Waldbrand in Straelen: 130 Feuerwehrleute löschen Großfeuer

Waldbrand in Straelen gelöscht : 130 Einsatzkräfte bezwingen das größte Feuer seit 40 Jahren

Mehr als 50.000 Quadratmeter standen in Flammen. Die Feuerwehrleute kämpften mit erschwerten Bedingungen, wie der Nähe zu einer Ölpipeline und vermutete Phosphorbomben aus dem 2. Weltkrieg. Ein niederländischer Militärhubschrauber löschte aus der Luft.

Um 2.50 Uhr am Samstagmorgen ging die Meldung eines Anwohners bei der Feuerwehr Nettetal ein, der Brandgeruch meldete. Da war noch nicht klar, dass es sich um einen Waldbrand handelte, der sie Feuerwehren aus dem Kreis Kleve und Viersen einen ganzen Tag in Atem halten würde. Sogar der Einsatz eines Militärhubschraubers aus den Niederlanden zum Löschen aus der Luft wurde nötig. Mehr als 50.000 Quadratmeter Wald standen in der Nähe der Autobahnauffahrt A 40, Ausfahrt Niederdorf, in Flammen.

Nach dem ersten Hinweis musste die Ursache für die Rauchentwicklung gefunden werden. Dazu wurde der Polizeihubschrauber eingesetzt, erklärt Stephan Derks, Pressesprecher der Kreisfeuerwehr Kleve. In der Spitze waren zwischen 120 und 130 Einsatzkräfte der Feuerwehr im Einsatz.

Die Arbeiten wurden dadurch besonders brisant, weil in der Nähe die Ölpipeline Rotterdam-Köln verläuft, erklärt der Pressesprecher der Feuerwehr. Ein Übergreifen der Flammen auf die Rohre, die nur etwas einen Meter Bodendeckung haben, galt es zu verhindern. Erschwert wurden die Löscharbeiten außerdem, weil Weltkriegsgranaten in dem Waldstück vermutet wurden. Der Kampfmittelräumdienst wurde hinzugezogen und gab Entwarnung: keine Phosphorgrananten.

Auch ein Löschhubschrauber der Armee kam zum Einsatz

Die Löscharbeiten verfolgten unmittelbar Straelens Bürgermeister Hans-Josef Linßen und der Bürgermeister aus Venlo, Antoin Scholten. Als klar war, das Löschen allein vom Boden her nicht möglich war, um den Brand zu bekämpfen, gab es schnelle Hilfe aus den Niederlanden.

Löschwasser wurde aus der Blauen Lagune in Wachtendonk geholt. Pro Flug konnten so 8000 Liter zum Einsatzort nach Straelen gebracht werden. Foto: Stephan Derks

Ein Löschhubschrauber der Armee kam zum Einsatz. Das Wasser wurde aus dem See der Blauen Lagune in Wachtendonk geschöpft, pro Flug 8000 Liter, erklärt Derks. Es sei eine Premiere gewesen, so Christian Kirsch, Geschäftsführer der Blauen Lagune.

Da das Löschwasser nur aus dem hinteren Bereich genommen wurde, war der Bade- und Schwimmbereich nicht betroffen. „Aufgrund der Seegröße und der fest installierten Abgrenzung des Bade- und Schwimmbereichs konnten die Badegäste uneingeschränkt den Einsatz verfolgen“, sagt Kirsch.

Unternehmer stellt Tankwagen zur Verfügung

Für die Löschung vom Boden aus wurden Schneisen in den Wald geschlagen. Mit Einbruch der Dunkelheit, gegen 22 Uhr, wurde Entwarnung gegeben: Der Brand war gelöscht. Neben den Feuerwehren aus dem Kreis Kleve und Viersen waren auch Einsatzkräfte aus Gelsenkirchen, Duisburg und Wuppertal und den Niederlanden vor Ort.

Löscharbeiten der Feuerwehr vom Boden aus. Erst gegen 22 Uhr konnte Entwarnung gegeben werden, das Feuer war gelöscht. Foto: Heinz Spütz

Die Arbeit der Feuerwehr hat ein Unternehmer aus Willich wesentlich erleichtert, der Tankwagen zur Verfügung stellte. „Auf einen Schlag hatten wir fünf mal 30.000 Liter Wasser“, erklärt der Pressesprecher der Feuerwehr. „Viele haben uns unterstützt. Das ist aller Ehren wert.“

Es wurde eine Brandsicherheitswache aufgestellt. Die Brandursache ist noch unklar. „Ob es Brandstiftung war, ist rein spekulativ, und auch, ob es sich um eine Fahrlässigkeit handelt, ist reine Mutmaßung“, sagt Derks. Sicher sei, dass nachts um drei Uhr aber nicht die Kombination Glasscherbe und Sonneneinstrahlung die Ursache sein könne. „Die Ermittlungen zur Brandursache dauern an“, hieß es am Sonntag von der Polizei Kleve.

Den letzten derartig großen Brand hat es 1976 gegeben

Der Wald ist im Privatbesitz. Die Eigentümer waren am Sonntag nicht zu erreichen. Den Schaden hat sich Christoph Zebunke, Leiter des Bereich Privat- und Kommunalwald beim Regionalforstamt Niederrhein, angeschaut. „Ich kann schon sagen, dass es übel aussieht“, sagt der Experte.

Der Waldbrand in Straelen sorgte für einen Großeinsatz der Feuerwehren. Mehr als 50.000 Quadratmeter Wald waren betroffen. Foto: schulmann.tv/Guido Schulmann

So etwas habe er noch nicht gesehen. Der letzte große Brand in der Region sei 1976 gewesen. Bei Brüggen waren damals 200 Hektar betroffen. Der Hubschraubereinsatz sei entscheidend gewesen, sagt Zebunke. Er habe dafür gesorgt, dass es nicht zum Vollfeuer, dem Kronenfeuer, gekommen sei.

Man müsse in den kommenden Wochen sehen, ob eventuell Neupflanzungen nötig seien. Denn noch könne man nicht sagen, wie viele Bäume noch absterben, weil der Stamm verbrannt ist. „Schwarz wie Holzkohle“, beschreibt er, was er auf dem Weg durch das Waldgebiet gesehen hat.

Viel Lob gab es für die Einsatzkräfte

Ärgerlicher Nebenschauplatz waren Gaffer. Auf dem Standstreifen der A 40 hätten einige Halt gemacht und ihr Handy gezückt“, beschreibt Derks das unschöne Szenario. „Die denken gar nicht daran, dass sie sich und andere durch ihr Verhalten in Gefahr bringen“, mahnt er.

Viel Lob gab es für die Einsatzkräfte. Straelens Bürgermeister Hans-Josef Linßen bedankt sich für die „sehr gute und professionelle Zusammenarbeit aller Beteiligten“. Auch in den sozialen Netzwerken werden die Feuerwehrmänner für ihren Einsatz gefeiert.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Feuerwehr im Großeinsatz wegen Waldbrand bei Straelen

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