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Was die Gastwirte in der Region vom Herbst und Winter erwarten.

Kreis Kleve : Die Herbst-Hürden der Gastronomen

Erhöhte Lebensmittel- und Energiekosten, Personalmangel und immer noch zaghafte Kundschaft: Gastronomen im Kreis Kleve blicken mit Sorge in die kommende Herbstsaison. Die Preise dürften in einigen Restaurants steigen.

Eine der am stärksten von den Corona-Auswirkungen betroffenen Branchen ist die Gastronomie. Monatelang konnten kein Essen serviert und keine Getränke ausgeschenkt werden. Viele Gastronomen verloren ihre Aushilfskräfte. Trotz Corona-Hilfen mussten einige Insolvenz anmelden, in den extremsten Fällen sogar schließen. Auch nach Wiedereröffnung sind längst nicht so viele Kunden zurückgekommen wie vor der Pandemie.

Nach den Lockerungen im Frühjahr und Sommer kommen nun aber mit Blick auf die kommende Herbst- und Wintersaison erneut Sorgen bei den hiesigen Gastronomen auf. „Definitiv machen wir uns Sorgen“, sagt Anette Opgenoorth vom Landgasthof Westrich in Bedburg-Hau. „Wir machen alles uns Mögliche. Viele Gäste fühlen sich aber trotz der Belüftungsanlage nicht sicher, wenn sie drinnen im Restaurant sitzen. Das sind dann auch viele Gäste, die uns in den Monaten ausbleiben.“ Opgenoorth befürchtet einen erheblichen Umsatzrückgang. Deshalb müsse man nun auch die Preise erhöhen. Das machten sie nicht, weil sie da große Lust drauf hätten, sondern auch aufgrund der erhöhten Lebensmittelpreise. Rohstoffe wie Rapsöl, Zucker oder Getreide würden immer teurer werden, sagt die Gastronomin.

 Marc Janssen und Gaby Seuthe vom Seepark Janssen.
Marc Janssen und Gaby Seuthe vom Seepark Janssen. Foto: Melanie Gotschke Mein Tophotel – Freizeit-Verlag GmbH & Co.KG
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Dass die Lebensmittel teurer werden, liegt zum einen an der Corona-Pandemie. Versorgungsketten wurden unterbrochen und sind es teilweise immer noch. Darüber hinaus sind auch Ernteausfälle durch Extremwetter ein Grund für erhöhte Lebensmittelpreise. Ein Beispiel: Wegen der mauen Ernte von Hartweizen ist Pasta zuletzt teurer geworden.

 Kevin und Kalli Hornbergs von „Alt Derp“.
Kevin und Kalli Hornbergs von „Alt Derp“. Foto: Evers, Gottfried (eve)

In den Kostensteigerungen sieht Marc Janssen von Seepark- und Ja-Hotel in Geldern einen anhaltenden Trend. Ohne Preisanpassungen werde es nicht funktionieren. Die Zeit der Niedrigpreise werde vorbei sein, das gelte aber auch für andere Branchen. In den Hotels spüre man ein sehr intensives Geschäft. Es zeige sich, dass Urlaub in Deutschland derzeit die Alternative zu anderen Reisegebieten ist. Dadurch sei auch der Personalbedarf noch höher als vor Corona. Noch bekomme man das gestemmt, eine weitere Unterstützung sei immer willkommen. Das grundsätzliche Thema Personalmangel in Deutschland müsse vor allem die Politik anpacken, denn in allen Branchen benötige man derzeit und auf Sicht dringend Arbeitskräfte.

 Sigrid Dittrich, Nierswalder Landhaus in Goch.
Sigrid Dittrich, Nierswalder Landhaus in Goch. Foto: Evers, Gottfried (eve)

„Wahnsinn – wo soll das noch hingehen?“, sagt Kalli Hornbergs vom Restaurant „Alt Derp“ (Stassen) in Kevelaer. Man müsse mit der Kalkulation sehr genau aufpassen. „Das wird sich auch nicht beruhigen“, fürchtet der erfahrene Gastronom. Auch das Bier soll jetzt ja teurer werden, berichtete die Rheinische Post. Ansonsten habe man super gut zu tun, fast jeden Abend sei ausgebucht. Die Personalsituation habe sich etwas entspannt, aber gute Kräfte, ob fest oder als Aushilfe, seien immer willkommen.

Auch im „Alten Landhaus“ im Forstgarten Kleve ist der Personalmangel Realität. Geschäftsführer Walter Angenlahr sagt, er könne auf einen Schlag drei freie Stellen besetzen, es melde sich aber niemand auf seine Stellenausschreibungen. Wie bei Opgenoorth sind auch seine Aushilfskräfte in den Einzelhandel abgewandert. Wenn nun im Herbst weniger Kunden sein Lokal besuchen, würde es sehr eng. „Die Sorge ist auf jeden Fall da, dass weniger Kunden essen kommen wollen.“ Zusätzlich setzen ihm die erhöhten Lebensmittel- sowie Energiepreise zu. Er sagt: „Wenn die Energiepreise erstmal erhöht sind, wird es uns erschlagen.“ Deshalb müsse auch er den Weg gehen und sich dem Preisanstieg anpassen.

Die Erfahrungen der Kollegen im Kreis kann auch Anita Till vom Gasthof Till in Nieukerk unterschreiben. Die Nachfrage sei toll, aber der Personalmangel das ganz große Problem der Branche. Und um Preisanpassungen werde man nicht herumkommen.

Sigrid Dittrich, Chefin des Nierswalder Landhauses in Goch, bestätigt die Entwicklung: „Wir merken die Inflation richtig. Die Preise der Lieferanten steigen immer weiter an, genauso wie die Energiepreise. Das können wir alleine gar nicht stemmen.“ Dennoch weiß sie sich glücklich zu schätzen: Während der Einschränkungen durch Corona konnte sie alle Kräfte behalten. Auch ihre Aushilfskräfte konnte sie in der Zeit gut einsetzen: „Über Kontakte konnten unsere Aushilfen im Impfzentrum arbeiten, und die kommen nachher auch gerne wieder zu uns zurück.“ Allgemein ist sie etwas optimistischer gestimmt. Wegen der mittlerweile recht hohen Impfquote hoffe sie, dass alles so gut laufen wird wie vor Corona. „Die Leute haben immer Hunger und darüber hinaus ordentlich was nachzuholen.“