Lokale Geschichte Zeitreise in die Schulgeschichte Walbecks

Walbeck · Walter Dyckx hat in alten Schulchroniken geforscht und ein Buch zusammengestellt. Neben alten Klassenfotos bietet es jede Menge Wissen rund um das Spargeldorf. Die Geschichten reichen von tragisch bis heimatlich.

 Autor Walter Dyckx (2. v .r.) mit Schulleiter Christian Pentzek und Schülern der St.-Luzia-Schule Walbeck.

Autor Walter Dyckx (2. v .r.) mit Schulleiter Christian Pentzek und Schülern der St.-Luzia-Schule Walbeck.

Foto: Evers, Gottfried (eve)

Vor 142 Jahren nahm alles seinen Anfang. Da schrieb Lehrer Anton van de Locht am 22. September 1872 den ersten Eintrag in die Schulchronik der Gemeinde Walbeck. Aus freien Stücken geschah dies indes nicht, vielmehr wurden die Schulen aufgrund eines „Ministerial Rescript“ verpflichtet, eine Schul-Chronik zu führen. Daran hat sich bis heute nichts geändert, und so hatten sich auch in der St.-Luzia-Schule Walbeck eine Reihe von Chronikbüchern angesammelt, die allerdings mehr oder weniger ein Schattendasein führten.

Bis vor zwei Jahren Walter Dyckx, Walbecks rühriger Heimatforscher mit Wahlheimat in Brühl, beim Schulleiter Christian Pentzek vorstellig wurde mit der Bitte, aus dem vorhandenen Material eine Schulchronik erstellen zu dürfen. Viel Überzeugungsarbeit brauchte Walter Dyckx nicht leisten, Walbecks Schulleiter war von diesem Vorhaben direkt begeistert und stellte die Chroniken nur zu gerne zur Verfügung. Für den Walbecker Heimatforscher begann damit eine Zeitreise. Unterrichtet wurde in Walbeck schon lange, bevor der erste Eintrag in eine Schulchronik gemacht wurde. Bereits um 1500 wurden Walbecker Kinder von Schulmeister Arndt unterrichtet. Zwei Jahre dauerte die Reise von Dyckx durch Walbecker Geschichte und Geschichten. Der Heimatforscher hat daraus ein Werk von fast 300 Seiten erstellt, ein Buch, das nicht nur für Walbecker spannenden Lesestoff bietet.

Nicht allein die Schulchroniken, die teilweise von der Sütterlinschrift übersetzt werden mussten, standen Pate bei der Auswertung. Auch in seinem eigenen großen Walbecker Archiv fand Walter Dyckx viele Informationen rund um die Schule. So sind, bis auf die Anfangszeit der Schule, alle Lehrer mit Lebensbiographie zu finden. Aber auch dunkle Geschichten erzählt die Chronik, wie die der Lehrerin Elise Dunker, die im Jahre 1883 in geistiger Verwirrung versuchte, sich in der Maas zu ertränken. Oder das Schicksal des in Walbeck unvergessenen und beliebten Lehrers Fritjof Kauter, der Anfang der 60er Jahre mit seinen Schülern das Luzia-Mosaik an der Schule anbrachte und später bei einem tragischen Unfall starb. So mancher Walbecker wird überrascht sein, in welchen Gebäuden im Dorf schon überall unterrichtet wurde. Von der Kaiserzeit, dem Ersten und Zweiten Weltkrieg bis heute lässt der Chronist die Schulgeschichte wieder lebendig werden.

Aber nicht nur das Schulleben, auch was im und ums Dorf passierte, wurde in den Chroniken festgehalten. Der 1977 verstorbene Heimatdichter Jakob Schopmans schildert in seinen Lebenserinnerungen, wie es Anfang des 20. Jahrhunderts in der Walbecker Schule zuging. Ein Zitat: „In meiner Kindheit prügelten sie alle, die Eltern sowohl die Pastöre und Kapläne, die Lehrer und Lehrerinnen... .“

Und dann gibt es noch jede Menge Bilder. Viele Walbecker werden sich beim Blättern in der Chronik wiederfinden, sei es auf alten Klassenfotos oder in Berichten über Klassenfahrten aus den 50er Jahren. Auch findet man Schülerlisten der Jahre 1933 bis 1962, bis die Schule dann im Rahmen der Neuordnung von einer Volks- in eine Grundschule umgewandelt wurde. Der aktuelle Schulleiter Christian Pentzek konnte schon einen Blick in die Schulchronik werfen, er kommt dort nicht nur selber vor, sondern wird dort sicher noch einige ihm unbekannte historische Begebenheiten „seiner“ Schule finden.

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