Wachtendonk/Kleve: Prozess um Drogenlabor - Urteile bis zu zehn Jahre Haft

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Im Prozess um ein Drogenlabor in Wachtendonk sind alle sechs Angeklagten zu Freiheitsstrafen verurteilt worden. Der Prozess lief seit Dezember 2018, es ging um Amphetaminherstellung im großen Stil.

Addiert man die Freiheitsstrafen, die am Mittwoch im Prozess um ein Amphetaminlabor in Wachtendonk verhängt worden sind, kommt man auf 33 Jahre hinter Gittern. Die Erste große Strafkammer des Klever Landgerichts verurteilte jeden der sechs Angeklagten.

Die längste Haftstrafe erwartet den 40-jährigen Niederländer: Er wurde wegen bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in elf Fällen zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Außerdem muss er 60.000 Euro zahlen, die er mit der Amphetaminherstellung auf einem Hof in Wachtendonk verdient habe, so die Kammer. Wegen elf Fällen bandenmäßigen Handeltreibens wurde auch der 31-jährige Sohn der Hofbesitzerin verurteilt. Er bekam sechs Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe und muss 25.000 Euro Wertersatz leisten.

Seine Mutter - die Eigentümerin des Wachtendonker Vierkanthofes, auf welchem das Amphetamin-Öl zwischen Ende Januar und Ende April 2018 laut Feststellung der Kammer produziert worden sei - wurde wegen Beihilfe zu vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der jüngere Sohn der Eigentümerin wurde wegen mehrfacher Beihilfe zu drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Der Hofgehilfe wurde zu vier Jahren und sechs Monaten wegen mehrfacher Beihilfe verurteilt, ebenso wie ein polnischer Kraftfahrer (vier Jahre).

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Der Vorsitzende Richter Jürgen Ruby zeichnete in der Urteilsbegründung die Entwicklung des Labores nach: Durch 100.000 Euro Spielschulden von Hintermännern dazu gedrängt, habe sich der in der Drogenproduktion erfahrene Niederländer 2017 auf die Suche nach einem geeigneten Standort für ein Labor begeben.

In Wachtendonk sei er fündig geworden, habe die Nutzung der Hofräumlichkeiten mit der Eigentümerin vereinbart und mit der professionellen Einrichtung von schlussendlich acht Kochstellen begonnen. Der ältere Sohn der Hofbesitzerin sei neugierig geworden und habe sich vom Niederländer in die Produktion einarbeiten lassen. Ende Januar 2018 – Beginn des angeklagten Tatzeitraumes – sei der ältere Sohn dann in der Lage gewesen, den „relativ komplizierten Prozess“ selber durchzuführen. Bis zur Razzia auf dem Hof Ende April 2018 seien zehn Mal 60 Liter Amphetaminöl produziert worden. Hinzu kommen 143 Liter, die bei der Durchsuchung sichergestellt wurden.

Nach dem älteren Sohn der Hofbesitzerin sei dann auch der Hofgehilfe in die Produktion eingestiegen, schließlich – in geringerem Umfang – der jüngere Sohn. Der polnische Angeklagte habe derweil mindestens sechs Transporte für das Labor erledigt.

Die Hintermänner des Drogenlabors, so der Vorsitzende, seien indes weiter unbekannt. Sie hätten den infolge einer Spielsucht verschuldeten Niederländer auch unter Androhung von Gewalt zur Einrichtung und Leitung des Labors getrieben. Der niederländische Angeklagte hatte während des Prozesses zwar seine Beteiligung an dem Wachtendonker Labor eingeräumt, aber keine Hinweise zu Hinterleuten gegeben.

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