelte die Bushaltestelle an der Ecke Wember Straße/Alte Zollstraße „Auf der Hees“ in Weeze für einen Tag in ein japanisches Teehaus. „Indem ich einem ganz gewöhnlichen Alltagsort eine neue Bedeutung gebe, sorge ich dafür, dass er anders wahrgenommen wird“, sagt sie. Das Projekt entstand im Rahmen des Seminars „Kunst im öffentlichen Raum“ an der Universität Duisburg/Essen, wo van Eickels Kunst für das Lehramt an Gymnasien studiert. Das verwandelte Wartehäuschen war zeitweise umringt von vielen Besuchern. Die Künstlerin war den ganzen Tag anwesend und erklärte den Gästen Einzelheiten oder führte durch den kleinen Zen-Garten, den sie im Außenbereich des gemauerten Wartehäuschens angelegt hatte. „Ich erhebe keinen Anspruch auf völlige Authentizität. Ich habe das alles zusammengetragen und auch improvisiert“, so van Eickels. Wichtig sei ihr gewesen, dem Ort eine andere Bedeutung auch mit einem Hauch von Exotik zu geben. „Ich hatte richtig Spaß dabei. Ich habe mir immer schon vorgestellt, diese Bushalte mal anders zu sehen“, betonte sie. Eine besondere Wirkung hatte dabei der große Gegensatz zu der eigentlichen Funktion dieses Ortes. Nur das gelb umrahmte Schild mit Ankunfts- und Abfahrtszeiten der Busse erinnerte noch daran.

Alles andere war bedeckt und dekoriert. Gerade dort, wo sonst Menschen nervös auf die Uhr schauen, weil der Bus Verspätung hat oder sie sich abhetzen, weil sie selbst zu spät sind, spielte Zeit plötzlich keine Rolle mehr. Im Mittelpunkt stand die Tee-Zeremonie. „Ich kenne nicht alle Regeln der Tee-Zeremonie, selbst in Japan muss man Jahre studieren, um alles zu beachten“, so die Künstlerin. Ihr sei es um die eigentliche Transformation des Ortes gegangen, auch um zu zeigen, dass jeder Ort ein anderer sein kann, es komme eben auf die individuelle Wahrnehmung an.

Das japanische Flair an der Haltestelle „Auf der Hees“ wurde abgerundet durch den Besuch von Michael Hegenberg, Chairman der Düsseldorfer Samurai-Gruppe „Takeda“. Er kam in voller Rüstung. „Wir fertigen die Rüstungen selbst an und bemühen uns, möglichst historisch korrekt zu sein“, erklärte Hegenberg. An diesem Tag war der Samurai Teil der Verwandlung eines sonst kaum beachteten Ortes, an dem Menschen nun sogar gerne „den Bus verpassten“.