Hartmut Pleines: Warum Herr Pfarrer in den Knast geht

Hartmut Pleines : Warum Herr Pfarrer in den Knast geht

Nach fast 15 Jahren verlässt Pastor Hartmut Pleines die evangelische Kirchengemeinde Kerken. Seine neue Aufgabe ist die Betreuung der Menschen in der JVA Pont.

Zum 1. Februar 2014 fangen Sie in der JVA Pont als Seelsorger an. Wie kam es zu der Entscheidung?

Pleines Ich hatte Interesse an einer beruflichen Veränderung und die Kenntnis, dass die Stelle in der JVA Pont frei wird. Der bisherige Seelsorger, Axel Joachim Bähren, geht in Ruhestand. Außerdem habe ich, als ich vor 15 Jahren in Kerken anfing, gesagt, dass ich aus dieser Stelle nicht pensioniert werden möchte.

Warum ist das so?

Pleines Es gibt keinerlei Zerwürfnisse. Aber nach so langer Zeit ist es gut, die Stelle noch einmal zu wechseln. Das ist auch von der evangelischen Kirche so gewollt. 15 Jahre sind so eine Frist, dann ist eine Veränderung für die Gemeinde und die Person gut. Immerhin habe ich noch 18 Dienstjahre vor mir.

Warum haben Sie sich keine andere Stelle als Pfarrer einer Gemeinde gesucht?

Pleines Eine bessere Gemeinde als meine kann ich gar nicht finden. Jede andere Gemeindepfarrstelle wäre mir komisch vorgekommen. Mich reizt zudem das völlig andere Tätigkeitsfeld.

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Was ändert sich?

Pleines Bisher war ich für 2300 Gemeindemitglieder zuständig. Auch nach 15 Jahren kenne ich nicht jedes Gemeindemitglied persönlich. In der JVA Pont gibt es 670 Haftplätze. Ich teile mir die Arbeit mit meinem katholischen Kollegen. Die Arbeit ist nicht konfessionell getrennt. Jeder Gefangene, jeder Mitarbeiter sucht sich den Gesprächspartner, mit dem er lieber reden möchte.

Wie sieht Ihre Aufgabe dort aus?

Pleines Ich bin in der JVA Pont nicht im engsten Sinne Seelsorger oder Pfarrer. Vielmehr bin ich dort Berater und Ansprechpartner für alle Menschen, die in der JVA Pont leben und arbeiten. Die Kontakte sind viel intensiver als bei der Tätigkeit in einer großen Kirchengemeinde.

Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Pleines Ich habe eine Fortbildung zum Ehe- und Familienberater gemacht und gemerkt, dass es mir Freude macht. Es ist eine spannende Sache, Menschen zu helfen, sich in ihrem Leben zu orientieren. Ich präsentiere keine Lösungen. Aber ich begleite die Menschen auf ihrem Weg, eine gute Lösung zu finden.

Haben Sie keine Sorge, diese Themen mit nach Hause zu nehmen?

Pleines Das ist immer das Problem von Seelsorgern und Beratern. Wenn diejenigen völlig unsensibel sind, wäre es der falsche Job. Aber wer jedes Problem mit nach Hause nimmt, kann die Arbeit auch nicht lange machen. Das musste ich auch in 20 Jahren Gemeindedienst lernen.

Wie klappt es denn mit der Grenzziehung?

Pleines Bisher hatte ich nur drei Schritte bis zu meinem Arbeitsplatz zu gehen. Wenn ich nicht im Büro war, klingelten die Menschen auch bei mir zu Hause. In der JVA bin ich während meiner Arbeitszeiten im Gefängnis präsent. Danach geht es nach Hause. In Zukunft wird die Grenzziehung deutlicher sein.

Bleiben Sie mit Ihrer Familie in Nieukerk?

Pleines Wir sind in der Woche vor dem ersten Advent nach Geldern gezogen. Einem Nachfolger im Dorf über den Weg zu laufen, halte ich nicht für stilvoll. Nach 15 Jahren kennen mich viele Menschen, aber meinen Nachfolger noch gar nicht. Es besteht die Gefahr, wenn der alte Pfarrer am Ort bleibt, dass Konflikte entstehen. Weil mir meine Gemeinde so sehr am Herzen liegt, wollte ich ihr und mir das ersparen.

Wie sieht es mit der Nachfolge in Kerken aus?

Pleines Insgesamt gab es sechs Bewerbungen für die Pfarrstelle in Nieukerk. Das Presbyterium hat in meiner Abwesenheit drei Vorstellungsgespräche geführt. Um diese drei näher kennen zu lernen, gibt es am 12. Januar sowie 2. und 9. Februar 2014 Probegottesdienste. Das Presbyterium hat dann bis Ende Februar Zeit zu überlegen. Die Wahl des Nachfolgers soll im Gottesdienst am 2. März stattfinden.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE BIANCA MOKWA.

(bimo)
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