1. NRW
  2. Städte
  3. Geldern

Wachtendonk: Spezialkräfte stürmten Drogenlabor

Labor in Wachtendonk entdeckt : Mutmaßlicher Drogenkoch wollte auf dem Fahrrad flüchten

Razzia am Niederrhein: Drogenlabor in Wachtendonk gestürmt

Die Polizei hat in Wachtendonk einen mutmaßlichen Drogenbetrieb hochgenommen. Fünf Personen wurden festgenommen. Viele Details sind noch unklar.

Die Polizei hat in Wachtendonk einen mutmaßlichen Drogenbetrieb hochgenommen. Fünf Personen wurden festgenommen. Sie alle waren der Polizei bereits bekannt.

Der Konvoi kam am Dienstag um 12 Uhr mittags. Aus Richtung Kerken preschte auf der L140, der Slümer Straße, eine lange Fahrzeugschlange Richtung Südwesten. Kurz vor der Kreuzung mit der Kempener Straße bogen Polizeibusse und Feuerwehrwagen links ab und hielten auf ein aus mehreren Gebäuden bestehendes Gehöft etwas außerhalb von Wachtendonk zu. Der Verdacht: Dort werden Drogen in großem Stil hergestellt. Eine Annahme, die sich etwas später als richtig erweisen sollte. "In einem Labor wurden Amphetamine im großen Stil produziert", teilte Karin Kretzer von der Pressestelle der Polizei Krefeld mit, die von einem "generalstabsmäßig vorbereiteten Einsatz" sprach.

Im Laufschritt hatten sich zuvor eine Hundertschaft und Spezialeinsatzkräfte dem Gebäude genähert und es umzingelt. Ein Hubschrauber schwebte über dem weitläufigen Gelände. Ein Mann wollte mit dem Fahrrad fliehen und wurde sofort festgenommen. Ebenso erging es vier weiteren Personen.

Laut Polizeipressesprecherin handelt es sich um einen 27-Jährigen und seine 22-jährige Lebensgefährtin, seine 53-jährige Mutter, seinen 29-jährigen Bruder und einen 21-Jährigen. "Alle Festgenommenen sind polizeibekannt", sagte Karin Kretzer. Alle sind Deutsche. Die 22-Jährige wurde nach einer Befragung entlassen. Die anderen Tatverdächtigen werden am Mittwoch auf Antrag der Staatsanwaltschaft Kleve einem Haftrichter vorgeführt.

Gefahr für Ermittler

Mit Sicherheitswesten, zum Teil vermummt und mit Gasmasken näherten sich die Beamten dem Einsatzort. Sorgfalt und Eigensicherung seien oberstes Gebot gewesen, so die Pressesprecherin. "Es sind Chemikalien im Spiel. Das ist kein Problem, wenn sie ordnungsgemäß gelagert sind. Aber davon war nicht auszugehen."

Diese Drogenküche steht im Zusammenhang mit dem Drogenlabor, das in einer am 28. März abgebrannten Scheune in Wachtendonk entdeckt wurde. "Im Zuge der Ermittlungen nach diesem Brand ergaben sich weitere Ermittlungen mit Bezug auf diesen Hof jetzt", umschrieb Oberstaatsanwalt Johannes Hoppmann von der Staatsanwaltschaft Kleve die Verbindung zwischen beiden Fällen.

Viele Chemikalien gefunden

Zwei große Feuerwehrwagen fuhren um 12.50 Uhr auf das Gelände. "Die Polizei hat uns zur Unterstützung angefordert", erklärte Kreisbrandmeister Reiner Gilles auf Anfrage. Rund 120 Angehörige von ABC-Trupps hatten Spezialausrüstung dabei, standen in Bereitschaft, um eventuelle Gefahren durch Chemikalien und andere Stoffe zu bannen. Die Tatverdächtigen müssen sich nicht nur wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten. Es wird laut gemeinsamer Pressemitteilung von Polizei Krefeld und Staatsanwaltschaft Kleve auch geprüft, ob Anhaltspunkte für Umweltdelikte bestehen. Die für die Gefahrenabwehr zuständigen Behörden des Kreises Kleve wurden eingeschaltet und sicherten Proben vor Ort. Die Untersuchungen dauerten bis zum frühen Abend an.

Die Beamten fanden große Mengen an Chemikalien sowie Behälter und Zubehör, die auf die Herstellung von Drogen schließen lassen. Darunter waren mehrere hundert Liter Amphetaminöl sowie weitere Flüssigkeiten, die zur weiteren Verarbeitung bereit standen. "Da standen viele blaue Plastikfässer und weiße Plastiktanks kreuz und quer herum", beschrieb Polizeisprecherin Karin Kretzer den Anblick in den Gebäuden.