Waldbrandgefahr am Holländer See in Geldern: Geldernsein-Festival abgesagt.

Geldern : Keine Alternative fürs Geldernsein-Festival

Wegen Waldbrandgefahr darf der Standort am Holländer See nicht genutzt werden. Die Suche nach Alternativen im Stadtgebiet blieb erfolglos. Der Trägerverein hofft, finanziell mit einem blauen Auge davonzukommen und blickt auf 2019.

Das Geldernsein-Festival findet nicht statt. Der Verein hat sich nach intensiver Suche nach Alternativmöglichkeiten entschieden, die Veranstaltung komplett abzusagen. Grund ist die Waldbrandgefahr nach den heißen und trockenen Sommertagen. Vorsitzender Roger Bruns am Mittwoch zu unserer Redaktion: „Leider hat unser idyllisches Festivalgelände am Holländer See mit der unglaublichen Trockenheit des diesjährigen Sommers und somit einer erhöhten Waldbrandgefahr zu kämpfen. Das Gelände gilt als Forstgebiet und eine ordnungsbehördliche Verfügung des Regionalforstamtes Wesel untersagt uns die Nutzung. Wir sind sehr traurig und enttäuscht: Jedoch, Sicherheit geht vor.“

Nachdem sich in den vergangenen Wochen die Entwicklung abzeichnete, hatte sich der Verein gemeinsam mit der Stadt auf die Suche nach Ersatzstandorten gemacht. Doch das Ergebnis war immer gleich: Entweder reicht die Infrastruktur vor Ort nicht, so dass der Aufwand für das ehrenamtliche Team zu teuer werden würde, oder - etwa wenn man sich für einen Schulhof entschieden hätte – man wäre so nah an Wohnbebauung, dass die Anwohner sich wegen der Lautstärke beschweren könnten. Bruns: „Unsere Festival lebt von der besonderen Atmosphäre am Holländer See. Das lässt sich auch nur sehr schwer auf andere Standorte übertragen.“ Natürlich blieb der Verein auch in ständigem Kontakt mit dem Regionalforstamt. Doch weder der Regen der vergangenen Tage noch eine Änderung der Wetterlage bis zum Festivalkönnten derzeit zur Aufhebung der Einschätzung des Regionalforstamtes führen. Bruns: „Da bräuchte man Wochen lang anhaltenden Landregen.“

„Wir mussten jetzt schnell handeln, um bereits aufgelaufene und noch anfallende Kosten bei einer Absage zum jetzigen Zeitpunkt möglichst gering zu halten, um eine Fortsetzung 2019 zu ermöglichen. Wir sind sehr traurig über diese Entscheidung. Leider blieb uns keine andere Wahl“, so Bruns weiter. Nach den ersten Gesprächen mit den langjährigen Partnern und den 13 gebuchten Bands sehe es so aus, als ob der Verein „mit einem blauen Auge davonkomme.“ Bruns betont, dass man durch die Stadt gut und fair unterstützt worden sei.

Auch die Stadt Geldern erklärt, sie bedauere die Absage des Festivals sehr. Pressesprecher Herbert van Stephoudt: „Aufgrund der aktuellen Rechtslage war jedoch für den Standort am Holländer See keine andere Entscheidung möglich. Bereits frühzeitig ist die Stadt Geldern in einen Dialog mit dem Verein Geldernsein eingetreten, um im Falle einer drohenden Ablehnung der Veranstaltung aufgrund der Trockenheit und der bestehenden Waldbrandgefahr das Festival auf einem Ersatzgelände stattfinden lassen zu können.“ Der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen habe am 27. Juli eine „Ordnungsbehördliche Verordnung zur Waldbrandverhütung“ erlassen. Darin wird im Bereich des Regionalforstamtes Niederrhein das freie Waldbetretungsrecht eingeschränkt. Die Stadt bedauere sehr, dass auch die Suche nach einem alternativen Standort nicht zu einer einvernehmlichen Lösung führte, dies in erster Linie wegen fehlender Infrastruktur für Strom-, Frisch- und Abwasseranschlüsse.

Nicht nur das Festival ist von der Verordnung des Forstamtes betroffen. Auch andere Veranstaltungen in Geldern, etwa das Vogelschießen auf der Boeckelt, konnten nicht am angestammten Ort stattfinden. Auch für den Straßenmalerwettbewerb musste ein neuer Standort für das Künstlerdorf gesucht werden. Das Jugendzeltlager Castra Nova konnte nur unter besonderen Auflagen durchgeführt werden. Dazu zählen ein absolutes Rauchverbot, Fahrzeuge dürfen nicht auf das Gelände fahren, gegrillt werden darf erst recht nicht. Roger Bruns: „Unter solchen Auflagen kann aber kein Musikfestival stattfinden.“

Der Verein blickt deshalb nach vorn. Im kommenden Jahr wird Geldernsein vom 30. August bis 1. September stattfinden am gewohnten Ort am Holländer See. Bruns: „Wir werden mit unserem Infostand auch zu den Straßenmalern kommen. Dann werben wir eben nicht für dieses Jahr, sondern für Geldernsein 2019.“ Seit 2013 gibt es das Festival am Holländer See. Über drei Tage verteilt treten Bands auf, deren Namen man nicht unbedingt kennen muss, die aber alle ihren eigenen Stil haben und immer wieder für Überraschungen gut sind. Oder, wie es die Veranstalter sagen: „Ein Festival in Geldern, für Geldern, Gelderner, Geldrianer und alle Gäste, die sich bei guter Musik in Geldern wohlfühlen wollen.“ Alles fing damit an, dass sich 13 engagierte Musikfreunde zusammensetzten, um gemeinsam die Idee eines Open-Air-Festivals umzusetzen. Als man nach vielen Stunden immer noch keinen Namen gefunden hatte, sagte einer „Dann war es das wohl mit Geldern sein Festival“ und der Name war gefunden. Aus Geldern sein Festival wurde „Geldernsein-Festival“

Mehr von RP ONLINE